Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Naterwurtz. Cap. CCXCVIII.

 

Abbildung Naterwurtz mennle
Naterwurtz mennle ( CCCCXLII )
Abbildung: Seite 766

Deutsch: Kn÷terich, Schlangen-
English: Easter-ledges
English: Bistort
English: Snakeroot
Francais: bistorte
Latein: Polygonum bistorta
 

Abbildung Naterwurtz weible
Naterwurtz weible ( CCCCXLIII )
Abbildung: Seite 767

Deutsch: Kn÷terich, Wiesen-
English: Snakeroot
English: Bistort
English: Easter-ledges
Latein: Polygonum bistorta

Namen.

N
Aterwurtz würdt inn den Apotecken Serpentaria geheyssen / doch nit on jrthumb / dann es nit die recht Serpentaria ist darvon die allten geschriben haben / wie wir sölches nach der leng oben im Capitel von der Schlangenwurtz haben angezeygt. Ob aber gegenwertige Naterwurtz den alten bekant gewesen / und mit was namen sie von jhnen genent sey worden / kan ich noch nit gentzlich wissen. Wiewol ettlich meynen es sey Limonium / ist der krafft halben nit unrecht / dann das Limonium der alten hatt einerley krafft und würckung mit der Naterwurtz. Wir halten aber ein anders für Limonium / wie oben ist klärlich durch uns angezeygt worden im Capitel von dem Wintergrün.

Geschlecht.

   Der Naterwurtz werden zweyerley geschlecht erfunden. Eins mit glatten blettern / und einer zusamen gekrümbten wurtzel / welches der ursachen halben würt zu unsern zeiten zu Latein Bistorta geheyssen. Auff Teütsch mag es Naterwurtz mennle genent worden. Das ander geschlecht hatt runtzlechtere bletter / und ein grössere wurtzel / mit vilen zaseln. Diß würt von ettlichen auff Lateinisch Colubrina genent. Bey uns mag es füglich unn recht Naterwurtz weible geheyssen werden / damit ein underscheyd under beyden geschlechten sey / welche jre namen daher haben überkommen / das sie erstlich wans auß dem erdtrich kriechen / mit einem zarten heutlin / welchs einem Naterbalg änlich ist / überzogen und bedeckt seind.

Gestalt.

   Naterwurtz mennle hat einen zarten bintzechten glatten stengel. Seine bletter / die do lang und breyt seind wie der Mengelwurtz / unn auff einer seiten grün / auff der andern blawgrün / unnd rumbgebogen / werden fürnemlich gegen der wurtzel gefunden. Am stengel aber gar wenig / und seer klein / spitzig wie die zünglin. Am gipffel der stengel bringt sie schöne kolbechte äherlin / mit vilen kleinen leibfarben blümlin / neben einander getrungen / anzusehen wie die blumen an dem mittel Wegerich. Die wurtzel ist verwicklet unnd zusamen gekrümbt wie ein nater / außwendig schwartz / inwendig aber rot / eins rauhen geschmacks. Naterwurtz das weible hat auch einen langen glatten zarten stengel. Die bletter aber seind krauser / rumbgebogen / schwartzgrün / doch auff der andern seiten auch blawgrün. Die geäherten blumen am gipffel des stengels / seind den vorigen gleich / aber das kölblin würdt grösser. So die blümlin abfallen / bringet sie jhren braunlechten ecketen samen in den kölblin / wie die vorig. Die wurtzel ist lang / groß / gestalt vornen wie ein schlangen oder naterkopff / mit vil haren oder fasen geziert.

Statt irer wachsung.

   Dise kreüter wachsen gern an schattechten feüchten orten / in sonnderheyt in den wisen in wälden gelegen.

Zeit.

   Die zwey geschlecht der Naterwurtz blüen im Meyen unnd Brachmonat / bringen darnach jren ecketen samen.

Die natur und complexion.

   Die Naterwurtz / dieweil sie am geschmack rauch seind / unnd seer zusamen ziehen / külen sie und trücknen / wie ettlich meynen / im dritten grad / welches war ist von dem trücknen / sie seind aber nit so kalter natur / das sie im dritten grad kalt werden.

Krafft und würckung.

   Die wurtzel beyder geschlecht der Naterwurtz gesotten und getruncken / heylen die wunden / stellen das brechen / und kommen zuhilff denen so die roten rhur haben. Das wasser im mund gehalten und gegurgelt / heylet die umbfressende geschwär des munds. Die Naterwurtz mit kraut und wurtzel gesotten und getruncken / stellen der frawen blödigkeyt. Deßgleichen thut das pulver vonn der Naterwurtz / in rotem wein jngenommen. In summa / dise kreüter seind gut zu allerley gebresten die trücknens und zusamen ziehens bedörffen.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de