Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von wasser Bathenig. Cap. CCXCIX.

 

Abbildung Wasser Bathenig
Wasser Bathenig ( CCCCXLIIII )
Abbildung: Seite 769

Deutsch: Gamander, Lauch-
English: Germander, water
Francais: germandrée aquatique
Latein: Teucrium scordium

Namen.

W
Asser Bathenig / oder Scordien / würt von den Griechischen Scordion / von den Römern Trixago palustris genent. Ursachen sölcher namen findt man in unnserm Lateinischen kreüterbuch nach der leng angezeygt. Diß gewechß aber ist vonn mir wasser Bathenig geheyssen worden darumb / das dem Bathenig oder Gamenderlin etwas mit den blettern und blumen gleich ist / unnd sein wonung / wie wir nachmals weiter anzeygen wöllen / bey den wassern hatt. Wem aber sölcher name / der jhm von dem Lateinischen her gegeben ist / nit gefelt / der mag es Scordien heyssen.

Gestalt.

   Wasser Bathenig hat viereckt stengel / mit blettlin bekleydet die der gestalt nach dem kleinen Bathenig laub gleich seind / doch lenger und grösser / unn nit so tieff zu ringßumbher zerkerfft / am geschmack dem Knoblauch gantz änlich / unn bitter. Die blumen seind der kleinen Bathenig blumen gantz und gar gleich / komen allenthalben am stengel herfür / und in keinen weg oben am gipffel der stengel allein / wie ettlich meynen. Die wurtzel ist manigfeltig zerteylt mit vilen zaseln / kreucht hin und wider. Diß kraut kennen wenig Apotecker in unsern landen / und sol doch in den Theriack gebraucht werden. Sie nemen aber darfür zu sölchem gebrauch den wilden Knoblauch / nit on grossen jrthumb.

Statt seiner wachsung.

   Wasser Bathenig wechßt gern an feüchten orten / doch die etwas in der höhe gelegen seind. Ist vor kurtzen jaren wenig oder schier gar niemands bekant gewesen. Yetzund aber wechßt es an vil orten dahin es gepflantzt würdt. Bekompt gern wo man nur ein steudlin mag haben / dann es wurtzelt bald jn / unnd kreucht darnach hin und wider / und breytet sich selbs auß.

Zeit.

   Wasser Bathenig blüet im Brachmonat und Hewmonat. Unnd so vil ich hab künden vermercken / so bleibt ein blümlin nit über einen tag / also volgt jmmerzu eins nach dem andern.

Die natur und complexion.

   Das wasser Bathenig ist warm und trucken / dann es am geschmack bitter und ein wenig scharpff ist.

Krafft und würckung.

   Das kraut gedörrt / gepulvert unn mit wein getruncken / treibt den harn / ist gut denen so von den natern gebissen seind / unn tödtlich gifft getruncken haben. Mit Meth auff zwey quintlin schwer jngenommen / heylet es die roten rhur / die verserung des magens / und die harnwinden. Es reyniget die brust von den zähen und groben feüchtigkeyten. Mit hönig vermischt unnd ein latwerg darauß gemacht / ist es treffenlich gut zu dem langwirigen husten. Wasser Bathenig gesotten und getruncken / bringt den frawen jre zeit / ist nützlich denen so inwendig gebrochen seind / den krampff haben / unnd eröffnet die verstopffung der lebern unn des miltz. Das kraut grün zerstossen und übergelegt / heylt die grossen alten wunden. So mans aber gedörret und gepulvert jnstrewet / reynigt es erstlich die unsaubern wunden / und heylt sie zu letzst. Deßgleichen thuts auch so mans mit hönig vermischt und überstreicht. Das kraut gepulvert unnd jngestrewet / verzert das faul und überig fleysch so in den wunden wechßt. Gesotten in wasser oder mit essig übergelegt / bekompts wol den so das Podagra haben. Man mag auch auß disem kraut einen safft trucken / welcher so er jngenommen und getruncken würt / gleiche krafft und würckung hat wie das kraut.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de