Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

Seeblumen (203) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel Oleander (205)
 

Von zamen Senff. Cap. CCIIII.

 

Abbildung Geeler gartensenff
Geeler gartensenff ( CCCIII )
Abbildung: Seite 538

Deutsch: Senf, weißer
English: Mustard, white
Francais: moutarde blanche
Latein: Sinapis alba
 

Abbildung Weiß gartensenff
Weiß gartensenff ( CCCIIII )
Abbildung: Seite 539

Deutsch: Rauke, Senf-
Deutsch: Ruke
English: Rocket, salad
English: Rocket, garden
Francais: roquette
Latein: Eruca sativa

Namen.

D
Er zam oder Gartensenff würt auff Griechisch Napy oder Sinipi genent / zu Latein Sinapis unnd Sinapi / welcher name ist in den Apotecken bliben biß auff den heütigen tag. Ursach sölcher namen findestu in unserm Lateinischen kreüterbuch angezogen.

Geschlecht.

   Des Senffs darvon wir hie handeln / findt man zweyerley geschlecht. Das erst ist mit dem kraut den Rüben nit ungleich / hat geel blumen / daher würdt es geeler Gartensenff genent. Sein same ist weiß. Das ander geschlecht hat bletter fast wie der zam weiß Senff. Seine blumen seind weiß / der sam aber schier rotlecht. Mag vonn der weissen blumen wegen weisser Gartensenff geheyssen werden / darmit ein underscheyd sey under jm und dem zamen weissen Senff / darvon wir oben an seinem ort geschriben haben.

Gestalt.

   Das erst geschlecht des Senffs hat einen rauhen / harigen / langen stengel / mit vilen neben ästen und zincken. Seine bletter seind dem Rübenkraut nit ungleich / aber kleiner und rauher. Die blumen seind geel und bleych / darauß werden runde harige schäflin / vol weisses samens. Die wurtzel ist weiß / schlecht unn zasecht. Das ander geschlecht gewindt auch ein rauhen harigen stengel / aber nit so hoch. Seine bletter seind zerkerfft / unn dem kraut des weissen Senffs seer gleich / aber grösser und breyter. Die blumen seind weiß oder bleych / der gestalt nach einem creütz gleich / die werden zu runden und langen schäflin / voller rotlechts samens. Die wurtzel ist der vorigen änlich.

Statt irer wachsung.

   Beyde geschlecht des Senffs werden gemeinlich in den gärte gezilet. Wachsen doch zu zeiten von sich selbs / aber nit so lustig und schön als in den gärten dahin sie gepflantzt werden.

Zeit.

   Beyderley geschlecht blüen im Brachmonat und Hewmonat / und bringen alßdann auch jren samen.

Die natur und complexion.

   Die gedachten Senff seind warm und trucken im vierdten grad.

Die krafft und würckung.

   Senff zerteylt / und zeücht auß dem leib allerley feüchtigkeyt eüsserlich übergelegt. Im mund gekewet / zeücht er den zähen schleim auß dem haupt / und reyniget das hirn. Senff safft mit Meth gesotten unnd gurgelt / ist nützlich den geschwollnen mandeln / und der rauhen kelen. Der Senff samen gestossen unnd in die nasen gethon / macht niesen. Ist gut denen so die fallenden sucht haben. Wann man den frawen so die mutter übersich steigt / den Senff mit essig vermengt fürhelt und dran riechen laßt / so kommen sie wider zu jnen selbs. Ein pflaster auß Senffmeel gemacht / unn auff das beschoren haupt gelegt / ist gut denen so von dem schwären schlaff nit mögen erweckt werden. Senffmeel mit hönig vermischt und außwendig übergelegt so lang biß die haut rot würt / ist nützlich zu dem hüfftwee / geschwollenem miltz / und allerley langwirigen bresten / dann es zeücht die feüchtigkeyt von innen herauß. Diser gestalt temperiert unn angestrichen / macht es die außgefallene har wider wachsen. Macht ein hüpsch angesicht / und vertreibt die mäler unn flecken. Mit hönig unn genßschmaltz vermischt / verzert es das undergerunnen blut. Mit essig temperiert und angestrichen / heylet es die böse rauden / unnd die geflecht. Mit Feigen vermischt und zerstossen / bringt es das gehör wider / und vertreibt das sausen in ohren übergelegt. Der safft von dem grünen samen angestrichen / macht klare augen / und vertreibt die reuhe der augbrawen. Senff mit essig zerstossen und übergelegt / ist gut denen so vonn den natern oder scorpion gestochen seind. Ist gut wider das gifft der Pfifferling. Der Senff ist dem magen treffenlich gut. Inn der speiß genossen / macht er leichlich außwerffen. Treibt den harn / unn bringt den frawen jr kranckheyt. Den wassersüchtigen übergelegt / verzert er die überige feüchtigkeyt derselbigen. Mit essig getruncken treibt er den stein. Der Senff sterckt die dewung / unnd zerteylt die groben speiß im magen. Verzeret auch allerley überflüssige feüchtigkeyt des magens. So man den Senff anzündet unnd ein rauch darvon macht / veriagt er die natern unnd andere gifftige thier.

nach oben

Seeblumen (203) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel Oleander (205)

© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de