Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Weiderich. Cap. CLXXXVII.

 

Abbildung Braun Weiderich
Braun Weiderich ( CCLXXVII )
Abbildung: Seite 493

Deutsch: Weidenr÷schen, rauhhaariges
English: Codlins and Cream
English: Willowherb, great hairy
Francais: Úpilobe velu
Latein: Epilobium hirsutum
 

Abbildung Geel Weiderich
Geel Weiderich ( CCLXXVIII )
Abbildung: Seite 494

Deutsch: Felberich, Gold-
Deutsch: Gilbweiderich, gew÷hnlicher
English: Loosestrife, yellow
Francais: corneille
Francais: chasse-bosse
Latein: Lysimachia vulgaris

Namen.

W
Eiderich würdt auff Griechisch und Lateinisch Lysimachium unn Lysimachia genent. Ettlich nennen diß kraut Salicariam. Hat seinen namen vom könig Lysimacho überkommen. Ist den Apoteckern unbekant.

Geschlecht.

   Des Weiderichs seind zwey geschlecht / eins mit goldgeelen blumen / würdt derhalben geel Weiderich genent. Das ander mit braunen blumen und Violen / braun Weiderich geheyssen. Under disen zweyen aber ist der geel Weiderich der best in der artzney zu brauchen. Des braunen findt man auch zweyerley geschlecht / wie wir an einem andern ort wöllen anzeygen. Den underscheyd diser zweyer geschlecht / wöllen wir in jrer gestalt anzeygen.

Gestalt.

   Der geel Weiderich bringt stengel die seind zweyer elen hoch / ecket / unnd rauch. Die bletter seind etwas breyter dann an dem braunen / gar nach dem laub der Schwalbenwurtz gleich / deren zu zeiten drey oder vier / auch zwey gegeneinander gesetzt seind / welche seer zusamen ziehen. Die blume seind geel on allen geruch / wachsen am öbersten gipffel des stengels / darauß werden runde körnlin / als Coriander / die ziehen am geschmack zusamen. Die wurtzel fladert hin und wider / bringt vil schöner roter schoß / darauß newe stengel werden. Der braun Weiderich hat einen stengel der würt auch zweyer elen hoch / des bletter seind schmeler / spitziger unn schwertzer / dem Weiden laub gantz änlich. Bringt schöne braune blumen / wie die braunen Veiel. So dieselben abfallen / wachsen hernach lange rotlechte schotten. Die wurtzel ist zasecht.

Statt irer wachsung.

   Weiderich wachsen beyde an wässerigen orten / auff den wassergestaden / do die Weiden steen.

Zeit.

   Blüen im Brachmonat und Hewmonat / in sonderheyt der geel Weiderich / der braun aber weret schier biß in den Herbstmonat.

Die natur und complexion.

   Beyde Weiderich / dieweil sie seer zusamen ziehen / trücknen sie auch on alles beissen.

Die krafft und würckung.

   Der safft auß den blettern getruckt und getruncken / stellet das blutspeien / unn in einem clystier jngegeben / heylt er die roten rhur. Deßgleichen thun auch die bletter in wein gesotten unnd getruncken. Das kraut zerstossen unnd auff die scham gelegt / oder ein woll in dem safft getunckt unnd in die weiblichen scham gethon / stellet der frawen kranckheyt und flüß. Das kraut in die nasen gethon / stellet das bluten auß derselbigen. Auff die wunden gelegt / macht es das sie auffhören zu bluten. Ein rauch von disem kraut gedörrt gemacht / vertreibt die natern und schlangen / tödtet auch die mucken und fliegen.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de