Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Köl. Cap. CLVIII.

 

Abbildung Breyter Köl
Breyter Köl ( CCXXXII )
Abbildung: Seite 421

Deutsch: Blattkohl, grüner
Deutsch: Kohl, Futter-
Deutsch: Kuhkohl
Deutsch: Kohl, Blätter-
English: Kale, tall
English: Cabbage, cow
English: Collards
English: Kale, tree
Latein: Brassica oleracea var. acephala subvar. viridis
 

Abbildung Krauser Köl
Krauser Köl ( CCXXXIII )
Abbildung: Seite 422

Deutsch: Grünkohl
Deutsch: Kohl, Feder-
Deutsch: Kohl, Braun-
Deutsch: Kohl, Kraus-
English: Borecole
English: Kale, curly
English: Kale, feather
English: Kale, scotch
English: Greens, curled German
Latein: Brassica oleracea var. acephala subvar. sabellica
 

Abbildung Kleiner Köl
Kleiner Köl ( CCXXXIIII )
Abbildung: Seite 423

Deutsch: Raps
English: Rape, Summer
English: Rape, Winter
English: Colza
English: Rape
Francais: chou vert
Latein: Brassica napus var. oleifera
 

Abbildung Kappißkraut
Kappißkraut ( CCXXXV )
Abbildung: Seite 424

Deutsch: Kopfkohl
Deutsch: Kohl, Kopf-
English: Cabbage
Francais: chou cabus
Latein: Brassica oleracea var. capitata

Namen.

K
öl ist auff Griechisch Crambe genent / zu Latein Brassica sativa. Die Apotecker nennens Caulem. Ursachen aber sölcher namen haben wir im Lateinischen kreüterbuch angezeygt.

Geschlecht.

   Des Köls findt man fünfferley geschlecht / fürnemlich deren so am breüchlichsten seind / groß / breyt / krauß / khlein / unnd Cappeßkraut genent. Der groß würt also geheyssen von wegen seiner grossen blettern. Der breyt ist also genent / von wegen seiner bletter / die ettwas grösser unnd breyter seind dann des kleinen. Der krauß hat auch seinen namen von seinen blettern / die seer krauß seind. Der klein würdt also genent von wegen seines stengels / und seiner bletter / die do zärter und kleiner seind / dann der andern Kölen. Das Cappeßkraut hat seinen namen von dem Latein / dann es würt Caulis capitulatus genent / darumb das sich die bletter zusamen thun unnd schliessen allwegen eins über das ander / unnd ein gestalt eines haupts machen / daher mans auch Heuptlin nent. Ist seer breüchlich in unsern landen / fürnemlich im Beyerland / do es überflüssig gepflantzt würt in gärten.

Gestalt.

   Das erst geschlecht / nemlich der groß Köl / bringt einen braunen dicken stengel. Seine bletter seind breyt / blawfarb / grösser dann des Cappes. Gewindt kein haupt / sonder bleiben allzeit täschen. Blüet im andern jar. Seine blumen aber seind geel / und so dieselbigen abfallen / gewindt er schäflin / darinn ist sein same. Das ander / breyter Köl genent / ist mit stengel / blumen / und samen dem vorigen gleich / die bletter aber seind zerschnitten unn ringßumbher zerkerfft / wie an dem kleinen / am undern teyl gegen dem stengel / mit groben / oben auff aber mit kleinern kerflin zerschnitten. Die wurtzel ist zasecht / unn hangt neben daran ein knöpfflin aller gestalt wie ein runds beerlin. Das dritt geschlecht krauser Köl geheyssen / ist mit stengel / blumen und samen den vorigen gleich / aber seine bletter seind zinnelecht / zu ringßumbher zerschnitten und krauß / wie ein Kalbßkröß. Die wurtzel ist dem breyte Köl gleich / hat aber kein knöpfflin. Das vierdt / nemlich kleiner Köl / ist auch mit wurtzel / stengel unnd samen den andern / fürnemlich dem breyten gleich / aber seine bletter seind zärter unn kleiner. Das Cappeßkraut ist mit den blettern dem grossen Köl gantz gleich / dann sie seind runtzelecht / groß / und schleüßt sich allwegen eins über das ander / wie vormals gemellt ist / werden zu letzst zu einem haupt.

Statt irer wachsung.

   Die Kölkreüter pflantzt man hin und wider fast in allen gärten / wachsen aber gern in kalten und feüchten orten / mögen sonst nit wol auffkommen.

Zeit.

   Die Kölkreüter blüen gemeinlich im Augstmonat / unn bringen darnach jren samen.

Die natur und complexion.

   Die Köl seind warm und trucken im ersten grad.

Die krafft und würckung.

   Der Köl ist gut zu erweychen den bauch / so er ein wenig gesotten würt. Wann er aber volkommenlich gesotten würt / so stelt er und erhertet den bauch / und das fürnemlich wann er zwey mal gesotten ist. Der im summer wechßt / schadet dem magen / und ist etwas scherpffer. Köl gesotten und gessen / ist nützlich denen so ein blöd gesicht haben / unnd zittern. So man Köl nach dem essen braucht / so nimpt er hinweg den schaden und nachteyl so auß überiger fülle / unn vom übermässigen weintrincken kompt. Die öbersten und zarten gipfflin von dem Köl / seind dem magen nützlich / seind aber etwas scherpffer / und zu treiben den harn krefftiger. Der safft vom Köl mit wein vermischt unn getruncken / ist nützlich denen so von natern gebissen seind. Mit meel und Foenograeco vermischt / unnd übergelegt / bekompt er wol denen so das Podagram und weetagen der glider haben / auch den alten unreynen schäden. Der safft in die nasen gethon / reynigt das haupt. Er bringt den frawen jre kranckheyt / mit Radten meel vermischt / ein zäpfflin darauß gmacht / unn in die muter gethon. Die bletter allein / oder mit gersten maltz zerstossen und übergelegt / seind gut zu allerley geschwulsten. Die bletter auff das haupt gelegt / behalten das har so anfahet außfallen. Die Kölbletter gesotten und mit hönig vermischt / heylen allerley umbfressende schäden. Row gessen auß essig / seind sie nützlich den miltzsüchtige. So sie einer im mund kewet / und den safft hinab schluckt / bringen sie die verlorne stimm wider. Köl gesotten und getruncken / lindert den stulgang / und bringt den frawen jre kranckheyt. Der same vertreibt die roßmucken unnd flecken under dem angesicht. Mit meth jngenommen / tödtet er die würm im bauch. Köl gesotten / unn in demselbigen wasser ein tüchlin genetzt und übergeschlagen / ist den spannadern oder nerven / und den gleychen seer bequemlich. Gedacht wasser heylet allerley wunden / so mans darauff legt / oder darmit wäscht. Der safft mit wein vermischt / unnd law in die ohren gethon / bringt das gehör widerumb. Köl ist dem wein unnd Weinreben widerwertig / darumb sie bey einander nit wol sein mögen. Man findt das ettlich von dem Podagra gesundt seind worden / die Köl gessen / und das wasser darinn Köl gesotten ist / getruncken haben. Köl mit alltem schmaltz vermischt / und übergelegt / ist seer gut zu dem weetagen der hüfft. Köl zerstossen und den safft darvon übergestrichen / vertreibt unnd verzert das undergerunnen blut / und andere blawe mäler.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de