Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Kürbs. Cap. CXXXVIII.

 

Abbildung Groß Kürbs
Groß Kürbs ( CCVII )
Abbildung: Seite 377

Deutsch: Flaschenkürbis
English: Gourd, calabash
English: Gourd, bottle
Francais: calebasse
Latein: Lagenaria siceraria
 

Abbildung Klein Kürbs
Klein Kürbs ( CCVIII )
Abbildung: Seite 378

Deutsch: Flaschenkürbis
English: Gourd, bottle
English: Gourd, calabash
Latein: Lagenaria siceraria
 

Abbildung Lang Kürbs
Lang Kürbs ( CCIX )
Abbildung: Seite 379

Deutsch: Flaschenkürbis
English: Gourd, bottle
English: Gourd, calabash
Latein: Lagenaria siceraria

Namen.

K
Urbs würt bey den Griechen Colocynta / bey den Lateinischen aber Cucurbita geheyssen / welchen namen sie inn den Apotecken behalten hat. Diser namen ursachen seind im Lateinischen kreüterbuch durch mich gnugsam dargethon.

Geschlecht.

   Wiewol vilerley geschlecht der Kürbs gefunden werden / yedoch seind derselbigen fürnemlich drey. Das erst / die groß Kürbs genent / von wegen jrer blumen und frucht / die grösser seind dann an den andern Kürbsen. Unn würt zwar dise frucht zu zeiten so groß / als ein zimlicher kübel. Das ander geschlecht klein Kürbs geheyssen / hat ein kleinere blumen und frucht / deren auch ettlich schlecht seind / ettlich aber krumb gebogen als die hörner. Das dritt geschlecht lang Kürbs genennt bringt ein schöne lange frucht. Seind sonst dise geschlecht / inn sonderheyt das erste und letzste / einander mit den blettern nit seer ungleich / wie das gemäl sölchs gantz klärlich anzeygt.

Gestalt.

   Kürbs henckt sich mit seinen reben unnd fäden an die kreüter / böum / unnd was sie ergreiffen mag / unn steigt daran übersich / sonst dieweil jhr stengel gantz schwach ist / kreucht sie auff der erden her / unn breytet sich seer weit auß. Die bletter seind rund / den grossen Kletten oder Haselwurtz blettern gleich. Die blumen seind weiß / doch an der erste ein wenig braunlecht. Derselbigen seind zweyerley / die ersten sind gantz wollecht anzusehen als weisse rößlin / yede blum mit fünff oder sechs blettern / die fallen ab am dritten tag on alle frucht. Die andern blumen seind kleiner / aber hinden an yeder erscheint auch die frucht / anzusehen als die kleine wilde holtzbirle. Wann die blumen verwelcken / nimpt die frucht augenscheinlich zu / und werden ettlich diser groß und rund / die andern klein und rund / ettlich aber gar lang / doch rund. Dise frücht aber seind erstlich alle grün / darnach werdens falb / bleychgeel / oder leibfarb. In gedachten Kürbsen bringt sie jhren samen / das seind breyte und dünne körner.

Statt irer wachsung.

   Kürbs wechst gern an feüchten und wässerigen orten. Und wo sie dieselbigen nit haben kan / muß man stäts wasser darbey haben / mag sonst nit übersich kommen. Ist ein kraut das man järlich vom samen muß auff bringen.

Zeit.

   Kürbs sol im Aprillen gesäet werden / alßdann blüet sie im Brachmonat. Die frucht würt langsam zeitig / darumb mag man nit wol vor dem Herbst zeitigen samen darvon bekommen.

Die natur und complexion.

   Alle Kürbs / groß unnd klein / rund unnd lang / seind im andern grad kallt und feücht.

Die krafft und würckung.

   Kürbs row zerstossen unn übergelegt / lindert die geschwulst / deßgleichen die hitz der augen / unnd das Podagra. Der safft von der zerstossen Kürbs / allein / oder mit rosenöl in die ohren gethon / legt den schmertzen derselbigen. Er ist auch gut angestrichen zu dem brandt. Der safft auß den gantzen Kürbsen getruckt / mit hönig getruncken / lindert den bauch. So einer wein in ein grüne Kürbs geüßt / und laßt jhn also darinn am lufft ein zeit lang steen / trinckt jn darnach nüchter / lindert er den stulgang. Die Kürbs gessen vertreiben den durst / seind dem magen row gessen gantz schädlich / dann sie gar hartdewig seind / und machen derhalben das sich der magen muß überwerffen. Darumb so mans in der speiß brauchen will / sollen sie vorhin gekocht werden / es sey durch sieden / rösten / oder braten. Die rinde von den Kürbsen zu äschen gebrennt / heylet den brandt krefftiglich. Dise äschen heylet auch die geschwär so am mennlichen gemecht sich erzeygen. Der Kürbs same dürr gepulvert in die wunden gestrewt macht das sie mit fleysch werden außgefüllt. Die allten Kürbßreben mit essig und süssem wein jngegeben / heylen die roten rhur. Kürbs seind der brust / lungen / und blasen gut / in sonderheyt wo sich überige hitz an disen orten erregt. Alle die kallter und feüchter natur seind / sollen der Kürbs müssig gon. Auch alle die so das därmgicht oder grimmen haben.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de