Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Gilgen. Cap. CXXXVII.

 

Abbildung Weiß Gilgen
Weiß Gilgen ( CCV )
Abbildung: Seite 374

Deutsch: Lilie, weiße
Deutsch: Madonnenlilie
English: Lily, Madonna
English: Lily, white
Francais: lis blanc
Latein: Lilium candidum
 

Abbildung Goldtgilg
Goldtgilg ( CCVI )
Abbildung: Seite 375

Deutsch: Lilie, Feuer-
English: Lily, orange
English: Lily, fire
Francais: lis brillant
Latein: Lilium bulbiferum

Namen.

G
Ilgen haben die Griechen Crinon und Lirium / die Lateinischen Lilium / und Junonis rosam genent. Ursach diser namen haben wir gnugsam in unserm Lateinischen kreüterbuch angezeygt.

Geschlecht.

   Wiewol vilerley geschlecht der Gilgen seind / yedoch haben wir hie derselbigen nur zwey geschlecht zu malen geben. Das erst so wir weiß Gilgen nennen. Das ander / so Goldtgilg geheyssen würdt / acht es sey Lilium rufum bey dem Plinio. Darumb mans wol und recht rot Gilgen nent.

Gestalt.

   Weiß Gilgen haben selten über einen stengel / der etwan drey elen lang ist. Jr bletter seind lang / wie an den Knabenkreütern oder Stendelwurtzen. Die blumen oder Gilgen schön weiß / und hat ein yede gemeinlich sechs bletter / außwendig mit holkälen underscheyden oder gefallten / die seind in ein ründe zusamen gesetzt / von unden an eng / und ye lenger ye weiter / also das sich ein yede Gilg einem korb oder glöcklin vergleicht. Das eüsser teyl oben an den blettern ist ringßumbher hindersich gebogen. Mitten in den blume findt man sechs geeler köpfflin auff sovil fäden hangen / darnach sicht man ein grünen schwenckel der geet mitten auß einer yeden blumen / der ist vornen dreyecket und kolbecht. Die wurtzel ist zwiblecht / unn ein yede wurtzel hat vil fach / yedes fach aber anzusehen als ein feyst haußwurtz blettlin. Am zwibel steen unden vil kleine wurtzeln und zaseln. Die Goldtgilg gewindt nur einen stengel / der ist von unden an biß oben auß mit vilen schmalen Weiden blettlin zu beyden seiten bekleydet / vonn farben schwartzgrün . Die blume vergleichen sich den weissen Gilgen der gestalt nach / seind aber feür rot / on geruch / on frucht unnd on samen. Die wurtzel ist ettwas braun / mit der gestalt den weissen Gilgen zwibel gleich.

Statt irer wachsung.

   Die weissen Gilgen seind allenthalben gemein / und werden fast in allen gärten gepflantzt. Die Goldtgilgen aber / oder roten Gilgen seind nit so gar gemein an allen orten als die weissen. Doch an vilen orten in unserm Teütschland / als zu Straßburg / werden sie für ein zier in gärten gehallten.

Zeit.

   Die weissen Gilgen blüen im Brachmonat / die roten aber im Meyen.

Die natur und complexion.

   Die blumen der Gilgen haben eim vermischte natur / dann jhr substantz ist zum teyl zart und subtil / zum teyl grob und jrdisch / zum teyl auch wässerig und temperiert. Die bletter und wurtzel trücknen im ersten grad / und seubern / doch die wurtzel mehr dann die bletter.

Die krafft und würckung.

   Gilgenöl ist gut zu erweychung der nerven / in sonderheyt aber zu der verherten muter. Die bletter unn wurtzel verzeren mittelmässig. Seind derhalben so sie warm werden übergelegt gut zu dem brandt vom feür / und denen so von natern gebissen seind. Die wurtzel allein geröst oder in äschen gebraten unn zerstossen mit rosenöl vermischt / unn übergelegt / ist dem brandt seer dienstlich. Heylet auch alle andere wunden zusamen / in essig gebeytzt und jngemacht. Der safft von den blettern mit essig und hönig gesotten / ist ein gute artzney zu allerley wunden frisch und allt. Die wurtzel mit hönig vermischt unn zerstossen / heylet die abgeschnitten nerven oder sennadern / und die verruckte glider. Diser gestalt gebraucht / vertreibt sie allerley flecken und mäler an der haut / und sonderlich under dem angesicht / die fliessende geschwär / unn schüpen des haupts. Gedachte wurtzel zerstossen mit essig / Bilsenkraut / und Weytzen meel / über die geschwollen unnd hitzige gemecht gelegt / stillt den schmertzen derselbigen unnd weycht die geschwulst. Der same getruncken ist gut denen so von den schlangen gebissen seind. Die bletter wann sie grün seind / leschen sie das rotlauff. Die wurtzel in wein gesotten unnd drey tag on underlaß über die hüneraugen gelegt / vertreibt dieselbigen. Mit öl gesotten unn angestrichen / macht sie das nach dem brandt das har wider wechst. Der safft von den blumen angestrichen / bringt den schweyß / und macht eyter.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de