Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Wundkraut. Cap. CCCXII.

 

Abbildung Wundkraut mennle
Wundkraut mennle ( CCCCLIX )
Abbildung: Seite 796

Deutsch: Fettkraut, großes
English: Orpine
English: Livelong
Francais: grassette
Francais: orpin reprise
Latein: Sedum telephium
 

Abbildung Wundkraut weible
Wundkraut weible ( CCCCLX )
Abbildung: Seite 797

Deutsch: Fetthenne, Purpur-
English: Livelong
English: Orpine
Latein: Sedum telephium

Namen.

D
As gewechß so wir Wundkraut / umb der heylung willen nennen / hatt noch vil andere namen / dann es würt Knabenkraut / darumb das mans zu den brüchen braucht / Fotzwein / unnd Fotzzwang / umb anderer ursachen willen / geheyssen. In Griechischer spraach Telephion / und Aizoon agrion. Zu Latein Telephium und Jllecebra. In den Apotecken Crassula maior.

Geschlecht.

   Diß gewechs seind fürnemlich zwey geschlecht. Eins mit purpurbraunen blumen / welchs für das mennle mag gehalten werden. Das ander mit weissen blumen / mag weible geheyssen werden. Dise zwey haben ein underscheyd auch in den blettern / wie wir inn beschreibung der gestalt klärer wöllen anzeygen. Es ist über dise zwey noch eins das hat geel blumen / hab aber sölchs zu diser zeit nit mögen zu malen bekommen.

Gestalt.

   Knabenkraut mennle stoßt einen runden feyßten braunen stengel / mit feyßten blettern voller saffts / durchauß bekleydet / die seind den Burtzel blettern gleich / und nit zerkerfft. Am gipffel der stengel tregt es schöne braune gekrönte blumen / on geruch / in aller form schier als die wasser Dosten / wiewol von farben schöner und brauner / ein yedes kleins blümlin wie ein kleins holdseligs sternlin anzusehen. Die wurtzel ist weiß / knöpffecht / durch einander verwicklet. Knabenkraut das weible ist dem mennle seer gleich. Doch seind die stengel nit so gar braun / die bletter grüner / unn zerkerfft oder schartecht wie die Hanenkemb. Die blumen an der farb weiß / die wurtzel grösser und knöpffechter.

Statt irer wachsung.

   Die Knabenkreüter wachsen gern an schattechten orten / in den weingärten / und sonst auch an feüchten stetten.

Zeit.

   Die Wundkreüter kommen gantz früe herfür im Lentzen. Blüen im Hewmonat und Augstmonat.

Die natur und complexion.

   Dise beyde geschlecht seind warm im ersten grad / unnd trucken im andern volkommenlich / oder im anfang des dritten.

Krafft und würckung.

   Das kraut zerstossen und darüber geschlagen / hefftet unn heylt allerley wunden / sonderlich aber was gebrochen ist an heimlichen enden. Es stelt auch das blut krefftiglich. Das kraut über die brüch gelegt / heylet dieselben / und alle verserung / sie seien im magen / an der lungen / lebern / muter / oder ingeweyd. Darumb es in der roten rhur soll gebraucht werden. Der safft auß den stengeln unn blettern getruckt / hatt gleiche würckung. Die wurtzel mit hönig in wein gesotten und getruncken / hat auch gleiche krafft. Die bletter mit essig zerstossen / vertreiben die weissen und schwartzen mäler am leib.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de