Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Seeblumen. Cap. CCIII.

 

Abbildung Weiß Seeblumen
Weiß Seeblumen ( CCCI )
Abbildung: Seite 535

Deutsch: Seerose, weiße
English: Water-lily, white
Francais: nénuphar blanc
Latein: Nymphaea alba
 

Abbildung Geel Seeblumen
Geel Seeblumen ( CCCII )
Abbildung: Seite 536

Deutsch: Teichrose, gelbe
Deutsch: Mummel, große
English: Water-lily, yellow
Francais: nénuphar jauneblanc
Latein: Nuphar lutea

Namen.

S
Eeblumen werden von ettlichen Wassermäen genent / und von der farb wegen Kollerwurtz. Auff Griechisch unnd Lateinisch werden sie Nymphaea geheyssen. In den Apotecken Nenuphar. Ursachen warumb sie Nymphaea sey genent worden / haben wir im Latein gnugsam angezeygt.

Geschlecht.

   Der Seeblumen seind zwey geschlecht / eins mit weissen blumen / der weissen Lilgen nit seer ungleich. Das ander mit geelen blumen / welches derhalben würdt geel Seeblum genent. Mögen auch der wurtzel halben underscheyden werden / dann die erst hat ein schwartze / die ander aber ein weisse wurtzel. Es ist aber vil besser das man jren underscheyd neme von den blumen / die von yederman gesehen werde / auch dieweil sie noch im wasser steen / weder von den wurtzeln / die man nit sehen kan / biß sie außgegraben werden.

Gestalt.

   Die weiß Seeblum hat stengel die seind rund und glat / als die grossen weyher bintzen. Die bletter seind rund / gantz steiff als ein zäch leder / den Ephew blettern nit fast ungleich / schwimmen auff dem wasser / ettlich auch under dem wasser / unnd kommen alle von einer wurtzel. Sein blum ist weiß / wie ein schöne weisse gefüllte Lilg / und haben ettlich derselbigen xxvi. ettlich xxviii. mehr oder minder bletter. Ein yedes derselben gefüllten blettern ist gestalt als ein daumenfinger / oder wie die feyßten bletter an der gemeinen grossen Haußwurtzel. Inwendig einer yeden blumen findt man ein schöne goldgeele sonnen mit vilen geelen zaseln. Sölche blumen ehe das sie sich auffthun / seind lange knöpff / als des Magsamens gestalt / mit braungrünen blettern verschlossen. Als bald sie herauß schlieffen erscheinen dise gefüllte blumen mit den geelen butzen als schöne gemalte sonnen / die seind on allen geruch. Nach abfallung der weissen blettern / werden Magsamen köpff darauß / mit samen außgefüllt / der ist schwartz / breyt und zäch. Die wurtzel ist schwartz / rauch / knöpffecht / etwan arms dick / mit vilen zaseln. Die geele Seeblum ist der weissen mit blettern und stengeln etwas gleich. Die wurtzel weiß / rauch / und knöpffecht. Jre blumen seind gantz tottergeel / glitzend / den rosen nit onänlich / nit so groß als die weissen. Die zugeschlossene knöpff / ehe das sie auffbrechen zur blust / erscheinen gantz rund / mit grünen blettern überzogen.

Statt seiner wachsung.

   Die Seeblumen wachsen beyde in pfülen / weyhern und seen.

Zeit.

   Die Seeblumen blüen im Brachmonat / zu welcher zeit man dieselbigen samlen soll.

Die natur und complexion.

   Die wurtzel und der samen beyder Seeblumen külen unn trücknen auß on alle scherpffe und on alles beissen.

Krafft und würckung.

   Die wurtzel des ersten geschlechts der Seeblumen in wein gesotten und getruncken / ist denen gut so den bauchfluß und die roten rhur haben. Sie verzert das miltz diser gestalt gebraucht. Gesotten und übergelegt ist sie nützlich unn gut den weetagen des magens und der blasen. Der gestalt in wasser gesotten übergelegt / vertreibt sie die flecken und mäler des leibs. Mit bech vermengt unn übergestrichen verhütet sie das einem das har nit mehr außfellt. Die wurtzel gesotten und getruncken / macht keüscheyt. Deßgleichen thut auch der same. Der geelen Seeblumen wurtzel / deßgleichen auch der same in rotem wein gesotten unnd getruncken / stellen der weiber kranckheyt. Die wurtzel der Seeblumen grün zerstossen und auff die wunden gelegt / stellt das blut. Gedörrt und in die geschwär so von den schuhen gemacht seind gestrewet / heylet sie. Deßgleichen den fliessenden hauptgrind. Man mag auß den blumen Conservas und zucker machen / welche sonderlich dienstlich seind zu allen hefftigen febern / zu den weetagen so von der gallen / Bilis flava genent / entstanden / in sonderheyt zu dem hauptwee. Machen schlaffen. Weren den unzüchtigen und unkeüschen tröumen.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de