Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Bachpungen. Cap. CCLXXVII.

 

Abbildung Bachpungen
Bachpungen ( CCCCXIIII )
Abbildung: Seite 719

Deutsch: Ehrenpreis, Wasser-
Deutsch: Bachbunge
English: Brooklime
Francais: cressonière
Francais: véronique aquatique
Latein: Veronica beccabunga

Namen.

B
Achpung / Wasserpung / oder Pung / hatt seinen namen überkommen von den bächen unn wassern / in welchen es gern wechßt. Würt in Griechischer spraach Sion / oder Anagallis enydros genent. In Lateinischer Sium / Anagallis aquatica / und Laver. Ursachen aber sölcher namen findt man in unserm Lateinischen kreüterbuch angezogen.

Gestalt.

   Bachpung ist ein steudlin mit vil kleinen neben zincken / welchs stengel seind rund / und feyßt. Die bletter sattgrün / dick / safftig unnd feyst / garnach wie die Bonen bletter. Wann sie mit den fingern zerriben werden / so schmecken sie nit unlieblich. Zu beyden seiten der stengel / nit am gipffel / wachsen schöne liechtblawe blümlin / fast wie des Gauchheyl weiblins blümle. Wann dieselbigen abfallen / kompt der same hernach / welcher sich dem Hünerserb samen etwas vergleicht. Die wurtzel ist weiß / zasecht / wie am Brunnenkreß.

Statt seiner wachsung.

   Bachpung wechßt in den fliessenden und steenden warmen brunnenwassern und gräben. Würt offt so die wasser anlauffen / von jnen gar bedeckt.

Zeit.

   Bachpung blüet fürnemlich im Brachmonat / unnd bringt volgends seinen samen.

Die natur und complexion.

   Bachpung ist warmer und truckner natur / das der geschmack klärlich außweißt / dann das gantz gewechß ist bitter / fast wie Brunnkreß / doch nit scharpff als derselbig. Daher kompts das ettlich diß gewechß under Brunnenkreß für ein sallat bereyten.

Krafft und würckung.

   Die bletter der Bachpungen so sie noch zart und jung seind als Brunnenkreß zum sallat gebraucht / oder gekocht in der speiß genützt / zermalen den lendenstein / treiben den harn / bringen den frawen jre zeit. Der sam auff zwey quintlin schwer in wein jngenommen / hat gleiche würckung. Das kraut gesotten und die brüe zu einem clystier gebraucht / ist nützlich denen so die roten rhur haben. So man die grünen bletter zerstoßt / und zu nachts überlegt / oder den safft darvon anstreicht / machen sie ein schön angesicht / und vertreiben die masen und flecken darinn. Die Pferartzet brauchen die Bachpungen noch heüt zu tag / zu vertreiben allerley geschwulst und rauden der pferdt.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de