Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Wunderbaum. Cap. CXXVIII.

 

Abbildung Wunderbaum
Wunderbaum ( CXCII )
Abbildung: Seite 352

Deutsch: Lšusebaum
Deutsch: Christuspalme
Deutsch: Wunderbaum, echter
English: Plant, castor-oil
English: Bean, castor
Francais: ricin
Latein: Ricinus communis

Namen.

W
Underbaum oder Wundelbaum nent man auch Creützbaum / und Zeckenkörner. Auff Griechisch würt gegenwertigs kraut Cici und Croton / zu Latein Ricinus / bey den Apoteckern Cherva und Cataputia maior genent. Es seind auch ettlich die nennen es Pentadactylon und Palmam Christi. Welcher namen allen ursach wir in unserm Lateinischen kreüterbuch haben angezeygt. Wunderbaum ist es genent worden der ursach halben / das es in einer kurtzen zeit wunderbarlich also hoch übersich scheüßt / das eim baum gleich würt. Zeckenkörner darumb / das sein sam so er außspringt den hundßzecken gantz gleich ist.

Gestalt.

   Wunderbaum ist wie ein hüpsches beumlin / mehr dann mannß hoch / hat einen runden / holen / rhorechten / zarten / braune / weißfarben / melbechten stengel / mit grossen schwartzen blettern geziert / welche zu ringßumb seind außgeschnitten / und breyt / anzusehen wie ein grosser genßfuß / oder ein außgestreckte hand welche jhr finger von einander sperret / dann yedes blatt ist zerteylt / ettlichs inn siben / ettlichs in acht oder neun teyl. In der höhe gewindt der stengel ästlin mit jhren gewerben unnd knöpffen / unnd an yedem gipffel derselbigen wechst ein traubechter dold / der bringt zweyerley blust geel und rot. Die underst und erst ist geelfarb. Ehe die auffgeen / seind es runde spitzige knöpfflin / so die verblüen / fallen sie ab on frucht. Die ander blust ob denselben ist rot / wie die Saffran blumen / nach derselben kommen stachelechte körner darauß. Ein yedes korn aber ist dreyecket / und wann die zeitig werden thun sie sich auff / und fellt der graw same herauß / welcher sich einem hundßzecken der gestalt nach vergleicht.

Statt seiner wachsung.

   Ist ein frembd gewechß / newlich in unser Teütsch land kommen / würdt nun fast allenthalben in gärten gepflantzt von dem samen.

Zeit.

   Wunderbaum ist ein recht summer gewechß / mag keinen reiffen oder frost leiden / muß järlich vonn dem samen im Aprillen gepflantzt werden / welcher im Herbst soll gesamlet werden / dann also bald die kellte anfelt / wie angezeygt / so verdirbt diß gewechß.

Die natur und complexion.

   Wunderbaum ist warm und trucken im andern / oder zum höchsten im dritten grad.

Die krafft und würckung.

   Dreissig zeckenkörner von jhren schelfen gereynigt / zerstossen und getruncken / treiben durch den stulgang die gallen / zähen schleim und wasser. Machen speien. Es ist aber sölche purgation unlieblich und müeselig / dann sie bewegt und überwürfft den magen hefftig. Gedachte körner zerstossen unnd angestrichen oder übergelegt / vertreiben die masen unn flecken des angesichts. Die bletter zerstossen und über die geschwollene hitzigen augen / und starrenden brüst gelegt / benimpt die geschwulst und schmertzen derselbigen. Mit essig vermischt leschen sie das rotlauff. Das öl von dem samen ist subtiler complexion / unnd wermer dann baumöl. Dienet nit zu essen / sonder allein zu den pflastern / unnd zu den nachtliechtern.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de