Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Pestilentzwurtz. Cap. CCXLIX.

 

Abbildung Pestilentzwurtz
Pestilentzwurtz ( CCCLXVII )
Abbildung: Seite 642

Deutsch: Pestwurz, gew÷hnliche
English: Butterbur
Francais: herbe aux teigneux
Latein: Petasites hybridus

Namen.

D
Ie Pestilentzwurtz nent man auch Bletzen. Ist aber darumb also genent worden / das sie ein köstlich artzney ist wider die gifftige pestilentz. In Griechischer und Lateinischer spraach würt sie Petasites geheyssen. Ist in den Apotecken unbekant. Ursachen sölches namens findstu in unserm Lateinischen kreüterbuch angezeygt.

Gestalt.

   Pestilentzwurtz thut sich erstlich mit den blumen herfür / on kraut unn bletter. Die blum aber ist gantz drausselecht / mit vilen kleinen weißleibfarben blümlin / anzusehen wie ein schöner traub in der blust. Dise grosse drausselechte blum hat einen holen stengel / zu zeiten spannen hoch / verwelckt und vergeet on frucht mit dem stengel / alßdann thun sich die grawen runden äschenfarben bletter herfür / die seind in der erste dem Roßhub gleich / aber nachmals werden sie groß / das man mit einem blatt ein kleins scheyblechts tischle bedecken mag / unnd seind an einer seiten schweitzergrün / an der andern weißlecht oder grawfarb. Ein yedes blatt hat seinen eygnen braunen harigen und holen styl / darauff es sitzt als ein breyter hut / oder wie ein umbkerter pfifferling. Die wurtzel würt seer dick / inwendig weiß und luck / eins starcken und bittern geschmacks.

Statt seiner wachsung.

   Pestilentzwurtz wechßt gemeinlich auff den feüchten nassen wisen und gründen / an den wasser gestaden.

Zeit.

   Die Pestilentz würt im anfang des Mertzen mit seinen blumen gesehen / welche im Aprillen on alle frucht verwelcken. Wo sölches geschehen ist / kommen darnach die bletter mit jhren stylen herfür gekrochen / die bleiben den gantzen summer unverseert.

Die natur und complexion.

   Pestilentzwurtz ist on zweifel warmer natur / und trücknet im dritten grad.

Krafft und würckung.

   Pestilentzwurtz gedörrt unnd gepulvert in die bösen umbfressenden wunden unnd geschwär gethon / heylet dieselbigen. Sie ist auch ein köstliche artzney wider den gifftigen und pestilentzischen feber / ein latwerg mit hönig darauß gemacht. Treibt den schweyß mit gewalt auß. Deßgleichen thut diß pulver auch so es mit wein vermengt getruncken würt. Sie ist auch ein bewärte und krefftige artzney wider das grimmen und auffsteigen der muter / in gleicher massen jngenommen. Dise wurtzel der gestalt gebraucht / tödt die würm im leib / nit allein der menschen / sonder auch der pferden. Sie ist nützlich unn gut denen so schwerlich athmen. Treibt den harn / und bringt den frawen jre zeit. Heylet die seer feüchten wunden / unnd andere unreynigkeyt der haut. Welcher würckung ursach wir im Latein haben angezogen. Dann alle krafft so andern bittern dingen werden zugelegt / hat auch dise Pestilentz wurtzel.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de