Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Weggraß. Cap. CCXXXV.

 

Abbildung Weggraß
Weggraß ( CCCXLIX )
Abbildung: Seite 612

Deutsch: Knöterich, Vogel-
English: Knotweed
English: Knotgrass
Francais: traînasse
Francais: centinode
Latein: Polygonum aviculare

Namen.

W
Eggraß nent man auch Wegtritt / darumb das es gemeinlich auff den wegstrassen wechßt / und Denngraß. In Griechischer spraach heyßt es Polygonon arren. In Lateinischer Proserpinaca / Seminalis / und Sanguinalis. In den Apotecken Centumnodia und Corrigiola / von wegen der gewerb und knöpff so an den stengeln gefunden werden. Ursachen anderer namen haben wir in unserm Lateinischen kreüterbuch angezeygt.

Gestalt.

   Weggraß ist ein kraut mit runden zarten stengeln unnd ästlin / die haben vil gewerb und knöpff / unn kriechen auff der erden her wie das Graß. Auß eim yeden gewerblin kommen zwey schmale spitzige blettlin gegen einander gesetzt / den Rauten blettern nit ungleich / aber lenger. Zwüschen einem yeden gewerblin und blettlin tringen die kleine blümlin herfür / nit grösser dann ein Hirßkörnlin / ettlich gantz weiß / ettlich gantz braunrot / oder leibfarb / darauß würdt der samen / das seind dreyeckete körnlin. Sein wurtzel ist rund / rotlecht / mit vil zaseln.

Statt seiner wachsung.

   Weggraß wechßt allenthalben an den strassen / hinder den zeünen / und auff den äckern.

Zeit.

   Das Weggraß blüet im Brachmonat / und fast den gantzen summer. Der samen würt gegen dem Herbst zeitig.

Die natur und complexion.

   Weggraß ist kalt im andern grad / oder im anfang des ersten. Es trücknet auch seer.

Die Krafft und würckung.

   Der safft von dem Weggraß getruncken kült unnd zeücht zusamen. Ist gut denen so blut speien / und den cholerischen bauchfluß haben. Er treibt auch den harn. Mit wein vermischt unnd getruncken / ist er nützlich denen so von gifftigen thieren gebissen seind. Gedachter safft ist auch gut zu dem feber / dann er verhinderts so man jn ein stund vorhin ehe dasselbig kompt jnnimpt. Er stellt der frawen kranckheyt / so man ein tüchlin oder woll darinn netzt / unnd in die muter thut. In die ohren gethon / legt er den schmertzen derselbigen / und heylet jhre geschwär. In die nasen gethon / stellt er das bluten derselbigen. Mit wein und hönig gesotten / heylet er die geschwär so sich an den gemechten erzeygen. Die bletter zerstossen unnd übergelegt / leschen die grossen hitz des magens / heylen das rotlauff / das blut speien / unnd allerley frische wunden. In rotem wein oder wasser gesotten unn getruncken / stellen sie alle bauchflüß / die roten rhur / der frawen zeit / das blut speien / und sonst allerley bluten. Der same treibt den harn / den stein und grieß. In summa / das Weggraß ist ein nützlich und wunderbarlich kraut zu allerley innerlicher verserung / wunden / unn dergleichen gebrechen. Stellt auch allerley flüß / unn bluten / es sey zu der nasen auß / oder andern orten.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de