Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Ephew. Cap. CLX.

 

Abbildung Maur Ephew
Maur Ephew ( CCXXXVII )
Abbildung: Seite 428

Deutsch: Efeu, gewöhnlicher
English: Ivy
Francais: lierre
Latein: Hedera helix
 

Abbildung Klein Ephew
Klein Ephew ( CCXXXVIII )
Abbildung: Seite 429

Deutsch: Efeu, gewöhnlicher
English: Ivy
Latein: Hedera helix

Namen.

E
Phew würdt auff Griechisch Cissos / zu Latein Hedera genent. Hat auch ander namen mehr / welche wir im Latein / unnd darbey die ursachen derselbigen / haben gnugsam angezeygt.

Geschlecht.

   Des Ephews seind fürnemlich drey geschlecht. Das erst ist weiß Ephew / von der weissen frucht willen / genent / würdt vom Plinio das weible geheyssen. Das ander bringt ein schwartze frucht / würdt derhalben schwartz Ephew genent. Henckt sich seer an die mauren / also das es auch diselbigen zu zeiten zerreißt / darumb würt es auch maur Ephew geheyssen / von ettlichen baum Ephew / der ursach halben / das es sich umb die böum wicklet / und dieselbigen nidertruckt. Das dritt würdt klein Ephew geheyssen / von den Griechen Helix / von den Lateinischen Hederula.

Gestalt.

   Das schwartz Ephew kreucht und laufft zuringß umb die böum / biß an die gipffel / henckt sich auch an die mauren mit seinen vilfaltigen zasechten wurtzeln so steiff / das man ettwan maur / oder böum / und Ephew / on schaden nit mag vonn einander scheyden. Seine bletter so erstlich herfür kommen seind ecket / haben aber gemeinlich drey eck. Die allten bletter seind ettwas rund / feyßt / unnd hert. Seine blust ist klein / bleychgeel / schier wie der Weinreben / reucht nit übel / darauß werden beer / die sind erstlich grün / unn bald darnach schwartz / die hangen an langen stilen / gleich wie die trauben / doch nit so seer zusamen getrungen / sonder allein inn die beer geteylt. Das Weiß haben wir nit gesehen / darumb on not dasselbig zu beschreiben. Das Klein hat dreyeckete schwartzgrüne bletter / doch gegen dem Herbst werden sie auff der lincken seiten braunrot. Ist unfruchtbar.

Statt irer wachsung.

   Zwey Ephew geschlecht wachsen in unsern landen / nemlich das schwartz / und klein. Das schwartz findt man allenthalben an den mauren unn wenden. Das klein kreucht in wälden auff der erden her / under dem mieß / steigt nit leichtlich übersich.

Zeit.

   Ephew grünet summer unn winter. Aber zu summers zeiten findt man seine blust und frucht.

Die natur und complexion.

   Ephew hat ein widerwertige natur / dann es zeücht zum teyl zusamen / unnd ist auch etwas scharpff. Darumb sein substantz ettwas grob und kalt / auch ettwas warm ist / wie wir sölchs weitleüffiger im Lateinischen kreüterbuch haben angezogen.

Krafft und würckung.

   Ephew ist den nerven etwas schedlich. Die blumen gedörrt unnd zu pulver gestossen / unnd auff ein quintlin ungeverlich mit wein jngenommen / heylen die rhur. So man auß den blumen mit wachß ein pflaster macht / seind sie gut übergelegt zu dem brand. Die jungen zarten bletter mit essig gesotten / oder row mit brot zerstossen / und über das miltz geschlagen / heylen die gebrechen desselbigen.
   Der safft vonn den blettern unnd körnern mit essig unnd rosenöl vermischt unnd über das haupt geschlagen / benimpt den weetagen desselbigen. Ist auch gut zu dem weetagen der ohren / und so sie schwären / darinn gethon. Die körner zerstossen / unnd der saft an das haupt gestrichen / machen schwartz har.
   Die bletter in wein gesotten / seind gut übergelegt unnd darmit gewäschen / zu allerley wunden unnd schäden. Dergleichen gesotten unnd übergelegt / vertreiben sie die mäler under dem angesicht / unnd heylen den brand krefftiglich.
   Die körner auff ein quintlin mit wein jngenommen unnd getruncken / treiben den stein. Doch sollen sie den weiberen nit gereychet werden / dann sie machen dieselbigen unfruchtbar. Der style daran die bletter steen / mit hönig überstrichen / unnd inn die muter gethon / bringt den frawen jhre kranckheyt.
   Der safft von den blettern inn die nasen gethon / vertreibt den bösen gestanck derselbigen / unnd reyniget die geschwär darinn. Der safft so auß dem Ephew fleußt unnd tropft / vertreibt die leüß und das har an allen orten dahin er angestrichen würdt. Der safft aber vonn der wurtzel mit essig getruncken / ist gut denen so vonn gifftigen thieren gebissen seind. Die körner vonn dem weissen Ephew zwey oder drey in Meth essig getruncke / treiben auß die würm im leib. Gleiche krafft haben sie auch so mans zerstoßt und über den bauch legt. Man findt das die trinckgeschirr so auß der wurtzel des Ephews gemacht werden / die miltzsüchtigen heylen.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de