Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Seyffenkraut. Cap. CCCI.

 

Abbildung Seyffenkraut
Seyffenkraut ( CCCCXLVI )
Abbildung: Seite 773

Deutsch: Lavendel, Schopf-
English: Lavender, French
Francais: savonnière
Francais: saponaire
Latein: Lavandula stoechas

Namen.

S
Eyffenkraut würdt in Griechischer spraach Struthion / in Lateinischer Radicula und Lanaria / in den Apotecken Condisi genent. Von ettlichen würdt diß gewechß Herba fullonum / vonn den andern Saponaria / davon sein Teütscher nam her kompt / geheyssen. Sölche namen aber seind disem kraut darumb gegeben worden / das es seer von den Walckern genützt würt zu den kleydern / dann dieselbigen reynigt und seubert es von allerley masen und unsauberkeyt / nit anderst dann die Seyff. Warumb es aber ander namen überkommen habe / ist nach der leng in unserm Lateinischen kreüterbuch durch uns angezeygt worden / daselbst mögens die so sölche zu wissen lust haben / suchen und lesen.

Geschlecht.

   Des Seyffenkrants seind zwey geschlecht / zam und wild. Das zam würt nit in unsern landen gefunden / sonder muß in gärten gepflantzt werden. Das wild wechßt allenthalben / wie wir nachmals weiter wöllen anzeygen. Sehen einander seer gleich.

Gestalt.

   Zam Seyffenkraut hat einen roten harigen stengel / mit vilen gleychen. Seine bletter seind schmal / spitzig wie des ölbaums / an der farb grün / deren kommen etwan fünffe zusamen. Am gipffel der stengel gewindt es schöne weisse blümlin gestalt wie die Negelin blumen / aber kleiner / die kriechen auß einem holen runden bläßlin oder säcklin herauß. Die wurtzel ist außwendig rot / groß / rund unn lang / kreucht nach der leng oben hin im erdtrich. Dise zerschneidt man / und seubert die woll und kleyder darmit. Das wild ist dem zamen gleich / doch seind die stengel nit so gar rot / sonder braunlecht. Die bletter unn blumen seind ettwas grösser dann an der zamen. Es seind auch die bletter lind / und am griff feyßt.

Statt irer wachsung.

   Das zam Seyffenkraut wechßt gern an rauhen und steinigen orten / würt bey uns nit gefunden dann in gärten / dahin mans pflantzen muß / wie vormals angezeygt. Das wild wechßt allenthalben inn den hecken / neben den äckern und zeünen.

Zeit.

   Seyffenkraut blüet im Brachmonat fürnemlich / und verharret volgends zween gantz monat in der blust.

Die natur und complexion.

   Seyffenkraut / in sonderheyt das zam / ist warm unnd trucken gar nach im vierdten grad.

Krafft und würckung.

   Die wurtzel / welche scharpff ist / mit hönig vermengt unnd wie ein latwerg genossen / treibt den harn / ist nützlich den lebersiechen / dem husten / unnd denen so schwerlich athmen. Sie macht einen linden bauch / diser gestalt gebraucht. Mit Cappern wurtzel vermischt jngenommen / bricht sie den stein / und treibt jhn durch den harn auß. Sie macht das miltz kleiner / dermassen wie vormals angezeygt genützt. In die weiblichen scham gethon / bringt sie den frawen jhr zeit / unnd treibt auß die todten frucht. Mit gersten maltz unnd essig vermischt und übergestrichen / heylet sie rauden unnd grind. Mit gersten meel in wein gesotten und übergelegt / verzeret sie geschwulst und beulen. Sie würdt auch gebraucht zu den artzneyen darmit man ein klar unnd lauter gesicht macht. Gepulvert in die nasen gethon / macht sie niesen. Aber mit hönig vermengt unnd in die nasen gethon / reyniget sie durch den mund. Die wurtzel gesotten unnd getruncken ist gut denen so die geelsucht haben / unn zu den gebresten der brust / treibt den harn / lindert den bauch / unnd reyniget die mutter. Die wurtzel gepulvert auff ein quintlin schwer in Meth jngenommen / hilfft denen so einen schweren athemb haben.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de