Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

Syngrüen (135) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel Gilgen (137)
 

Von Gartenkressen. Cap. CXXXVI.

 

Abbildung Gartenkreß
Gartenkreß ( CCIIII )
Abbildung: Seite 372

Deutsch: Kresse, Garten-
English: Cress, garden
Francais: cresson alénois
Latein: Lepidium sativum

Namen.

G
Artenkreß würt auff Griechisch Cardamum / zu Latein Nasturtium genent / welchen namen es inn den Apotecken behallten hat. Die gemeinen kreütler heyssens Cressionem hortensem. Ursachen diser yetzerzelten namen findt man nach der leng in meinem Lateinischen kreüterbuch erzelt / dahin mögen sich die spraachverstendigen verfügen.

Gestalt.

   Gartenkreß hat einen runden stengel / elen hoch / bletter die seind klein unnd zerspalten. Seine blümlin weiß / der same geel / inn breyten runden schifflin begriffen / derselbig ist am geschmack scharpff wie der Senff.

Statt seiner wachsung.

   Wechst allenthalben inn gärten dohin er gesäet würt. Mag alle ort leiden / bedarff keins mists / kan auch wol on feüchte sein.

Zeit.

   Der Gartenkreß blüet im Brachmonat man meysten / volgends bringt er seinen samen.

Die natur und complexion.

   Der samen des Gartenkreß ist warm unnd trucken im vierdten grad. Das kraut auch so es dürr würt / hat gleiche natur unnd krafft wie der same. So es aber noch grün ist / hatt es ein wässerige feüchtigkeyt noch bey jhme / unnd ist demnach nit so scharpff / also das mans zur speiß mit brot wol brauchen mag unnd kann.

Krafft und würckung.

   Der samen ist scharpff / und demnach dem magen widerwertig. Reyniget den bauch. Treibt auß die würm mit hönig genommen. Macht das miltz kleiner. Bringt den frawen jre kranckheyt. Reytzt zur unkeüscheyt. Ist der krafft nach dem Senff samen gar gleich. Heylet alle blatern unnd schebigkeyt des grinds / böse masen und flecken. Mit hönig vermischt unn übergelegt / macht er das miltz kleiner. Mit hönig unnd wasser gesotten / zerteylt er den zähen schleim umb die brust. Ist derhalben denen so schwärlich athmen unn keichen seer nütz. Dermassen getruncken / widersteet er den schlangen unn gifftigen thiern. Ein rauch darvon gemacht / vertreibt alle dergleichen vergifftige thier. Der same in wasser gesotten und das haubt mit gewäschen / behelt die har vest und steiff. Mit gersten maltz und essig übergelegt / ist er gut denen so das hüftwee haben. Zerteylt auch also gebraucht allerley geschwulst. Scherpfft die sinn. Treibt auß die gallen durch den stulgang in wasser gesotten unn getruncken. Reynigt auch das haupt / und scherpfft das gesicht. Mit feigen vermischt unn pflasterßweiß über die oren gelegt / bringt er wider das gehör. Vertreibt die schüpen unn grind auff dem haupt / mit genßschmaltz vermischt unn übergestrichen. Mit hönig vermengt unn übergestrichen / heylet er die geschwär unn schäden so umb sich fressen. Mit Bonen meel vermischt und übergelegt / darnach mit Köl zugedeckt / zerteylt er die kröpff.

nach oben

Syngrüen (135) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel Gilgen (137)

© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de