Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Mangolt. Cap. CCCXIIII.

 

Abbildung Weisser Mangolt
Weisser Mangolt ( CCCCLXII )
Abbildung: Seite 801

Deutsch: Mangold (hellgrüne Blätter)
English: Spinach beet (light green leaves)
Francais: betterave
Latein: Beta vulgaris var. cicla
 

Abbildung Roter Mangolt
Roter Mangolt ( CCCCLXIII )
Abbildung: Seite 802

Deutsch: Mangold (rötliche Blätter)
English: Spinach beet (purplish leaves)
Latein: Beta vulgaris var. cicla

Namen.

M
Angolt würt bey den Griechen Teutlon oder Seutlon genent / zu Latein Beta / welcher nam in etlichen Apotecken bliben ist. Ursach seiner namen haben wir im Lateinischen kreüterbuch angezogen. Diß gewechß würt an ettlichen orten Biessen geheyssen.

Geschlecht.

   Des Mangolts seind fürnemlich zwey geschlecht / der weiß unnd rot. Der weiß würt zu Latein Sicula / und zu unsern zeiten mit einem unvolkomnen namen Sicla genent. Der rot Mangolt würt zu Latein Nigra Beta geheyssen / ist mit wurtzel / blettern und stengeln braunrot.

Gestalt.

   Der Mangolt hat einen rippechten stengel / der ist zimlich lang. Die bletter seind etwas breyt / den Molten blettern gleich / aber grösser unn lenger. Die blümlin steen ye eins an dem andern / von unden an des stengels unnd der neben ästlin biß oben auß : seind bleychgrün / gestirnt. Nach außfallung derselben wachsen runde stachelechte knöpfflin / das ist der hert samen. Die wurtzel ist schlecht und einig / lang wie die Fenchel wurtzel / zu zeiten aber wachsen zwo oder drey auß der seiten den grossen / mit vilen härlin.

Statt iher wachsung.

   Der Mangolt würt allenthalhen in gärten gepflantzt / unnd ist under allen kochkreütern kaum eins das lieber auffgeet als der Mangolt / dann wo der außgefallen samen hin kompt / ist das kraut nit wol zu vertreiben.

Zeit.

   Der Mangolt blüet im Hewmonat unn Augstmonat / bringt auch volgends seinen samen.

Die natur und complexion.

   Die Mangolt kreüter seind warm unnd trucken / wie man sölches auß jhrer würckung wol kan abnemen.

Krafft und würckung.

   Der rot Mangolt mit Linsen gekocht unnd gessen / stellt den bauchfluß / vil mehr aber die wurtzel. Der weiß Mangolt reytzt vil mehr zu dem stulgang / fürnemlich der safft. Darumb wann man des zuvil isset / nagt er den magen / unn ist jm ettwas verdrießlich und beschwerlich. Mangolt ist nützlich und gut den leber unnd miltzsüchtigen / nimpt hinweg jhre verstopffung. Der safft von dem weissen Mangolt mit hönig vermischt in die nasen gethon / reynigt das haupt. Die bletter grün zerstossen und über die schäden gelegt so umb sich fressen / heylen dieselben. Gekocht oder vorhin gesotten / seind sie treffenlich gut zu dem rotlauff / und brandt. Die brüe von den gesottenen blettern ist gut zu den schüpen und nissen. Man sol auch die erfrornen füß darob bäen. Der weiß Mangolt gekocht / und mit rowhem Knoblauch gessen / ist gut wider die würm im leib. Der safft von dem roten Mangolt in die ohren gethon / ist gut zu dem langwirigen weetagen des haupts / unnd dem schwindel. Er nimpt auch hinweg das klingen und sausen der ohren. Getruncken treibt er den harn / und heylt die geelsucht. An die zän gestrichen benimpt er den weetagen derselben.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de