Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Zwibeln. Cap. CLXIII.

 

Abbildung Zwibel
Zwibel ( CCXLI )
Abbildung: Seite 435

Deutsch: Zwiebel, KŘchen-
Deutsch: Zwiebel, echte
English: Onion, common
Francais: oignon
Latein: Allium cepa

Namen.

Z
Wibel ist auff Griechisch Crommyon / zu Latein Cepa geheyssen / welchen namen die Apotecker behalten haben. Ursachen sölcher namen hab ich gnugsam im Lateinischen kreüterbuch angezogen.

Geschlecht.

   Es seind vil geschlecht der Zwibel / welche alle Theophrastus unnd Plinius erzelen / on not hie vil darvon zu schreiben. Die Zwibel aber so in unsern landen wachsen seind ettlich groß / ettlich klein / an der farb ettlich rot / ettlich weiß / ettlich rund / die andern lang. Die besten aber seind die runden und von farben rot.

Gestalt.

   Die Zwibel haben bletter fast wie der Lauch / inwendig hol / jre stengel oder rhör seind rund / die gewinnen an den gipffeln runde köpfflin mit dünnen weissen heütlin überzogen / die brechen mit der zeit auff / unn kriechen die bleychweisse gestirnte blümlin vil neben einander getrungen herfür. Sölch blümlin werden zu kleinen knöpfflin oder böllin / in deren yedem seind zwey oder drey schwartz eckete körnlin verschlossen. Die wurtzel ist rund wie ein kleins köpfflin / auß vilen dünnen schelfen oder heütlin zusamen gesetzt / die aller außwendigsten aber seind gantz zart unnd rotlecht. An disem köpfflin hangen zu öberst kleine weisse zaseln wie das har.

Statt irer wachsung.

   Die Zwibeln wachsen gern im feyßten mürben und feüchten erdtrich. Werden allenthalben in gärten gepflantzt.

Zeit.

   Die Zwibel säet man im Mertzen / blüen im Hewmonat fürnemlich / bringen nachfolgends den schwartzen samen. Die zeitigen Zwibel werden gemeinlich umb Bartholomei außgezogen.

Die natur und complexion.

   Die Zwibel ist warm im vierdten grad / und einer groben substantz / in sonderheyt wo der safft darauß getruckt würt.

Die krafft und würckung.

   Die langen Zwibel seind scherpffer dann die runden / die roten mehr dann die weissen / die dürren dann die grünen / die rowen dann die gesotten. Doch beissen allerley Zwibel / machen bläst / oder wind / reytzen zu essen / zerteylen / machen durst / und reynigen. Sie lindern den stulgang. So man sie schelet unnd in öl legt / darnach zäpfflin darauß macht / und in den affter thut / so eröffnens die gulden oder rosen ader. Der safft vonn Zwibeln außgetruckt / mit hönig vermischt und in die augen gethon / macht lautere augen / vertreibt die fäl / und den anfang des starns. Er bringt den frawen jre kranckheyt in die weiblich scham gethon. Reyniget das haupt in die nasen gethon. Zwibel safft mit saltz / rauten / und hönig vermischt / ein pflaster darauß gemacht und übergelegt / ist ein köstlich artzney zu den wunden / so von unsinnigen hunden seind gebissen. Der safft mit essig vermengt / und an der sonnen angestrichen / vertreibt die weissen unnd schwartzen masen am leib. Gedachter safft mit hennen schmaltz vermischt / ist nützlich denen so die schuch getruckt haben / ein sälblin darauß gemacht. Der safft in die ohren gethon / bringt das gehör / und nimpt das sausen im kopff. Er macht das har widerumb wachsen / so man das haupt darmit reibt. Der Zwibel so er zuvil würt in der speiß gebraucht / macht er weetagen des haupts. So er wol gesotten ist / treibt er den harn. In den kranckheyten zuvil gessen / auch gesotten / bringt er mit sich ein starcken schlaff. Mit kleinen weinbeerlin und feigen zerstossen und übergelegt / zeitiget er / und bricht die geschwär. Der Zwibel zerteylt die groben zähen flüß im leib.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de