Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

Negelblumen (133) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel SyngrŁen (135)
 

Von Zeitlosen. Cap. CXXXIIII.

 

Abbildung Zeitlosen mit den blumen
Zeitlosen mit den blumen ( CCI )
Abbildung: Seite 367

Deutsch: Herbstzeitlose
English: Ladies, naked
English: Crocus, Autumn
English: Saffron, meadow
Francais: tuechien
Francais: colchique
Latein: Colchicum autumnale
 

Abbildung Zeitlosen mit blettern und samen
Zeitlosen mit blettern und samen ( CCII )
Abbildung: Seite 368

Deutsch: Herbstzeitlose
English: Saffron, meadow
English: Crocus, Autumn
English: Ladies, naked
Latein: Colchicum autumnale

Namen.

Z
Eitloß würt von den Griechen und Lateinischen Colchicum und Ephemerum geheyssen. Die nachvolgende ärtzt unn kreütler habens Hermodactylum genent. Ursach diser namen hab ich in meine Lateinischen kreüterbuch nach der leng angezeygt.

Gestalt.

   Gegen dem Herbst so kommen dise nackete blumen herfür auß den runden zwibelen / die seind mit schwartzroten schelfen außwendig überzogen / inwendig aber weiß / zart / safftig und süß. Sölche blumen seind weißlecht oder leibfarb / und hat ein yede gemeinlich sechs bletter / und inwendig jhre geele zäpfflin wie andere Gilgen / der gestalt nach den zamen Saffran blumen gantz gleich. Gegen dem Lentzen tringen die dicken feyßten grünen bletter herfür / deren ettlich drey / ettlich vier / wie die andern / runde zwibelechte wurtzel haben. Zwüschen denselbigen schleufft ein stengel herauß / auff welchem wechst ein frucht einer küe tutten nit ungleich / die ist vol samen / der ist rund / und so er zeitiget würdt er braunlecht / beynach als der Rettich samen.

Statt seiner wachsung.

   Die Zeitlosen wachsen allenthalben auff den wisen im Teütschen land / und ist kaum ein kraut das so in grosser menge wechst als dises. Ist anderßwo nit allenthalben so gemein als bey uns.

Zeit.

   Im Lentzen wechst das kraut / oder die bletter. Im summer / fürnemlich im Brachmonat / die frucht oder samen. Im Herbst die nackete blume. Im winter zeitigen die zwibelechte wurtzeln / und stossen järlich newe augen herfür.

Die natur und complexion.

   Ettlich sagen das Zeitlosen seind warm und trucken im andern grad.

Die krafft und würckung.

   Die wurtzel von Zeitlosen gessen tödtet / gleich wie die gifftige schwammen. Darumb sol man dise in den leib nit gebrauchen / dann sie treibt also seer durch den stulgang das auch das blut hernach folgt / unn das darumb / sie verseert die inwendige glider / brent den magen / und beschwert jnen seer. Wo einer aber dise wurtzel unwissend gessen hat / dem soll man küe milch zu trincken geben. Etlich thun darzu Eyches laub / eychel / Granatöpffel schelfen / und Quendel. Es seind auch in disem fall treffenlich gut die inwendige schelfen an den Castanien so sie mit Weggraß safft / oder mit reben oder Brombeer zweigen in wein gesotten / getruncken werden. Doch seind die wurtzel / kraut unn blumen der Zeitlosen nützlich allerley leüß darmit zu vertreiben.

nach oben

Negelblumen (133) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel SyngrŁen (135)

© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de