Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Harstrang. Cap. CCXXVIII.

 

Abbildung Harstrang
Harstrang ( CCCXL )
Abbildung: Seite 597

Deutsch: Haarstrang, echter
English: Sulphurweed
English: Fennel, Hog's
Francais: fenouil de porc
Latein: Peucedanum officinale

Namen.

H
Arstrang würt mit andern namen auch genent / nemlich Sewfenchel / und Schwebelwurtz / darumb das auß der wurtzel ein safft rinnet / dem schwebel gleich. Auff Griechisch und Lateinisch Peucedanus. In den Apotecken unn bey den gemeinen kreütlern heyst diß gewechß Foeniculus porcinus. Warumb aber diß kraut sey Peucedanus in Griechischer und Lateinischer spraach geheyssen / hab ich in meinem Lateinischen kreüterbuch gnugsam angezeygt.

Gestalt.

   Harstrang hat einen dünnen zarten stengel / dem Fenchel nit ungleich. Unden am stengel bey der wurtzel hat er vil bletter / die steen eng in einander / den Fenchel blettern gleich / aber grösser und breyter. Seine gekrönte blumen seind geel. Der same breyt. Die wurtzel außwendig schwartz / inwendig weiß / dick / lang / eins starcken geruchs / voller saffts / welcher wie angezeygt / dem schwebel an der farb / und an dem geschmack gleich ist.

Statt seiner wachsung.

   Harstrang wechßt auff den bergen. Umb Tübingen findt man sein vil auff dem Spitzberg.

Zeit.

   Harstrang blüet im Hewmonat und Augstmonat / unnd bringt volgends seinen samen.

Die natur und complexion.

   Schwebelwurtz ist warm im andern grad volkommenlich / und trucken im anfang des dritten grads.

Krafft und würckung.

   Von der Harstrang braucht man in der artzney die wurtzel / und den safft. Haben aber einerley krafft unnd würckung / doch ist der safft ettwas krefftiger. Mit rosenöl unnd essig vermengt unnd angestrichen / ist er gut zu allerley kranckheyt oder gebresten des geäders / als zu dem herten schlaaf darvon einer nit wol mag erweckt werden / dem schwindel / zu der fallenden sucht / zu den langwirigen weetagen des haupts / dem krampff / unnd hüfftwee. Er bringt wider zu jhnen selbs die weiber denen die muter übersich steigt / so sie daran riechen unnd schmecken. Der rauch darvon / veriagt die schlangen unnd natern. Mit rosenöl vermischt unnd in die ohren gethon / legt er den schmertzen derselbigen. In die außgehölten zän gethon / lindert er den schmertzen derselbigen. In einem ey jngenommen / ist er gut wider den husten. Macht leichtlich athmen / legt das grimmen / und zerteylt die bläst im leib. Erweycht den bauch. Macht das miltz klein / und kompt den frawen zu hilff die nit leichtlich geberen künden. Gedachter safft ist nützlich getruncken zu dem weetagen der blasen und nieren / kompt auch zu hilff denen so den krampff haben. Er eröffnet auch die muter. Die wurtzel wie vormals angezeygt / hat gleiche würckung / ist aber etwas unkrefftiger. Man muß sie aber sieden in wasser / und darnach dasselbig trincken. Gedachte wurtzel gedörrt und gestossen / in die unreynen und alten schäden gestrewet / reyniget dieselben / unn zeücht die schüpen schnell von den beynen / macht fleysch / und heylet zu letzst. Man mag sie auch brauchen zu den pflastern unn andern artzneyen so gebraucht werden zu wermung des leibs und der glider. Die wurtzel gesotten und getruncken treibt auß durch den stulgang die gallen / und zähen schleim. Die wurtzel gedörrt und gepulvert mit Dyllen öl vermischt und angestrichen / bringt den schweyß.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de