Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Knoblauch. Cap. CCLXXXII.

 

Abbildung Garten Knoblauch
Garten Knoblauch ( CCCCXXI )
Abbildung: Seite 730

Deutsch: Knoblauch
English: Garlic
Francais: ail
Latein: Allium sativum
 

Abbildung Wilder Knoblauch
Wilder Knoblauch ( CCCCXXII )
Abbildung: Seite 731

Deutsch: Lauch, Weinberg-
English: Garlic, false
English: Garlic, field
English: Garlic, crow
Francais: ail des vignes
Latein: Allium vineale
 

Abbildung Feldknoblauch
Feldknoblauch ( CCCCXXIII )
Abbildung: Seite 732

Deutsch: Lauch, Gemüse-
English: Garlic, wild
Francais: ail potager
Latein: Allium oleraceum
 

Abbildung Waldknoblauch
Waldknoblauch ( CCCCXXIIII )
Abbildung: Seite 733

Deutsch: Lauch, Bären-
Deutsch: Bärlauch
English: Ramsons
English: Garlic, bear's
Francais: ail des ours
Latein: Allium ursinum

Namen.

K
Noblauch würt von den Griechen Scorodon / unnd zu Latein Allium genent / welcher name in den Apotecken verharret unn bliben ist. Warumb aber dem Knoblauch sölche namen gegeben seind / findt man in unserm Lateinischen kreüterbuch angezeygt.

Geschlecht.

   Des Knoblauchs seind fürnemlich drey geschlecht. Das erst / garten oder zamer Knoblauch genent. Des andern / von Griechen Ophioscorodon geheyssen / seind widerumb zweyerley geschlecht. Das erst haben wir schlecht wilden Knoblauch genent / das ander aber Feldknoblauch. Noch ist ein geschlecht des wilden Knoblauchs / welcher zu Latein würt Ursinum geheyssen / denselbigen haben wir darumb das er in wälden gern wechßt / Waldknoblauch geheyssen.

Gestalt.

   Der zam Knoblauch hatt breyte graßbletter wie der Zwibel. Sein stengel ist rund und hol. Am gipffel desselbigen bringt er seine blumen und samen / doch erst im andern jar / wie die Zwibel mit jren köpffen gestalt. Die wurtzel ist auch gestalt wie ein zwibel / auß vilen körnern oder zehen zusamen gesetzt / dann derselbigen hat etwan ein Knoblauch biß auff die dreyssig zwüschen den dünnen heütlin verschlossen. Am kopff wachsen vil kleiner dünner härlin herauß. Der wild Knoblauch hatt nit breyte graßbletter / sonder dünne / lange / runde / hole pfeiflin / kleiner dann der Zwibel. Auff der mittelsten pfeiffen am gipffel wechßt ein stachelechter braunfarber knopff / darinn ist der schwartz samen verschlossen. Die wurtzel ist gleich dem garten Knoblauch / auß vilen zehen zusamen gesetzt.
   Der Feldknoblauch ist mit blettern / stengeln / blumen und samen dem garten Knoblauch gleich / doch seind dise alle kleiner dann an dem gemeinen Knoblauch. Die wurtzel gewindt nit körner oder zehen. Der Waldknoblauch ist ein kraut gemeinlich mit zweyen grossen breyten blettern / die vergleichen sich aller ding dem Meyenblümlin kraut. Zwüschen disen blettern kreücht herauß ein stengel oder zween / darauff wachsen weisse blumen / die seind gestirnt / und die blettlin underscheydlich von einander gesetzt. Die wurtzel ist weiß / anzusehen als ein kleiner junger garten Knoblauch / der nit über ein monat im erdtrich ist gestanden. Diser Waldknoblauch hat einen bösen starcken geruch.

Statt irer wachsung.

   Der zam Knoblauch würdt allenthalben in gärten gezilet unnd gepflantzt. Der wild und Feldknoblauch würt gefunden in den weingärten / äckern / und feldern hin und wider. Der Waldknoblauch hat sein gewonlichste statt in den finstern / feüchten / und nassen wälden.

Zeit.

   Der zam / wild und Feldknoblauch blüen im Hewmonat fürnemlich. Der Waldknoblauch im end des Aprillen und im Meyen.

Die natur und complexion.

   Die Knoblauch seind warm und trucken im vierdten grad.

Krafft und würckung.

   Der Knoblauch wermet den leib / und zerteylt die groben unn zähen feüchte. Er eröffnet allerley verstopffung / verzert die bläst und wind. Knoblauch gessen / treibt auß die breyten würm im leib. Ein pflaster auß Knoblauch gemacht unn übergelegt / ist gut denen so von einem wütenden hund gebissen seind. Knoblauch gessen / und wein darauff getruncken / oder zerstossen und in wein getruncken / ist gut denen so von natern oder schlangen gebissen seind. Knoblauch inn der speiß genützt / ist gut den so mancherley wasser trincken müssen. Knoblauch row oder kocht gessen / macht ein helle stimm / unnd lindert den allten husten. Er treibt den harn / lindert den stulgang. Tödt leüß und nissz / wann er mit Wolgemut gesotten unnd getruncken würt. Knoblauch gessen widersteet allem gifft / darumb jhn Galenus nent ein Theriack der bauren. Die schnitter und mäder / welche zu summers zeiten in der hitz / ungesund weych wasser trincken müssen / sollen den Knoblauch in der speiß brauchen. Die natern fliehen den Knoblauch wie die Weinrauten. Knoblauch ist nützlich dem grimmen so vonn winden entstanden ist. Er macht dünn geblüt / und ein rot angesicht. Knoblauch zerstossen und mit dem außgetruckten safft die haut gesalbet / vertreibt allerley grind / rauden / masen unn flecken / sie seyen wo sie wöllen am leib. Knoblauch zu äschen gebrent / und mit hönig vermischt / ist zu obgenanten mälern und flecken krefftiger / unn macht das außfallend har widerumb wachsen / darmit bestrichen. Ein rauch mit Knoblauch und seinen blettern gemacht / bringt den frawen jhre blödigkeyt. Der Knoblauch ist den hitzigen naturen nit gut / sonder schädlich / fürnemlich aber den augen / dem haupt / lungen und nieren derselbigen. Er macht auch durst row gessen / unn schadet den gesunden augen. Knoblauch macht neygung zum schlaff / und lust zu den Eelichen wercken. Er ist aber auch nützlich gessen den hünern und hennen so den zipff oder die schnuder haben.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de