Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Meerzwibel. Cap. CCCII.

 

Abbildung Meerzwibel
Meerzwibel ( CCCCXLVII )
Abbildung: Seite 775

Deutsch: Meerzwiebel
English: Squill, red
English: Squill, sea
English: Onion, sea
Francais: scille maritime
Latein: Urginea maritima

Namen.

M
Eerzwibel würt in Griechischer unn Lateinischer spraach Scilla / in den Apotecken Squilla genent.

Gestalt.

   Die wurtzel des Meerzwibels hat vil schelfen über einander / wie der Zwibel. Auß derselben wechßt ein stengel / als am Saffran / auff welchem wachsen weißgeel oder bleych blumen. Wann dieselbigen veralten / so kommen nach vilen tagen herfür die bletter / welche an kheinem styl wachsen / und vergleichen sich ettlicher maß mit den Zwibel blettern / seind aber grösser und breyter / unn biegen sich der mehrer teyl derselbigen gegen der erden.

Statt seiner wachsung.

   Der Meerzwibel wechßt allenthalben dahin er gepflantzt würdt / wie der Zwibel und Knoblauch.

Zeit.

   Der Meerzwibel / wie Theophrastus schreibt / blüet drey mal / und zeygt mit sölcher blust an wann man bequemlich und füglich äckern sol.

Die natur und complexion.

   Meerzwibel zerteylt alle grobe feüchtigkeyt / und ist im andern grad warm.

Krafft und würckung.

   Wann man den Meerzwibel brauchen will / so soll er vorhin gesotten oder gebraten werden / dann allso ist er nit so scharpff / unnd unschädlicher zu dem gebrauch. Meerzwibel row in öl gekocht / oder mit hartz vermischt unnd übergelegt / heylt die schrunden der füß. In essig gekocht unnd übergeschlagen / hilfft er denen so von den natern gebissen seind. Einen teyl des gebrennten Meerzwibels / acht teyl saltz zugesetzt / und under einander gestossen und gessen / erweycht den bauch. Meerzwibel würdt gebraucht zu den artzneyen die den harn treiben. Er ist gut denen so die geelsucht haben / den wassersüchtigen / und denen so husten / schwerlich athmen / und das grimmen im leib haben / mit hönig auff ein halb quintlin schwer vermischt und jngenommen. Mit hönig gekocht unnd gessen / sterckt er und fürdert die dewung des magens. Meerzwibel gebraten über die wartzen gelegt / und die erfrornen füß / heylt dieselbigen. Es sollen aber alle die / den gebrauch des Meerzwibels fliehen und meiden / so im leib serig und verwundt seind. Es wöllen ettlich / wann man einen gantzen Meerzwibel für ein hauß hencke / das er dasselbig vor allem gespenst unnd zauberey beware. Der Meerzwibel mit hönig und essig gebraucht unn jngenommen / vertreibt die würm und andere ungezifer im leib. Frischer Meerzwibel under der zungen gehalten / vertreibt den wassersüchtigen den grossen unleidlichen durst.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de