Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Rhettich. Cap. CCLVI.

 

Abbildung Rettich
Rettich ( CCCLXXV )
Abbildung: Seite 657

Deutsch: Rettich, Garten-
English: Radish, garden
Francais: radis
Latein: Raphanus sativus
 

Abbildung Meerrhettich
Meerrhettich ( CCCLXXVI )
Abbildung: Seite 658

Deutsch: Meerrettich, gewöhnlicher
English: Horseradish
Francais: grand raifort
Francais: cran
Latein: Armoracia rusticana

Namen.

R
Hettich würt von den Griechen Rhaphanos und Rhaphanis geheyssen / von den Lateinischen Raphanus / Radix / und Radicula. Warumm aber der Rhettich mit disen namen sey genent worden / haben wir in unserem Lateinischen kreüterbuch angezeygt.

Geschlecht.

   Des Rhettichs seind fürnemlich zwey geschlecht / zam und wild. Des zamen / welcher in den Apotecken würdt Raphanus minor geheyssen / seind auch zweyerley geschlecht / dann ettlich haben gantz runde wurtzeln / das seind die gemeinen Rhettich. Die andern aber seer lang / etwan einer elen ungevärlich / am geschmack süsser unnd milter dann die runden. Seind sonst einander gleich.
   Der wild Rhettich / welcher von dem Latein her Armoracia / Meerrhettich unnd Kren genent würdt. In den Apotecken Radix unnd Raphanus maior / von den blettern die seer breyt unnd groß an disem geschlecht seind. Oder von des wegen / das er vil scherpffer und rässer am geschmack ist weder der zam.

Gestalt.

   Der zam Rhettich hat nur ein stammen oder stengel / wie ein baum / der hat vil zincken / die tragen bletter dem Rübenkraut nit ungleich / die seind zerschnitten / und zu ringßumbher zerkerfft / mit rauhen ecken. Die blumen seind schneeweiß / darauß werden hole runde schotten / die seind vornen spitzig / inwendig mit geelbraunem rundem samen außgefüllt. Die wurtzel ist rund oder lang / wie die Rüben. Der Meerrhettich stoßt auß seiner wurtzel dicke stengel / ettlich zwo elen lang rundiert. Die bletter / so sie volkommen werden / seind den Pfefferkraut blettern nit unänlich / doch grösser unn breyter / zu ringßumbher zerkerfft wie ein säg. An den gipffeln der stengel werden gantz drausselechte dolden / mit seer kleinen knöpfflin / die thun sich auff / und werden zu kleinen weissen blümlin / welche so sie widerumb abfallen / wachsen seer kleine schöttlin hernach / nit grösser weder des Besemkrauts. Die wurtzel ist schmal / lang / eins scharpffen geschmacks auff der zungen.

Statt irer wachsung.

   Der zam Rhettich wechßt in gärten dahin er gepflantzt würt. Er will aber ein feyst erdtrich haben. Der Meerrhettich wechßt zu zeiten von sich selbs on pflantzung in den wisen / als umb Tübingen würt sein vil auff der Pfaffenwisen genent gefunden. Er würt auch in den gärten gezilet / unnd derselbig ist ein wenig milter und besser / der wart und pflantzung halben.

Zeit.

   Die Rhettich künden wol kellte leiden / darumb sie zu aller zeit mögen gesamlet werden. Blüen im Brachmonat.

Die natur und complexion.

   Der zam Rhettich ist warm im dritten grad / trucken im andern. Der Meerrhettich ist in beyden krefftiger. Unn der same ist vil krefftiger weder das kraut.

Krafft und würckung.

   Der zam Rhettich macht bläst und wind. Ist wol dem mund etwas angenem / aber dem magen schedlich. Er macht köpeln oder auffstossen / unnd treibt den harn. Erweycht den bauch. So er nach dem essen genommen würt / hilfft er zu der austeylung der speiß in die glider. Vor dem essen genommen / ist er nützlich denen so undewen wöllen. Er scherpfft die sinn. In wasser gesotten und hönig darzu gethon / bekompt er wol dem langwirigen husten / zerteylet den zähen schleim so umb die brust sich hat angelegt / ettlich tag getruncken. Die rind vom Rhettich gestossen / und mit Oxymelite in der Apotecken geheyssen / jngenommen / macht speien und kotzen. Er ist den wassersüchtigen gut. Ubergelegt bekompt er wol den miltzsüchtigen. Mit hönig vermischt heylet er die umb sich fressende schäden. Er verzert auch das undergerunnen blut. Er ist gut denen so von natern gestochen seind. Er macht har wachsen. Mit Radten meel und hönig vermengt / vertreibt er allerley mäler unn flecken under dem angesicht. Er bekompt wol denen so tödtlich pfifferling gessen haben. Rhettich samen macht speien / unn treibt den harn. Mit essig getruncken / macht er das miltz kleiner. So der sam in Oxymel geheyssen gekocht würt / ist er denen so ein hals geschwär haben gegurgelt fast nützlich. Der Rhettich ist schwerlich zu verdewen / darumm jrren die seer so den Rettich nach dem nachtmal diser ursach halben essen / das er die dewung sol stercken / dieweil er sie vil mehr verhindert. Der Rhettich in wasser gesotten und morgens nüchter getruncken / zermalt den stein / unnd treibt denselben auß. Rhettich somen gedörrt und mit hönig vermischt / ist gut wider das gifft. So man Rhettich auff einen scorpion legt / so stirbt er. Der Rhettich vertreibt die schwartzen mäler und flecken am leib / so sie damit geriben werden. Der Meerrhettich treibt den harn seer. Es würt aber sonst sein wurtzel seer in der kuchen gebraucht an etlichen orten / dann man hennen und ander fleysch darbey kocht. Man pflegt auch gedachte wurtzel klein zerschneiden / darnach stossen / und mit saltz und essig abbereyten / zu eim salsament zu fisch und fleysch zugebrauchen.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de