Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Mertzenblumen. Cap. CCCXXV.

 

Abbildung Groß blaw Mertzenblum mennle
Groß blaw Mertzenblum mennle ( CCCCLXXVIII )
Abbildung: Seite 827

Deutsch: Traubenhyazinthe, schopfige
Deutsch: Bisamhyazinthe, schopfige
English: Hyacinth, tassel
English: Hyacinth, feather
Francais: muscari à toupet
Latein: Muscari comosum
 

Abbildung Groß blaw Mertzenblum weible
Groß blaw Mertzenblum weible ( CCCCLXXIX )
Abbildung: Seite 828

Deutsch: Bisamhyazinthe, hellblaue
Deutsch: Traubenhyazinthe, kleine
English: Hyacinth, grape
Francais: muscari botryoïde
Latein: Muscari botryoides
 

Abbildung Klein blaw Mertzenblum mennle
Klein blaw Mertzenblum mennle ( CCCCLXXX )
Abbildung: Seite 829

Deutsch: Blaustern, zweiblättriger
English: Squill, alpine
Latein: Scilla bifolia
 

Abbildung Klein blaw Mertzenblum weible
Klein blaw Mertzenblum weible ( CCCCLXXXI )
Abbildung: Seite 830

Deutsch: Blaustern, zweiblättriger
English: Squill, alpine
Francais: jacinthe des haies
Latein: Scilla bifolia
 

Abbildung Weiß Mertzenblum
Weiß Mertzenblum ( CCCCLXXXII )
Abbildung: Seite 831

Deutsch: Blaustern, zweiblättriger
English: Squill, alpine
Latein: Scilla bifolia

Namen.

D
Ise gewechß so wir hie Mertzenblumen nennen seind nichts anderst / dann geschlecht der blumen die von den Griechen und Lateinischen Hyacinthi genent werden / wie dann sölchs die beschreibung derselben klärlich ausweißt. Sie werden aber Mertzenblumen derhalben geheyssen / das der mehrteyl derselbigen im Mertzen / mit den blawen Violen / herfür kommen / wie wir nachmals weiter wöllen anzeygen.

Geschlecht.

   Der Mertzenblumen / nach anzeygung Columellae / seind fürnemlich zweyerley art / blaw und schneeweiß. Die blawen nent er Caeruleos / und seind derselbigen uns vier geschlecht bekant. Die erst ist ettwas grösser an der wurtzel unnd blettern weder die andern / darumb haben wir dieselben zu einem underscheyd groß blaw Mertzenblum mennlin geheyssen. Die ander ist der vorigen gantz änlich / aber ettwas mit wurtzel / blettern unnd blumen kleiner. Sölche haben wir groß blaw Mertzenblum weible genent. Die dritt Mertzenblum hat gemeinlich nur zwey bletter / und jre blumen seind gestirnt / den blawen Violen nit seer ungleich / dise würdt von uns klein blaw Mertzenblum mennle geheyssen. Die vierdt hat gemeinlich drey bletter / und jhr blumen seind vil bleycher weder der vorigen / würdt klein blaw Mertzenblum weible genent. Die fünfft ist der vierdten mit allen dingen gleich / außgenommen die blumen seind schneeweiß. Darumb der Columella diß geschlecht recht unnd wol Niveum Hyacinthum geheyssen hatt.

Gestalt.

   Die Mertzenblume haben gemeinlich zwey oder drey bletter / die sind schmal unnd lang / fast dem Knoblauch kraut / oder des Feldzwibels blettern gleich. Zwüschen denselbigen blettern kommen die kleine dünne glatte bintzen stengelin herfür / die seind mit blawen blümlin besetzt / welche an den ersten zweyen geschlechten gantz klein unn rund sind / gestalt wie ein laßkopff / unn ist oben darauff ein klein schön weiß sternlin. An den anderen zweyen geschlechten seind die blumen gestirnt / an dem letzsten schneeweiß / wie vormals auch gemellt ist. So die blümlin abfallen / werden an den ersten zweyen geschlechten dreyeckete köpfflin darauß / unn ist in eim yeden fach ein runds schwartzgrawes sämlin beschlossen. An den letzsten dreyen werden runde knöpff auß den blumen / in der grösse als ein Erbß / unnd zu zeiten grösser / mit goldtgeelem samen / als Hirß / gefüllt. Die wurtzel ist ein runder zwibel / eine grösser dann die ander / wie sölchs das gemäl klärlich außweißt. So vil den gegenwürff von den zweyen buchstaben AI betrifft / achten wir on von nöten hie darauff zu antworten / dieweil sölchs der gemein man nit wol versteen mag. Wer aber ye sölche verantwortung gern wissen wolt / der findt sie im Lateinischen kreüterbuch nach der leng angezogen.

Statt irer wachsung.

   Die Mertzenblumen wachsen gern in dicken wälden und gebirgen. Die ersten zwey geschlecht seind nit so gemein als die andern zwey. Das fünfft / nemlich das weiß wechßt zu aller nechst bey Nurtingen in einem wäldlin / das man das Steinberger höltzlin nent.

Zeit.

   Die Mertzenblumen kommen alle im früling herfür / und bringen alßdann jhre schöne blümlin. Doch die ersten zwey kommen ettwas langsamer weder die letzsten / welche im end des Hornungs unn des Mertzen gemeinlich herfür kommen. Im Meyen verschwinden sie wiederumb / wie andere gewechß mehr.

Die natur und complexion.

   Die wurtzel diser Mertzenblumen ist kalt im andern grad / unnd trucken im ersten. Aber der sam ist im dritten grad trucken / unnd in der werme unnd kellt mittelmässig.

Krafft und würckung.

   Die wurtzel mit wein zerstossen unnd übergestrichen / verhindert das den knaben kein har umb die scham wechßt. Die wurtzel mit wein getruncken / stelt den bauchfluß / treibt den harn / und bekompt wol denen so von gifftigen thiern gebissen seind. Der samen stellt mehr / darumb er zu dem bauchfluß krefftiger ist weder die wurtzel. Der samen mit wein getruncken / heylt die geelsucht. Die anderen thund Staubwurtz darzu.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de