Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Weiden. Cap. CXXVI.

 

Abbildung Rot Weiden
Rot Weiden ( CLXXXVIII )
Abbildung: Seite 346

Deutsch: Weide, Purpur-
English: Osier, purple
English: Willow, purple
Francais: osier rouge
Latein: Salix purpurea
 

Abbildung Geel Weiden
Geel Weiden ( CLXXXIX )
Abbildung: Seite 347

Deutsch: Weide, Bunt-
Deutsch: Weide, Dotter-
English: Willow, yellow
Francais: osier jaune
Latein: Salix alba
 

Abbildung Klein Weiden
Klein Weiden ( CXC )
Abbildung: Seite 348

Deutsch: Weide, Rosmarin-
English: Willow, rosemary
Francais: saule feuilles de romarin
Latein: Salix repens

Namen.

W
Eiden werden auch Felber von ettlichen geheyssen. Auff Griechisch Itea / zu Latein Salix. Ursachen aber sölcher namen haben wir in unserm Lateinischen kreüterbuch angezeygt.

Geschlecht.

   Der Weiden seind dreyerley art. Etlich rot / die man zu den banden seer braucht / werde Lateinisch geheyssen Nigrae / oder Punicae / Viminales / Sabinae / unnd Amerinae. Die andern seind geel / werden Graecae / Candidae / Vitellinae genent. Die dritten werden klein Weiden geheyssen / und Gallicae zu Latein / wie wir sölchs nach der leng haben im Latein angezeygt / hie on not zu erzelen.

Gestalt.

   Weiden haben ein kurtzen stammen / mit langen ästen / die zu oberst auß den stammen gleich als auß einem haupt herauß kommen / die seind zäch / und lassen sich biegen. Die bletter seind lang und schmal / oben grün / unden aber äschenfarb. Jre blumen seind gleich wie die schüpen zusamen gesetzt / unn so sie sich auffthun seind sie harig und wollecht / darumb mans Ketzlin nennet. Disen behalten sie nit lang / sonder würdt von dem windt zeitlich / ehe und die frucht hernach folget und zeitig würt / verworffen.

Statt irer wachsung.

   Allerley geschlecht der Weiden wachsen gern neben den wassern / unnd an feüchten orten.

Zeit.

   Die Weiden blüen im anfang des frülings / und fallet sölche blust ab ehe unn die frucht darauß würdt / wie oben angezeygt / welchs auch Homerus hat acht genommen / do er auff seine spraach die Weiden Olesicarpos nennet.

Die natur und complexion.

   Die bletter und blumen / oder Weiden ketzlin / trücknen / unnd ziehen mittelmässig zusamen. Doch ist sein rinde noch trückner.

Die krafft und würckung.

   Die Weiden bletter / same / rinden / und safft / ziehen zusamen. Die bletter zerstossen / und mit ein wenig Pfeffer vermengt unn getruncken / seind gut denen so weetagen der zarten und subtilen därm leiden. Der same ist nützlich denen so blut speien. Gleiche würckung unn krafft hat auch die rind / doch ist sie mehr trücknen. Dieselbig zu äschen gebrent / unn in essig gebeytzt / unn übergelegt / vertreibt die wärtzen und hüneraugen. Der safft von Weiden bletter / oder von der rinden / mit rosenöl in einer Granatöpffel schelen gewermet / unnd in die ohren gethon / stillt den weetagen derselbigen. Die bletter und rinden in wasser gesotten seind gut denen so das Podagram haben / so sie sich darob bäen. Gedacht wasser vertreibt die schüpen auff dem haupt. Der safft auß der rinden gesamlet dieweil die Weiden noch blüen / und in die augen gethan / macht lautere augen / unn ein schön angesicht. Die bletter gesotten und getruncken / vertreiben den lust unn neygung zur unkeüscheyt.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de