Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

Mystel (124) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel Weiden (126)
 

Von Weydt. Cap. CXXV.

 

Abbildung Weydt
Weydt ( CLXXXVI )
Abbildung: Seite 343

Deutsch: Waid, Färber- (kultiviert)
English: Woad, domesticated
English: Dyer's woad
Francais: pastel
Latein: Isatis tinctoria var. sativa
 

Abbildung Wild Weydt
Wild Weydt ( CLXXXVII )
Abbildung: Seite 344

Deutsch: Waid, Färber- (verwildert)
English: Dyer's weed, common
English: Woad, wild
Latein: Isatis tinctoria var. vulgaris

Namen.

W
Eydt würt auff Griechisch und Lateinisch Isatis genent. Vor zeiten ist es auch Glastum geheyssen worden / yetzund aber nent mans Guadum / darvon dann der Teütsch nam Weydt kompt.

Geschlecht.

   Des Weydts findt man zweyerley geschlecht. Eins ist zam / welches man braucht zu blawer farb. Das ander wild / welches zu dem ferben nit gebraucht würt.

Gestalt.

   Das zam Weydt hat bletter auff der erden außgebreyt wie Wegerich / doch feyßter unn schwertzer. Der stengel so im andern jar auff scheüßt ist zweyer elen hoch / thut sich in der höhe auff / mit vilen ästen unnd zincken / welche mit kleinen spitzigen blettlin geziert seind. Am gipffel der stengeln wachsen seer kleine geele blümlin / gantz dosschecht / vil neben einander / auß welchen werden hülsen / die seind lang und breyt / anzusehen wie kleine zünglin / darinn ist der sam. Dise seind erstlich grün / darnach aber werden sie schwartzbraun. Das wild geschlecht ist der zamen gantz gleich / doch seind die stengel etwas zärter / kleiner / unn braunlecht / die hülsen seind auch schmeler dann an dem zamen / sonst ist gar kein underscheyd zwüschen beyden geschlechten.

Statt irer wachsung.

   Das zam Weydt würdt an vilen orten unsers Teütschen lands gepflantzt / fürnemlich umb Ach und Erdfurt. Zu sölchem kraut hat man eygen mülen erfunden / auff welchen es dieweils noch grün ist gebreßt und zerknützt würt / darnach macht man kugel oder ballen darauß / unnd last sie auff hürten im heyssen summer ligen / zu letzst brauchens die ferber zu blawer farb der wollen und tücher. Das wild wechst von sich selbs / doch nit allenthalben. Aber umb Tübingen findt mans in grösser menge / dann alle rheyn und mauren der weingärten vol stond.

Zeit.

   Beyde zam und wilde Weydt blüen im Meyen und Brachmonat / darnach bringen sie jren samen wie angezeygt.

Die natur und complexion.

   Das zam Weydt ist bitter unn zeücht zusamen / darumb es seer trücknet / doch ist es nit räß oder scharpff / wie das wild / welchs mehr wermet unnd trücknet dann das zam.

Die krafft und würckung.

   Die bletter vom zamen Weydt zerstossen und übergeschlagen / zerteylen allerley geschwulst. Sie heylen auch frische wunden. Stellen das blut. Sie heylen auch allerley böse / faule / rinnende / umb sich fressende schäden und wunden. Man mag aber gedachten blettern vermischen brot / oder Gersten / oder Weytzen meel / nach glegenheit der sach. Die bletter seind auch gut zu dem rotlauff zerstossen unn übergeschlagen. Das wild geschlecht ist fürnemlich gut zu den feüchten faulen schäde. Zu andern aber vorgenante gebrechen ist es nit so dienstlich / dann es zu seer trücknet / und etwas scharpff ist / derhalben sie ungeschlacht darvon werden / es macht auch beulen. Diß wild geschlecht getruncken und übergelegt ist nützlich den miltzsüchtigen.

nach oben

Mystel (124) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel Weiden (126)

© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de