Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Gey▀blatt. Cap. CCL.

 

Abbildung Gey▀blatt
Gey▀blatt ( CCCLXVIII )
Abbildung: Seite 644

Deutsch: Gei▀blatt, Wald-
English: Woodbine
English: Honeysuckle
Francais: chŔvrefeuille (des bois)
Latein: Lonicera periclymenum

Namen.

G
Eyßblatt nennen ettliche Speckgilgen / Waldtgilgen / und Zeünling. In Griechischer spraach würdt sie Periclymenos / zu Latein Volucrum maius / unnd Syluae mater / bey den gemeinen kreütlern Caprifolium und Mater sylva / von etlichen Lilium inter spinas geheyssen.

Gestalt.

   Geyßblatt ist ein staud die gewindt vil langer dünner rütlin oder stengel / die wickeln sich umb wie die Hopffen / dieselbigen seind zu beyden seiten mit blettern bekleydet / welche an einer seiten grün / an der andern graw seind. Und die understen bletter vergleichen sich ettlicher maß dem Ephew laub / und seind in der mitte gespalten / wie ein nabel. Die öbersten aber seind den Weiden blettern änlich / doch zärter unnd breyter. Am gipffel der rütlin oder stengeln wachsen schöne wolriechende liebliche weisse blumen / die seind ehe und sie sich auffthun rund / und der Bonen blust nit seer ungleich. Ein yede blum für sich selbs / so sie sich auffthut / ist in zwey teyl geteylet / unnd hinden herumb gebogen wie ein spitziger spor. Auß disen blumen werden treüblin / die seind erstlich grün / darnach aber so sie zeitig werden rot / wie am Aron / doch kleiner. Die wurtzel ist holtzecht / inwendig weiß / und verkreücht sich im grund.

Statt seiner wachsung.

   Waldtgilgen findt man gemeinlich do die dicken bösch und Haselstauden wachsen / wickeln sich an die nechsten stauden / unn steigen daran übersich. Man pflantzt sie auch in gärten.

Zeit.

   Waldtgilg blüet im Brachmonat und Hewmonat.

Die natur und complexion.

   Waldtgilg ist warmer unnd truckner natur / das man auß dem geschmack mag leichtlich abnemen / der do / sonderlich an den blettern / scharpff ist.

Krafft und würckung.

   Die beer von den Waldtgilgen nachdem und sie zeitig seind worden gesamlet / und am schatten gedörret / auff ein quintlin schwer viertzig tag an einander in wein getruncken / machen das miltz kleiner / und verzeren dasselbig. Sie vertreiben auch die müde. Der gestalt gebraucht seind sie nützlich denen so keichen / und den athemb nit wol haben mögen. Item für das hexgen. Sie treiben den harn krefftiglichen / allso das am sechsten tag blut mit dem harn geet. Fürdern auch die geburt. Gleiche krafft und würckung haben auch die bletter. Doch so man sibenunddreissig tag darab trinckt / oder aber das wasser darinn sie gesotten seind / machen sie unfruchtbar. Die bletter in öl gekocht und sich darmit gesalbt / erwermen den gantzen leib. Geyßblatt trücknet seer auß / unnd heylet die feüchten unreynen wunden / flechten und allerley mäler des angesichts und gantzen leibs.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de