Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von weiß Hornungßblumen. Cap. CLXXXV.

 

Abbildung Hornungßblum
Hornungßblum ( CCLXXIII )
Abbildung: Seite 488

Deutsch: Schneeglöckchen
Deutsch: Märzenbecher
Deutsch: Knotenblume, Frühlings-
English: Snowdrop, common
English: Snowflake, Spring
Francais: grelot blanc
Latein: Galanthus nivalis
Latein: Leucojum vernum
 

Abbildung Weiß Hornungßblum mit dem samen
Weiß Hornungßblum mit dem samen ( CCLXXIIII )
Abbildung: Seite 489

Deutsch: Knotenblume, Frühlings-
Deutsch: Märzenbecher
English: Snowflake, Spring
Latein: Leucojum vernum

Namen.

W
Eiß Hornungßblumen haben jhren namen daher / das sie früe im Hornung herfür kommen. Werden auch Mertzen blumen genent / darumb das sie im anfang des Mertzen am volkommlichsten gesehen werden. Theophrastus hat dise schöne liebliche blumen Levcoion / Plinius Violam albam / das ist / weiß Veiel / genent / der ursachen halben das sie riechen wie die Mertzen Violen.

Gestalt.

   Weiß Hornungßblum hat kraut unn bletter wie der Lauch / doch zärter und linder / die kriechen auß der wurtzel / welche ist eim Zwibel gleich. Der styl oder stengel ist rund / dünn und bintzecht / spannen hoch. Auff demselbigen wachsen zwo oder drey blumen / die seind von farben weiß / eines lieblichen geruchs wie die Mertzen Veiel / unn vergleicht sich ein yede einer schellen oder Cymbalen mit sechs spitzlin / die seind außwendig mit geelgrünen tröpfflin besprengt / inwendig aber in blumen findt man in einer yeden sechs saffrangeele köpfflin / die steen auff kleinen fäden. Nach abfallung der blumen erscheinen auff dem gipffel der stengel köpfflin / in der grösse einer Haselnuß / mit geelem runden glatten samen außgefüllt / der vergleicht sich ettlicher massen dem geelen Gartensenff.

Statt seiner wachsung.

   Die weiß Hornungßblum wechßt gern in schattechten finstern orten unnd wälden / in sonderheyt die neben dem wasser ligen / als umb Tübingen oberhalb dem closter Bebenhusen ist ein ort da wechßt sie überflüssig. Man pflantzt sie auch in gärten.

Zeit.

   Die Hornungßblumen / wie oben angezeygt / thun sich gar bald im Hornung herfür / nemlich wann ein warmer winter ist umb Valentini. Im anfang des Mertzen seind sie volkommen. Im Aprillen bringen sie jren samen in den köpfflin wie angezeygt. Gegen dem Meyen verschwindt das kraut / stengel und samen / bleibt allein die zwibelwurtz im grund unversert.

Die natur und complexion.

   Die wurtzel der Hornungßblumen zeücht zusamen und trücknet / wie ander Zwibelwurtzel / Bulbi genent.

Die krafft und würckung.

   Die Hornungßblumen haben noch zur zeit / so vil unnd mir bewüßt / keinen brauch in der artzney / aber dieweil sie zusamen zeücht unnd verzert / mag mans brauchen wie andere Zwibelwurtzel zu heylung der allten schäden / doch die vorhin gereyniget seind.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de