Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Rauten. Cap. CCXXXVI.

 

Abbildung Weinraut
Weinraut ( CCCL )
Abbildung: Seite 614

Deutsch: Raute, Wein-
English: Rue, common
Francais: rue (des jardins)
Latein: Ruta graveolens

Namen.

R
Aut oder Weinraut würdt in Griechischer spraach Peganon cepeuton / zu Latein Ruta hortensis genent. Der Lateinisch nam ist in den Apotecken bliben. Ursach des Griechischen namens haben wir im Lateinischen kreüterbuch angezogen.

Gestalt.

   Raut ist ein staud eins seer starcken geruchs / schier allzeit grün. Hat vil kleiner runder blettlin / vonn farben graw. Die blumen seind schwartzgeel / wie ein schön sternlin / darauß werden viereckete und auch fünffeckete schöttlin / in welchen findt man schwartzen samen. Der stengel und die wurtzel seind holtzecht / inwendig geelfarb / wie Buchßbaume holtz.

Statt seiner wachsung.

   Rauten würt allenthalben in würtzgärten gezilt. Sie wechßt aber gern an trucknen orten / und do die sonne hin mag kommen.

Zeit.

   Die Wein oder heymisch Raut blüet im sommer / jr sam aber würt im Herbst zeitig / zu welcher zeit er sol gesamlet werden.

Die natur und complexion.

   Die Weinraut ist warm im dritten grad / und trücknet über die massen seer.

Krafft und würckung.

   Weinraut treibt den harn / und bringt den frawen jhre kranckheyt. Rauten bletter gessen / oder in wasser gesotten unn getruncken / stellen den bauchfluß. Der Rauten samen in wein gesotten und getruncken / ist nützlich und gut für allerley tödtlich gifft. Die bletter allein vor der speiß gessen / oder mit welschen nussen unn dürren Feigen alles gleich durch einander gestossen und jngenommen / widerstreben allerley gifft / und dem pestilentzischen bösen lufft. Gleicher gestalt gebraucht seind sie gut wider die schlangen und natern. Die Raut stäts in der speiß unnd dem dranck genützt / tilget auß den mennlichen samen. Raut mit dürrem Dyllen gesotten und getruncken / miltert das grimmen. Gleicher gestalt gebraucht ist sie dienstlich zu den weetagen der seiten / brust unn dergleichen. Item den so schwärlich athmen / und husten / zu den geschwären der lungen / unn weetagen der hüfften. Rauten kraut in öl gesotten und ein clystier darauß gemacht / ist gut zu dem grimmen und weetagen der därm. Mit hönig zerstossen / unnd unden zwüschen dem affter unnd dem weiblichen glid übergeschlagen / verhütet das auffsteigen der muter. Mit öl gesotten und getruncken / fürt auß allerhand würm. Mit hönig vermischt und übergeschlagen / miltert es die schmertzen der gleychen. Mit Feigen vermengt und übergelegt / vertreibt es die geschwulst der wassersucht. In wein gesotten biß das halb teyl verzert würt / und getruncken / ist sie gut den wassersüchtigen. Grüne Rauten bletter mit saltz besprengt oder jngemacht und gessen / scherpffen das gesicht. Mit gersten maltz vermischt unn übergelegt / legen sie den weetagen der augen. Mit rosenöl unnd essig vermengt / bekompt sie wol den weetagen des haupts. Zerstossen unnd übergelegt / stellen sie das bluten der nasen. Mit grünen Lorbeer blettern zerknütscht und über die gemecht gelegt / zerteylen sie die geschwulst / und lindern den schmertzen derselben. Mit wein / pfeffer und salpeter vermengt / und die blossen haut darmit geriben / heylen sie allerley mäler derselbigen. Mit hönig und alaun vermengt und übergelegt / heylen sie allerley flechten / unnd zittermäler am leib. Der safft inn Granatöpffelschelfen gewermt und in die ohren gethon / bekompt wol dem weetagen derselbigen. Mit Fenchel safft und hönig angestrichen / macht er klare augen. Mit essig / bleyweiß / und rosenöl angestrichen / heylt er das rotlauff / und den fliessenden grind des haupts. Die Rauten bletter zerstossen gessen / oder in wein getruncken / seind gut wider die schädlichen und gifftigen pfifferling. Der safft von Rauten bletter mit wein jngenommen / ist nützlich denen so von den scorpion / spinnen / bynen / wespen / hurneuß / unnd wütenden hunden gestochen oder gebissen seind. Gleiche krafft haben auch die bletter zerknütscht und mit hönig und saltz vermischt übergelegt. So sich einer mit Rauten safft bestreicht / ist er sicher vor gedachten thiern / und künden jm keinen schaden zufügen. Die Rauten bletter gedörrt und auff ein glut gelegt / vertreiben die natern und andere gifftige thier. Rauten safft mit hönig vermischt und angestrichen / macht ein klar und lauter gesicht. Sölche würckung hat auch der safft allein / so man die eck oder winckel der augen darmit berürt. Mit rosenöl vermischt unn in die ohren gethon / bringt er das gehör widerumb / unnd vertreibt das sausen unnd klingen derselbigen. Gleiche krafft hat er mit Loröl und hönig vermischt. Mit essig vermengt und denen so mit dem tieffen schlaaf beladen seind fürgehalten das sie dran riechen / macht dieselbigen widerumb munder und wacker. Mit wein vermischt unn getruncken / reyniget er die frawen nach der geburt / und treibt auß das bürdlin / und die todten frucht. So einem die füß oder ein ander glid erfroren ist / soll er Rauten bletter nemen und in öl sieden / und dieselbigen überschlagen / so erwermen sie die erfrornen glider. Rauten mit schweinem schmaltz unn ochsen unschlit vermengt und angestrichen / heylen allerley rauden / grind und kröpff. Rauten samen zerstossen mit wachß vermengt unn übergelegt / heylet die zerbrochnen glider. Die wurtzel der Rauten gepulvert mit hönig vermischt unn angestrichen / verzert das undergerunnen blut / unnd allerley masen am leib. Rauten bletter gessen / scherpffen das gesicht. Daher haben die alten maler sie stäts in der speiß gebraucht. So einer nit harnen mag / sol er Rauten in öl sieden / und dieselbigen darnach über die blasen schlagen. Das Raute öl ist auch den därmen auß einer angebornen eygenschafft nützlich. In summa / die Rauten zerteylen die zähe unn grobe feüchte. Welcher Rauten nüchter isset / der würdt denselbigen tag für allerley gifft sicher sein.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de