Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

Walwurtz (266) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel wildem Cucumer (268)
 

Von Cucumern. Cap. CCLVII.

 

Abbildung Cucumer
Cucumer ( CCCXCVIII )
Abbildung: Seite 693

Deutsch: Gurke
English: Cucumber
Francais: concombre
Latein: Cucumis sativus
 

Abbildung Türckisch Cucumer
Türckisch Cucumer ( CCCXCVIX )
Abbildung: Seite 694

Deutsch: Kürbis, Garten-
English: Pumpkin (long)
Francais: citrouille
Francais: giraumon
Latein: Cucurbita pepo var. oblonga
 

Abbildung Meer Cucumer
Meer Cucumer ( CCCC )
Abbildung: Seite 695

Deutsch: Kürbis, Garten-
English: Pumpkin (round)
Latein: Cucurbita pepo var. rotunda
 

Abbildung Citrullen
Citrullen ( CCCCI )
Abbildung: Seite 696

Deutsch: Melone, Wasser-
Deutsch: Angurie
English: Watermelon
Francais: melon d'eau
Latein: Citrullus lanatus
 

Abbildung Pfeben
Pfeben ( CCCCII )
Abbildung: Seite 697

Deutsch: Melone, Zucker-
Deutsch: Kantalupe
English: Cantaloupe
Francais: melon
Latein: Cucumis melo

Namen.

C
Ucumern werden in Griechischer spraach Sicys / unn Sicys hemeros geheyssen. Zu Latein Cucumis und Cucumer / welcher namen in den Apotecken bliben ist. Aetius nent sölch gewechß Angurium. Ursach des Griechischen und Lateinischen namens haben wir in unserm Lateinischen kreüterbuch angezeygt.

Geschlecht.

   Der Cucumern seind mancherley geschlecht / fürnemlich aber sechs. Das erst geschlecht ist gantz gemein / würdt von ettlichen Anguria genent. Daher kompts das diß geschlechts früchten auff Teütsch von ettlichen auch Gurchen geheyssen werden. Das ander geschlecht würt Türckischer Cucumer genent darumb / on zweifel / das diß gewechß erstlich auß der Türckey ist in unser land kommen. Das dritt geschlecht würt zu Latein Cucumer marinus geheyssen / daher nent man sölchs gewechß Zucco marin. Mag wol Meer Cucumer genent werden. Das vierdt geschlecht nent man in den Apotecken Citrulum / und auff Teütsch Citrullen. Das fünfft geschlecht seind Pfeben / Pepones genent in Griechischer unn Lateinischer spraach. Das sechst Melon / die werden auch in beyden gedachten spraachen unn in der Apotecken Melones geheyssen. Diser aller underscheyd wöllen wir in beschreibung der gestalt klärlich anzeygen.

Gestalt.

   Das erst geschlecht / Cucumer in den Apotecken geheyssen / hat einen rauhen stengel / der kreucht auff der erden her. Seine bletter seind rauch / schwartzgrün / ecket / unn vornen zugespitzt / der kleinen Ephew blettern nit ungleich / aber grösser und breyter. Es hat auch seine hefftlin / darmit es sich an die nechsten gewechß wicklet. Die blumen so zwüschen dem stengel und den blettern wachsen / sind geel. Nach abfallung der blume kompt hernach die frucht / welche lang ist / außwendig mit vil tüpffelin besprengt / inwendig durchauß mit spitzigen und breyten kernen besetzt. Dise öpffel seind erstlich grün / darnach so sie zeitigen / werdens geel / mit vil strömlin oder fürchlin geziert. Die wurtzel ist schlecht / mit vilen weissen fäßlin besetzt. Der Türckisch Cucumer ist dem gemeinen mit stengel / kraut / hefftlin / blettern / blumen unn öpffel etwas gleich / aber aller ding grösser. Die bletter seind vil tieffer zerschnitten / grüner / und gegen dem styl nit wie die Ephew bletter außgeschnitten. Die blumen seind vil grösser / gestalt wie die glocken / doch vornen in fünff oder sechs teyl zerspallten / gantz saffranfarb. Die öpffel werden seer groß / und gantz unn gar geel. Die wurtzel ist holtzecht. Der Zucco marin oder Meer Cucumer ist mit stengel / hefftlin / blettern / blumen und wurtzel dem Türckischen gar änlich / aber aller ding kleiner. Die bletter seind auch mehr den Ephew blettern gleich / dann des Türckischen. Die öpffel seind gantz rund / geströmt / unn an der farb erstlich grün / darnach geel. Die Citrullen seind mit stengel / blettern / welche mit vilen schnitten oder kerffen zerspalten / unn blumen den frembden Coloquinten gantz gleich. Die öpffel seind auch rund / grün / aber vil grösser / inwendig mit grossen braunen breyten kernen besetzt.
   Die Pfeben und Melonen haben fast einerley kraut / stengel und blumen. Ligen mehr auff der erden dann sie übersich wachsen. Ire hefftlin seind vil kleiner dann der andern Cucumern. Die bletter seind rund / rauch / den Reben blettern gleich. Die neben zweiglin tragen zweyerley geeler blumen / wie der Cucumern / die ersten fallen ab / die andern haben hinder jhnen bützlin nachvolgen / darauß werden die öpffel / ettlich lang und geel / die werden Pfeben genent / ettlich gantz rund und grün / die nent man Melonen / darumb das sie rund / unn gestalt seind wie die öpffel. Dise beyde frücht seind geströmt / unnd ettwas rauch / inwendig gantz geel / safftig / unn mit kernen in einer ordnung durchauß besetzt / am geruch lieblich / am geschmack süß.

Statt irer wachsung.

   Die Cucumern alle wöllen ein feyßt erdtrich / und vil sonnen haben. Das erst geschlecht ist gemein in unsern landen / aber die andern drey geschlecht der Cucumern seind vor kurtzen jaren erst zu unns gebracht worden / das man auß jhren namen wol mag abnemen. Die Pfeben und Melonen wöllen auch ein wolgebawt erdtrich haben / deßgleichen auch vil sonnen. Wachsen umb Nüremberg in grosser menig.

Zeit.

   Die Cucumern / Melonen und Pfeben / werden im Hewmonat und Augstmonat zeitig.

Die natur und complexion.

   Die Cucumern mitsampt den Melonen und Pfeben seind kalt unn feücht im andern grad. Der samen aber und wurtzel / so sie gedörrt werden / trücknen im ersten grad.

Krafft und würckung.

   Die Cucumern gessen / lindern den bauch / unn seind gut dem hitzigen magen. Sie seind auch der blasen nützlich. Der sam treibt den harn. Mit milch oder süssem wein jngenommen / ist er gut denen so die blaß schwirig ist. Die bletter mit wein zerstossen und übergeschlagen / heylen die bissz der hund. Die Pfeben gessen / treiben den harn. So mans über die stirn legt / leschen sie die hitz der augen. Die eüsser schelfe übergelegt / treibt hindersich die flüß so in die augen geen. Der safft an der sonnen getrücknet unn angestrichen / macht ein schön angesicht. Die wurtzel gedörrt / gepulvert / unnd in Meth jngenommen eines quintlins schwer / macht speien. Mit hönig vermischt unnd übergelegt / heylt sie die fliessenden geschwär. So man mit den Pfeben die unreynen haut / und das angesicht reibt / vertreiben sie allerley masen / flecken / roßmucken unnd dergleichen ungestalt so daran gefunden würdt. Gessen / machen sie ein böß geblüt / und bringen mit sich die kranckheyt / darinn einer unden unnd oben zumal von sich gibt / Cholera genent. Die Pfeben samen treibt den lendenstein. Die Melonen seind nit so schädlich als die Pfeben / diene auch dem magen baß. So einer der in onmacht fellt zu den Pfeben oder Melonen schmeckt / kompt er widerumb zu jhm selbs. Wann man die Gurchen zu vil braucht / und der andern Cucumern / so leschen sie den mennlichen samen auß / und machen unlust zu den Eelichen wercken. Sie machen auch vil zäher böser feüchtigkeyt im leib / darauß langwirige feber entsteen / und grimmen der därmen.

nach oben

Walwurtz (266) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel wildem Cucumer (268)

© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de