Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Eisenkraut. Cap. CCXXVI.

 

Abbildung Eisenkraut mennle
Eisenkraut mennle ( CCCXXXVI )
Abbildung: Seite 590

Deutsch: Rauke, Weg-
English: Mustard, common hedge
Francais: herbe au chantre
Francais: tortelle
Latein: Sisymbrium officinale
 

Abbildung Eisenkraut weible
Eisenkraut weible ( CCCXXXVII )
Abbildung: Seite 591

Deutsch: Eisenkraut, echtes
English: Vervain
English: Herb-of-grace
Francais: verveine
Latein: Verbena officinalis

Namen.

E
Isenkraut oder Eisernhart ist darumb also genent worden / das man das eisen darmit hertet. Auff Griechisch würt es geheyssen Peristereon / hiera botane / zu Latein Verbenaca / Columbaris / Columbina / Herba sagminalis. Zu unsern zeiten / unnd in den Apotecken / Verbena. Ursachen aber diser namen aller / hab ich nach der leng in meinem Lateinischen kreüterbuch angezogen / daselbst mögens die spraachverstendigen suchen und lesen.

Geschlecht.

   Des Eisenkrauts seind zweyerley geschlecht / mennle und weible. Das mennle würt von dem Dioscoride Recta genent / und Crista gallinacea / das ist / Hanenkamb / von seinen zerschnittnen blettern / die einem hanenkamb gleich seind. Recta / das ist / auffrecht / darumb das seine äst auffrecht und gestarck übersich wachsen. Das weible würdt zu Latein Supina geheyssen / darumb das sich seine zweig oder äst ettwas undersich biegen. Was weiter underscheyd zwüschen disen zweyen geschlechten ist / wöllen wir hernach in der beschreibung jrer gestalt anzeygen.

Gestalt.

   Eisenkraut das mennle würt gemeinlich anderhalb spannen lang / etwan auch höher. Sein stengel ist gemeinlich nur eintzig / auß welchem die bletter schleffen / die seind zerspallten / unn auff der einen seiten weißfarb / ein yedes blatt anzusehen wie ein hanenkamb. Die blume oben an den reißlin oder ästlin seind geel / darauß werden kleine schöttlin / darinn ist der geel klein sam. Die wurtzel ist auch eintzig / weiß / mit vilen zaseln. Das weible würdt eins elenbogens hoch / zu zeiten auch höher. Seine stengel seind vierecket / an welchen wachsen bletter die seind zerspallten / dem Eychen laub nit seer ungleich / doch schmeler unnd kleiner / zu ringßumbher zerkerfft / auff der einen seiten weißfarb / oder grawlecht. Am öbersten teyl der stengeln bringt es vil kleine purpurweisse leibfarbe blümlin. So dise abfallen / bringt es seinen samen / der ist dem breyten Wegerich samen gleich. Die wurtzel ist lang / dick / und hat vil zaseln.

Statt irer wachsung.

   Das mennle wechßt auff ungebawten orten / bey den zeünen / und neben den wassergräben. Das weible würdt auch allenthalben gefunden / in dörffern / hinder den zeünen / an den mauren und wassergräben.

Zeit.

   Das mennle kompt vil ehe herfür dann das weible / dann es umb die Hundßtag fürnemlich blüet / biß in Herbst hinein.

Die natur und complexion.

   Beyderley geschlecht des Eisenkrauts ziehen zusamen und trücknen auß.

Die krafft und würckung.

   Des Eisenkrauts mennlin bletter mit rosenöl unnd frischem schweinenschmaltz vermischt unnd übergelegt / legen die schmertzen der muter. Mit essig vermengt und zerstossen / seind sie gut zu dem rotlauff. Sie heylen auch die faulen unnd unreynen schäden / zerstossen unnd übergelegt. Deßgleichen auch die frischen wunden / unnd die allten mit hönig vermischt.
   Des weiblins bletter unnd wurtzel in wein gesotten unnd getruncken / oder angestrichen / seind treffenlich gut wider allerley gifftige thier. Auff ein quintlin schwer mit weyrauch unnd alltem wein viertzig tag lang nüchter getruncken / heylen sie die geelsucht. In wasser gesotten / oder grün zerstossen unnd übergelegt / lindern sie die hitzigen geschwulst. Sie reynigen auch unnd seubern die unreynen schäden. Das gantz kraut in wein gesotten / heylet die mundfeule / und die geschwär des munds die umb sich fressen. Das Eisenkraut mennle ist gut zu den weetagen des haupts / so man ein krentzlin darauß macht und auffsetzt / oder so mans zerstoßt mit essig und rosenöl / und überlegt. Oder so mans mit rosenöl kocht und überschlecht. Sie verhüten auch das einem die har nit außfallen. Die wurtzel in wasser gesotten / und die brüe im mund gehallten / miltert die weetagen der zän / macht dieselbigen fest unnd steiff / unnd heylet die geschwär des munds. Gedachte wurtzel ein wenig zerstossen / und in wasser biß das halb teyl verzert würdt gesotten / unnd fünff tag getruncken / ist krefftig wider das grimmen der därm. Das weible in wasser gebeytzt unnd den saal oder das gemach darinn man isset darmit besprengt / sol die gest frölich machen. Ist gut denen so die roten rhur haben / in wasser oder wein gesotten und getruncken. Es treibt auch den stein. Ist nützlich denen so mit dem fallenden siechtagen beladen seind / und die newlich mit dem außsatz seind überfallen worden / in wasser gesotten unnd getruncken. Zerstossen und übergelegt / heylet es das Podagram / weetagen der hüfft / und die wunden.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de