Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Madelgeer. Cap. CLIX.

 

Abbildung Madelgeer
Madelgeer ( CCXXXVI )
Abbildung: Seite 426

Deutsch: Enzian, Kreuz-
English: Gentian, cross
Francais: gentiane croisette
Latein: Gentiana cruciata

Namen.

M
Adelgeer nennen ettlich auch Creützwurtz / darumb das die wurtzel in der mitten creützweiß durchstochen ist. Andere heyssen diß kraut umb seiner heylung willen der wunden / Sperenstich. Ob es den alten bekant sey gewesen / kan ich noch nit wissen.

Gestalt.

   Madelgeer hat einen runden stengel / nit vil über ein spannen lang / der obenauff rotlecht ist / und ist mit schmalen / dicken / langen blettern bekleydet / deren alwegen zwey gegen einander steen / und seind ein wenig herumb gebogen / gegen der erden. Am obern theyl der stengel / zwüschen den blettern zu ringßumbher wachsen gemeinlich sechs oder siben / etwan mehr oder minder blawer blume / wie lange hole schellen / die auß grünen hülsen schlieffen. So dieselbigen außfallen / wechßt hernach goldtfarber kleiner same in langen secklin. Die wurtzel ist rund / lang / unn weiß / in der mitten wie vor gemellt / creützweiß durchstochen.

Statt seiner wachsung.

   Madelgeer wechßt auff ungebawte orten / fürnemlich aber auff den ägerten.

Die natur und complexion.

   Madelgeer / dieweil es am geschmack bitter erfunden würt / ist warmer und truckner natur.

Die krafft und würckung.

   Madelgeer würt seer gelobt das es gut und nützlich sey wider die pestilentz / gedörrt unn ein pulver darauß gemacht. Das kraut mit der wurtzel gesotten und getruncken / reynigt die brust / unn treibt auß die zähe feüchtigkeyt so sich daselbst gesamlet hat. Madelgeer ist auch ein treffenlich wundkraut / darmit allerley brüch und schäden zuheylen. Soll aber das kraut unn wurtzel in wein gesotten / und die wunden und schäden darmit gewäschen / und das reyn gestossen pulver in die wunden gestrewet werden. Die Hirten gebends auch den schweinen / zerhacken das kraut und wurtzel / so der schelm under sie kompt. Und das auß keiner anderen ursachen / dann das diß kraut verhüten solle / das im gedachtem viech kein feüle werde / noch geschwär darinn wachse.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de