Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Genserich. Cap. CCXXXVII.

 

Abbildung Genserich
Genserich ( CCCLI )
Abbildung: Seite 617

Deutsch: Gänsefingerkraut
Deutsch: Fingerkraut, Gänse-
English: Agrimony, wild
English: Silverweed
Francais: argentine
Latein: Potentilla anserina

Namen.

G
Enserich oder Gensich hat seinen namen überkommen von den gensen / die sölch kraut gern essen. Zu unsern zeiten würt es in Lateinischer spraach Potentilla / und Agrimonia sylvestris / unn Tanacetum sylvestre genent. Wie es aber bey den alten geheyssen sey worden / und ob es jhnen bekant sey gewesen / ist mir noch nit bewüßt.

Gestalt.

   Genserich ist der Odermenig gar änlich / mit seinen gefiderten und zerspalten blettern / auff der einen seiten gantz äschenfarb / auff der andern aber grün. Kreucht mit seinen fäden / stylen / oder stengeln auff der erden hin und wider / wie das Erdtbeerkraut / oder Fünff fingerkraut. An den außgebreyten stylen wachsen bleychgeele blumen / die vergleichen sich den geelen blumen an dem Fünff fingerkraut / ein yedes blümlin mit fünff blettlin. Die wurtzel ist zasecht / etwan spannen lang / außwendig rot / inwendig weiß.

Statt seiner wachsung.

   Gensich wechßt allenthalben bey den wassern / und feüchten awen / do die genß jhr weyd gern haben.

Zeit.

   Blüet im summer / und den gantzen Herbst.

Die natur und complexion.

   Genserich ist trucken biß in dritten grad / unn hat kein offenbarliche hitz. Darumb jrren die seer / so meinen Genserich sey feüchter natur / dann wo dem allso were / kündt es nit so seer zusame ziehen / wie wir sölchs weitleüffiger in unserm Lateinischen kreüterbuch haben angezogen.

Krafft und würckung.

   Genserich ist treffenlich gut zu den fliessenden augen / heylet die frischen und umb sich fressenden wunden. Stellt der frawen kranckheyt / und krefftiget die gleych unn glider. Derhalben in wein gesotten unn getruncken / stellt es den bauchfluß / die roten rhur / und allerley bluten. In wasser gesotten und das im mund gehalten / benimpt den schmertzen der zän. Das kraut zerknütscht unnd übergeschlagen / legt den schmertzen der gleych / und das hüfftwee. In summa / Genserich hat alle krafft unnd würckung so dem Fünff fingerkraut zugelegt werden / welche wir an seinem ort wöllen erzelen.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de