Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Freyschamkraut. Cap. CCCXIII.

 

Abbildung Freyschamkraut
Freyschamkraut ( CCCCLXI )
Abbildung: Seite 799

Deutsch: Stiefmütterchen, Feld-
English: Pansy, wild
English: Pansy, field
Francais: pensée
Francais: herbe de la trinité
Latein: Viola tricolor

Namen.

F
Reyschamkraut oder Freyssam würt auch Dreyfeltigkeyt blum genent / von wegen der dreyen farben so an seiner blumen gesehen werden. Ist ein geschlecht der Violen / unnd / meins erachtens / deren so man Jovis florem zu Latein / und auff Griechisch Dios anthos nent. Zu unsern zeiten würt diß gewechß geheyssen Herba Trinitatis / Jacea / und Herba clavellata.

Geschlecht.

   Diß krauts seind zweyerley geschlecht / zam und wild / einander seer gleich / wie wir volgends in beschreibung der gestalt weitleüffiger wöllen anzeygen.

Gestalt.

   Zam Freyschamkraut hat einen stengel der ist dreyecket / inwendig hol / mit vilen holkelen und gleychen oder gewerben. Die bletter so erstlich herfür kommen seind rund / zu ringßumbher zerkerfft / schwartzgrün / darnach werden sie langlechtig. Auß den gewerblin wachsen herauß lange blosse dünne styl / darauff seind die schönen blumen von vilen / fürnemlich dreyen / farben zusamen gesetzt. Ein yedes blümlin oder Viol hat fünff bletlin. Die zwey öbersten seind gemeinlich gantz purpurbraun / die andern zwey weiß / und das fünfft geel. Ettliche diser Violen haben zwey himelblawer blettlin neben den braunen / mit schwartzen strichlin oder linien underzogen / aber mitten inn der gantzen Violen werden dieselben strichlin am meysten in den geelen sternlin wargenommen. Zum dritten findt man auch drey blawer bletlin under den zweyen purpurbraunen gesetzt. Mitten in denen allen sicht man das sternlin. Dise Violen seind alle on geruch. Wann sie abfallen so gewindt diß kraut seinen geelfarben samen in bollen oder köpfflin verschlossen. Und wann derselbig zeitig würdt / reissen sich die bollen auff / alßdann sicht man die kleinen goldfarben sämlin neben einander gesetzt / kleiner dann der samen von dem Schölkraut. Die wurtzel ist grawlecht / zasecht unnd kurtz / mit vilen härlin. Das wild Freyschamkraut ist dem zamen fast in allen dingen gleich / außgenommen die blümlin seind kleiner / von farben nit so schön / sonder weiß und geel / ettliche blaw unn geel. Besamet sich selbs wie auch das zam.

Statt irer wachsung.

   Zam Freyschamkraut würt in gärten auffgezogen. Das wild wechßt in äckern von sich selbs.

Zeit.

   Beyde geschlecht kommen im früling nach den Mertzen Violen herfür / unnd blüen den gantzen summer.

Die natur und complexion.

   Die Freyschamkreüter seind nit kalter / wie ettlich meynen / sonder warmer und truckner natur / wie man sölchs auß dem geschmack und den würckungen mag klärlich abnemen / unnd wir in unserm Lateinischen kreüterbuch auch haben angezeygt.

Krafft und würckung.

   Freyschamkraut ist nützlich gesotten unnd getruncken denen so schwerlich athmen / reynigt die brust und lungen von allerley schleim und eyter. Es ist gut den jungen kindern so das freysch oder vergicht haben / daher ist es auch Freyschamkraut geheyssen worden. Gedörrt / gepulvert / mit hönig vermischt unn angestrichen / heylt es die rauden und das jucken. In die wunden gestrewet / reyniget und heylt es dieselbigen.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de