Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von kirschen. Cap. CLXI.

 

Abbildung Kirschen
Kirschen ( CCXXXIX )
Abbildung: Seite 432

Deutsch: Kirsche, Glas-
Deutsch: Kirsche, S-
Deutsch: Kirsche, Vogel-
Deutsch: Weichsel, S-
Deutsch: Morelle
Deutsch: Amarelle
English: Cherry, sweet
English: Cherry, bird
Francais: merisier
Latein: Prunus avium
Latein: Prunus cerasus var. austera
Latein: Prunus cerasus var. caproniana

Namen.

K
Irschen seind auff Griechisch unn Lateinisch Cerasa genent / von der statt Cerasunte / darvon sie erstlich in Welsch land gebracht seind / und volgends auch an andere ort.

Geschlecht.

   Der Kirschen seind vilerley geschlecht / doch in unsern landen findt man fürnemlich dreierley art. Die ersten seind rund / liechtrot und süß / die werden Amarellen geheyssen. Die andern seind der gestalt nach den yetzgemelten gleich / aber der farb nach / welche braunschwartz ist / haben sie einen underscheyd / seind auch vil saurer dann die Amarellen / werden Weichsel genent. Die dritten seind vil kleiner und ettwas langlechter / nit gar rund / und deren seind ettlich rot / ettlich braun / werden an ettlichen ortten sonderlich Kerschen oder Kirschen genent. Kerschen aber ist jhr rechter nam / von dem Lateinischen Cerasa genommen.

Gestalt.

   Der Kirschenbaum hat fast bletter wie der Nespelbaum / doch herter / breyter / unn zu ringßumbher zerkerfft. Sein rinde ist glatt / weiß unn schwartz durcheinander. Die blumen seind weiß / wie die Schlehen blumen. Die frucht liechtrot / oder braunschwartz / rund oder langlecht.

Statt irer wachsung.

   Die Kirschen seind seer gemein / wachsen in allen gärten / doch das dritt geschlecht würt auch in wälden gefunde / in sonderheyt an den wässerige bergen.

Zeit.

   Die Kirschen blüen im früling / fast mit oder bald nach den Schlehen. Die frucht würt im Brachmonat und Hewmonat zeitig.

Die natur und complexion.

   Die Kirschen haben nit einerley natur unn complexion. Die süssen so sie noch frisch seind / wermen ein wenig und feüchten. Die sauren und herben külen und trücknen.

Die krafft und würckung.

   Die süssen und zeitigen Kirschen machen einen linden stulgang / seind aber dem feüchten magen nit nützlich noch bequemlich. Die herben aber seind dem feüchten magen gantz bequem. Plinius schreibt / wann einer zu morgens früe / dieweil noch der thaw darauffligt / Kirschen mit den kernen gantz hinab schlucke / so treiben sie seer durch den stulgang auß. Das hartz so an dem Kerschenbaum gefunden würt / mit wein jngenommen und getruncken / ist gut dem langwirigen husten / macht ein linde kelen / und lust zu essen. Es macht auch ein schöne haut am leib / und ein scharpff gesicht. In wein getruncken bekompt es wol denen so den stein haben. Mit essig vermischt und angestrichen / vertreibt es den jungen kindern das Nerisch oder Gespreng genent.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de