Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von wildem Cucumer. Cap. CCLXVIII.

 

Abbildung Wild Cucumer
Wild Cucumer ( CCCCIII )
Abbildung: Seite 700

Deutsch: Gurke, Spitz-
English: Cucumber, squirting
Francais: concombre d'attrape
Latein: Ecballium elaterium

Namen.

W
Ilder Cucumer / oder Esels Cucumer / würdt in Griechischer spraach Sicys agrios / oder Elaterion / zu Latein Cucumis anguinus / sylvestris und erraticus / in den Apotecken Cucumis asininus genent.

Gestalt.

   Der wild Cucumer ist mit stengel und blettern dem Meer Cucumer etwas gleich / doch seind die bletter reuher / unn das mehrteyl zusamen gebogen. Er hat aber kein hefftlin darmit er sich an die nechsten gewechß anhencke. Die blumen seind bleychgeel / der gestalt nach der Citrullen blumen änlich. Sein frucht ist vil kleiner dann der andern Cucumern / gantz rauch / grün / rund und langlecht / inwendig voller saffts unn brauner körner / die springen schnell herauß / so man den styl außzeücht / also das einer muß darab erschrecken. Die wurtzel ist weiß / und groß / oben gestalt wie ein weisse Rüb / mit vil neben würtzelin unnd fasen. Das gantz gewechß ist seer bitter.

Statt seiner wachsung.

   Diß gewechß wechßt nit von jm selbs / so vil und mir bewüßt / in unsern landen / sonder muß von dem samen gepflantzt werden. Wo es aber ein mal hin kompt / besambt es sich selbs järlich / also das man sein darnach nit mag abkommen. Wechßt gern in sandigen orten.

Zeit.

   Der wild Cucumer blüet im Augstmonat / und bringt volgends gegen dem Herbst seine frücht oder öpffel.

Die natur und complexion.

   Diß gewechß dieweil es / wie angezeygt / seer bitter ist / muß von nöten warm und trucken sein.

Krafft und würckung.

   Der safft von den blettern in die ohren gethon / bringt das gehör widerumb. Die wurtzel zerstossen mit gersten maltz vermengt und übergelegt / verzert allerley geschwulst / so sich von kalten flüssen erheben. In essig gesotten und übergeschlagen / vertreibt sie das Podagra. In wasser gesotten und im mund gehalten / legt sie den schmertzen der zän. Die brüe ist nützlich zu einer clystier denen so das hüfftwee haben. Die wurtzel gedörrt / zu pulver gestossen und mit hönig angestrichen / vertreibt die flecht und allerley masen des angesichts unn des gantzen leibs. Der safft auß der wurtzel auff ein halben scrupel zum höchsten jngenommen / treibt auß durch den stulgang die gallen und zähen feüchtigkeyt / unnd ist fürnemlich den wassersüchtigen nützlich / und schadet dem magen nichts.
   Der safft von den öpffeln / Elaterium genent / auff ein halben scrupel schwer auffs höchst jngenommen / treibt krefftiglich die gallen und zähe feüchtigkeyt unden und oben auß. Er bringt den frawen jhre zeit. Mit milch vermischt und in die nasen gethon / heylt er die geelsucht. Dermassen gebraucht / nimpt er hinweg den weetagen des haupts. So einer ein halßgeschwär hatt / Angina genennt / dem sol man disen safft von aussen mit hönig unn altem öl vermengt anstreichen / dann er verzert die inwendigen geschwulst. Der safft so auß den blettern und der wurtzel getruckt würdt / ist nit so gar krefftig / als der safft so auß der frucht kompt. Man sagt / wann einer die wurtzel der Weinreben mit dem Elaterio bestreich oder berür / so fressen die vögel keine trauben so daran wachsen. Es soll auch von disem safft nit über ein halben scrupel auff ein mal jngenommen werden / dann wo man diß gewicht überschreit / so ist er tödtlich. Er mag aber zehen jar in seinen krefften verharren und bleiben.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de