Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Indianischem Pfeffer. Cap. CCLXXXI.

 

Abbildung Calechutischer Pfeffer
Calechutischer Pfeffer ( CCCCXVIII )
Abbildung: Seite 726

Deutsch: Cayennepfeffer
Deutsch: Paprika, Gemüse-
English: Pepper, capsicum
Francais: corail des jardins
Francais: poivre de Guinée
Latein: Capsicum annuum
 

Abbildung Langer Indianischer Pfeffer
Langer Indianischer Pfeffer ( CCCCXIX )
Abbildung: Seite 727

Deutsch: Pfeffer, langer spanischer
English: Pepper, chili
Latein: Capsicum annuum (longum)
 

Abbildung Breyter Indianischer Pfeffer
Breyter Indianischer Pfeffer ( CCCCXX )
Abbildung: Seite 728

Deutsch: Pfeffer, herzförmiger spanischer
English: Pepper, sweet
English: Pepper, red
Latein: Capsicum annuum (cordiforme)

Namen.

I
Ndianischer oder Chalecutischer Pfeffer würdt von dem Plinio Siliquastrum / von wegen der langen unnd grossen schotten / genent : und Piperitis / darumb das sein sam am geschmack scharpff ist wie der Pfeffer. Der Avicenna hat diß gewechß meins erachtens Piper caninu genent / welchen name es auch gehabt do mans erstlich in unser land gebracht hat. Die andern Arabes habends Cordumenum geheyssen. Und ist demnach diser gegenwertig Pfeffer ein geschlecht der frucht so man zu unsern zeiten in den Apotecken Grana Paradisi nent. Ich glaub das diß gewechß Actuarius hab Capsicum geheyssen / der ursachen halben / das sein same in den hülsen ordenlich / wie inn einer truhen oder kisten / verschlossen ist. Zu unsern zeiten würt es genent Piper Hispanum / Piper Indianum / und Piper Calecuthicum.

Geschlecht.

   Des Indianischen Pfeffers hab ich vier geschlecht gesehen. Das erst bringt groß lange schotten / die sind an der farb schwartzbraun. Das ander geschlecht hat schotte den vorigen an der grösse unn lenge gleich / aber gantz menigrot. Das dritt bringt schmeler bletter dann die andern / die schotten seind auch schmeler / lenger und menigrot. Das vierdt geschlecht hat groß unn rund schotten / etlich seind gestalt wie ein Spitzhütlin / ettlich wie die gemeinen Kürbs / doch an der farb menigrot / wie wir in beschreibung jrer gestalt klärlicher wöllen anzeygen.

Gestalt.

   Indianischer Pfeffer ist ein kraut mit einem braunlechten vierecketen stengel / welcher elen lang ist / mit vil gewerben / und runden ästlin / welche mit schwartzgrünen zarten blettern bekleydet seind / die vergleichen sich beynach den gemeinen Nachtschatten oder Lorbeer blettern / seind aber schmeler und spitziger dann des Nachtschattens. Zwüschen den flügeln der stengel unnd blettern an dicken stylen wachsen herauß die blumen / welche an der farb weiß seind / unn haben gemeinlich fünff oder sechß blettlin / und inwendig ein grünes sternlin. Auß welchen so sie abfallen / folgen die schotten am ersten und andern geschlecht fingers lang / am dritten noch lenger und schmeler / am vierdten breyter und rund / aller gestalt wie oben angezeygt. Dise schotten werden erstlich grün / darnach gantz rot / am andern geschlecht aber schwartzbraun. Unnd ist an den ersten zweyen geschlechten / die wir under einer figur haben begriffen / die zeitig frucht wie ein krebßscher anzusehen. Die außwendige schelf glitzet vor glette / unn ist gantz zart und dünn. Die frücht oder schotten haben vil bleychgeelen breyten samen in sich verschlossen / eins hitzigen scharpffen geschmacks / wie der Pfeffer / ja scherpffer. Die wurtzeln seind holtzecht und zasecht.

Statt seiner wachsung.

   Indianischer Pfeffer ist ein frembd gewechß / newlich in unser Teütsch land gebracht. Würt in den scherben und wurtzgärten gezilet. Mag keinen frost leiden / muß außgesetzt / oder über winter in der stuben behalten werden / so bringt es im volgenden summer widerumb frucht / wie es dann mir gethon hat.

Zeit.

   Blüet im Brachmonat und Hewmonat / unnd bringt seine zeitige frucht in dem Herbst.

Die natur und complexion.

   Indianischer Pfeffer wermet und trücknet seer / wie man sölchs erstlich auß den blettern mag abnemen / die am geschmack bitter seind / und darnach an dem samen / der do seer scharpff ist auff der zungen.

Krafft und würckung.

   Man braucht an vil orten den samen von disem gewechß für Pfeffer / dann er eben desselbigen krafft hat. Er wermet / zerteylt unnd verzert / sterckt den kalten magen und fürdert sein dewung. Vertreibt die wind und bläst. Er zeücht die zähen feüchte auß dem kopff / mit Bißmüntzen im mund gekewet. Macht lust zu essen. Er ist den zänen und dem zanfleysch nützlich / dann er verzert alle böse feüchtigkeyt darinn / unnd wert das da kein feule werd. Macht derhalben einen wolschmeckenden mund. Er verzert die kröpff unn allerley geschwulst mit bech vermischt und pflasters weiß übergelegt. Mit hönig zerstossen unnd angestrichen / macht er ein schön angesicht / und vertreibt die masen desselbigen. In summa / hat fast alle würckung und tugendt des rechten Pfeffers.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de