Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Waldtfarn. Cap. CCXXVII.

 

Abbildung Waldtfarn mennle
Waldtfarn mennle ( CCCXXXVIII )
Abbildung: Seite 594

Deutsch: Wurmfarn, gewöhnlicher
English: Fern, male
English: Fern, shield
Francais: fougère mâle
Latein: Dryopteris filix-mas
 

Abbildung Waldfarn weible
Waldfarn weible ( CCCXXXIX )
Abbildung: Seite 595

Deutsch: Adlerfarn, gewöhnlicher
English: Bracken
Francais: fougère commun
Latein: Pteridium aquilinum

Namen.

W
Aldtfarn würdt in Griechischer spraach Pteris oder Pterion / in Lateinischer Filix geheyssen. Der Lateinisch nam ist in den Apotecken bliben. Ursachen aber sölcher namen findt man inn unserm Lateinischen kreüterbuch nach der leng angezogen.

Geschlecht.

   Des Waldtfarn seind zweyerley geschlecht / weible und mennle. Das mennle würdt bey den Griechen Pteris / zu Latein Filix mas geheyssen. Das weible aber Thelypteris / unnd Filix foemina. Was aber für underscheyd under disen beyden geschlechten sey / wöllen wir volgends inn der beschreibung der gestalt gnugsam anzeygen.

Gestalt.

   Waldtfarn mennle hat weder stengel / blumen / noch samen. Seine bletter kommen von einem styl / der ist einer elen hoch / und seind zu beyden seiten außgebreytet wie zwen flügel / und zu ringßumb zerkerfft / auff der seiten gegen der erden mit vilen runden gantz kleinen tüpffelin besprengt / welche so sie zeitig unnd schwartz werden / fallends ab / darumb ettliche sölche tröpfflin für Farn samen samlen / der sie doch nit seind. Der geschmack an den blettern ist ettwas starck. Die wurtzel ist außwendig schwartz / dick / unnd etwas lang / mit vilen jungen dolden. So sie durchschnitten würdt / erscheint auff beyden seiten der wurtzel so nach der leng zerschnitten ist / ein schwartzer auffgethoner vogel / anzusehen wie ein adler / welches ich unnd andere offt wargenommen haben.
   Das weible hat bletter wie das mennle auff beyden seiten außgebreytet / und zerkerfft / doch hangen sie nit an einem sonnderlichen eintzigen styl / sonder auß dem eintzigen / langen / glatten / grünen stengel kommen vil zweiglin oder ästlin / daran die bletter wachsen. Hat auch weder blust noch samen. Die wurtzel ist lang / außwendig schwartz / kreücht überzwerch / und weit im grund hin unnd her zu allen seiten.

Statt irer wachsung.

   Das mennle wechßt allenthalben in dunckelen / schattechten / feüchten / sandigen gründen und tälern / deßgleichen an den sandfelsen / und in den wälden am liebsten. Das weible würt nit allenthalben gefunden / wechßt aber in den hohen wälden und bergen.

Zeit.

   Die Waldtfarn sollen im Herbst gesamlet werden.

Die natur und complexion.

   Dise Waldtfarn seind warm unnd trucken / das auß dem geschmack mag leichtlich abgenommen werden / der do bitter ist / und ein wenig zusamen zeücht.

Krafft und würckung.

   Die wurtzel des mennlins gepulvert unnd darvon vier quintlin mit Meth getruncken / treibt auß die breyten würme. Man mag aber ein halb quintlin schwartzer Nießwurtz darzu thun / so ist die würckung krefftiger. Dise wurtzel in wein gesotten unnd getruncken / ist gut den miltzsüchtigen. Doch sollen sich die weiber für diser wurtzel hüten / dann sie verhindert die empfengnuß / unnd tödtet die frucht im leib. Das pulver von diser wurtzel trücknet unnd heylet über die massen seer die alten schäden on alles beissen.
   Das weible hatt die gleiche würckung. Sein wurtzel gepulvert / unnd mit hönig in einer latwergen gestalt jngenommen / treibt auß die breyten würm. Aber mit wein dreier quintlin schwer jngenommen / füret sie auß die runden würm. Sie macht die frawen unfruchtbar. Die bletter so erst herfür kriechen / wie andere grüne kreüter gessen / lindern den bauch und stulgang. Treiben erstlich die gallen / volgends wasser. Die bletter tödten die wantzen / vertreiben die natern und ander ungezifer. Darumb sol man dise bletter dem viech understrewen / so seind sie alßdann sicher von gedachtem ungezifer. Der rauch vonn disen blettern vertreibt auch die natern und dergleichen ungezifer und gewürme.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de