Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Sisymber. Cap. CCLXXVI.

 

Abbildung Fischmüntz
Fischmüntz ( CCCCXII )
Abbildung: Seite 716

Deutsch: Minze, Wasser-
English: Mint, water
Francais: menthe aquatique
Latein: Mentha aquatica
 

Abbildung Brunnenkreß
Brunnenkreß ( CCCCXIII )
Abbildung: Seite 717

Deutsch: Kresse, Brunnen-
English: Watercress
Francais: cresson fontaines
Latein: Nasturtium officinale

Namen.

S
Isymber haben wir dise kreüter von dem Griechischen und Lateinischen namen genent / dann in yetzgedachten spraachen werden sie Sisymbria geheyssen. Auß was ursach aber sölcher name jnen gegeben sey / haben wir im Latein gnugsam angezeygt.

Geschlecht.

   Der Sisymber seind zweyerley geschlecht. Das erst würt von ettlichen genent Corona veneris / in den Apotecken aber Balsamita. Ettlich nennen diß geschlecht zu Latein Mentam aquatica / auff Teütsch Fischmüntz / Wassermüntz / oder Bachmüntz. Das ander geschlecht würdt geheyssen Sisymbrium cardamine. Bey den Apoteckern Nasturtium aquaticum. Zu Teütsch Brunnenkreß.

Gestalt.

   Fischmüntz ist der zamen Müntzen nit unänlich / hat einen vierecketen / rotlechten stengel. Die bletter seind der zame Müntzen blettern gleich / zu ringßumbher zerkerfft / breyter / und eins guten geruchs. Die blumen / welche bey einem yeden gleych herauß wachsen / seind braun leibfarb / und sehen einem enspen oder spindelwirten gleich. Brunnkreß hat einen holen stengel / einer elen ungevärlich hoch. Die bletter so erstlich herfür kommen / seind rund / darnach werden sie zerschnitten wie an dem wilden weissen Senff. Blüet mit seer kleinen weissen blümlin. Darnach volgen kleine schöttlin / mit seer kleinem goldfarbem samen / wie des weissen Senffs / außgefüllt. Seine wurtzeln seind fast reyne weisse harige fäßlin / wie har oder seiden

Statt irer wachsung.

   Die Fischmüntz wechßt auff den weyhern / an gestaden der wassergräben. Der Brunnenkreß würt fürnemlich in warmen brunnenquellen auff dem wasser schwebend gefunden.

Zeit.

   Fischmüntz und Brunnenkreß blüen mit andern Müntzen im summer / fürnemlich aber im Augstmonat.

Die natur und complexion.

   Dise zwey gewechß / dieweil und sie noch grün unnd feücht seind / wermen und trücknen im andern grad. Wann sie aber dürr werden / im dritten.

Krafft und würckung.

   Der samen der Fischmüntz in wein gesotten unnd getruncken / ist gut zu der harnwinde und dem lendenstein. Er lindert das grimmen der därmen / unn das hexgen. Die bletter zerstossen und über die stirn unnd schläf gelegt / lindern den schmertzen des haupts. Sie seind auch treffenlich gut übergelegt denen so von den bynen oder wespen gestochen seind. Der samen gesotten unnd getruncken stellt das brechen. Der Brunnenkreß treibt den harn / gesotten und getruncken. Das kraut zerstossen und die gantzen nacht darauff gelegt / vertreibt alle masen / flecken / reuhe / und ungestalt der haut / soll zu morgens aber widerumb abgewäschen werden. Beyde Fischmüntz und Brunnenkreß übergelegt / seind gut wider allerley thier so stechen / als seind die hurneüß und dergleichen. Sie sollen aber von den schwangern frawen nit inwendig in leib genommen werden / dann sie treiben zu seer. So man einen will wachend machen / soll jhm der safft von Brunnenkreß mit essig vermischt in die nasen gethon werden.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de