Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

frembdem Petersilg (254) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel Rhettich (256)
 

Von Rosen. Cap. CCLV.

 

Abbildung Rosen
Rosen ( CCCLXXIIII )
Abbildung: Seite 654

Deutsch: Rose, Essig- (rechts)
Deutsch: Rose, Hunds- (links)
English: Rose, dog
English: Rose, french
Francais: rosier de France
Latein: Rosa gallica (rechts)
Latein: Rosa canina (links)

Namen.

R
Osen werden in Griechischer zungen Rhodon / in Lateinischer Rosa genent / welcher name in den Apotecken biß auff den heütigen tag bliben ist. Warumb aber die Rosen bey den Griechen jhren namen überkommen haben / ist im Lateinischen kreüterbuch gnugsam angezeygt.

Geschlecht.

   Die Rosen seind zweyerley geschlecht fürnemlich / zam unn wild. Der zamen so man in den gärten pflantzt / seind auch zweyerley / weiß unn rot : und derselben auch zweyerley / gefüllt unn ungefüllt. Die wilden Rosen haben auch jr sonderliche name / dann bey den Griechen heyssen sie Cynorhodon / in Lateinischer sprach Canina Rosa / und bey ettlichen Heydrosen und Hagenbutten. Wir haben beyderley geschlecht under einer form des gemäls begriffen.

Gestalt.

   Die zamen Rosen haben ruten oder äst mit braunen mälern besprengt / voller dörn. Die bletter seind schwartzgrün / rauch / und zu ringßumbher zerkerfft wie ein säg. Ehe unn sie blüen / kommen herfür die runden knöpff / wie büchsen gestalt / dieselben thun sich langsam auff / biß zu letzst die gantze Rosen herauß schlieffen / die haben in der mitte gelbe härlin / unn darauff kleine köpfflin / welche jr blumen genent werden. Die wurtzel ist holtzecht. Die wilden Rosen seind den zamen mit ruten / äst und blettern gleich. Die blumen aber oder Rosen seind alle ungefüllt. Nach abfallung der Rosen bringen sie runde / langlechte frücht / die seind erstlich grün / darnach schön rot / werden an etlichen orten Butzhagen / Arßkützlin / und mit andern namen mehr genent. Es wechßt auch an disen wilden Rosen ein harig gewechß / das etlich schlaaföpffel nennen / welches man in ettlichen Apotecken für Bedagar auff Arabisch geheyssen / doch nit on jrthumb / braucht.

Statt irer wachsung.

   Die zamen Rosen wachsen allenthalben in gärten dahin sie gepflantzt werden. Die wilden findt man hin und wider auff dem feld / und in den hecken.

Zeit.

   Die Rosen seind die letzst blum under denen so im früling oder Lentzen herfür kommen / unnd vergeen auch bald. Blüen aber im Brachmonat / zu welcher zeit mans samlen soll.

Die natur und complexion.

   Die Rosen haben ein vermischte substantz / dann sie zum teyl einer wässerigen / warmen / zum teyl auch einer zusamen ziehenden substantz seind. Die blumen ziehen mehr zusamen / darumb sie auch mehr trücknen.

Krafft und würckung.

   Die Rosen külen unn ziehen zusamen / aber vil mehr so sie dürr seind. Weil die bletter noch frisch seind / soll man das weiß mit eim scherlin darvon schneiden / darnach das überig in einem mörsel im schatten stossen biß das der safft so herauß geet dick würt / und denselben zu dem täglichen brauch behalten. Man mag auch die bletter am schatten dörren / doch das mans offt umbwende / dann sie sonst schmutzig werden. Wann man die dürren Rosen in wein seudt / und darnach außtruckt / so ist derselbig safft dienstlich zu den weetagen des haupts / der augen / ohren / des zänfleysch / affters / der därm / und muter / mit einem federlin angestrichen / oder im mund gehalten / oder darinn als ein clystier gethon. Die Rosen dermassen gesotten / und nit außgetruckt / übergelegt / legen und miltern die hitz so sich umb die leber / oder das miltz ereyget / verzere die überige feüchtigkeyt des magens / und heylen das rotlauff. Die Rosen gedörrt / zu pulver gestossen unn in die wunden gestrewt / heylen dieselben. Das gelb in den Rosen gedörrt und in das feücht zanfleysch gethon / trücknet dasselbig krefftiglich. Die knöpff gedörrt und gepulvert / in rotem wein getruncken / stellen den bauchfluß / unn das blutspeien. Die Rosen übergelegt / bringen den schlaaf. Jn wein oder wasser gesotten und getruncken / stellen sie der frawen zeit / in sonderheyt aber den weissen fluß / und das blutspeien. Rosen zucker krefftiget seer den magen / die leber / und ist gut zu den hitzigen febern. Die wilden Rosen gedörrt / zu pulver gestossen und mit Beren schmaltz vermischt angestrichen / verhindert das einem das har nit außfelt. Die frucht / und der harig schlaafapffel gedörrt / zu pulver gestossen und getruncken / treiben den harn und lendenstein.

nach oben

frembdem Petersilg (254) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel Rhettich (256)

© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de