Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Schaffthew. Cap. CXXI.

 

Abbildung Gro▀ Ro▀schwantz
Gro▀ Ro▀schwantz ( CLXXXI )
Abbildung: Seite 334

Deutsch: Schachtelhalm, Sumpf-
Deutsch: Duwok
English: Horsetail, marsh
Francais: prŕle des marais
Latein: Equisetum palustre
 

Abbildung Klein ro▀schwantz
Klein ro▀schwantz ( CLXXXII )
Abbildung: Seite 335

Deutsch: Schachtelhalm, Acker-
English: Horsetail, common
Francais: prŕle des champs
Latein: Equisetum arvense

Namen.

S
Chaffthew würt von ettlichen Roßschwantz / Pferdschwantz / Roßwedel / Katzenwedel / Katzenzagel / unnd Kantenkraut geheyssen. Auff Griechisch Hippuris / auff Lateinisch Equisetum / unn zu unsern zeiten Cauda equina. Seine namen fast alle hat es daher / das mit seinem har oder langen graßblettlin / einem Roßschwantz gleich ist.

Geschlecht.

   Des Schaffthew ist zweyerley / eins groß und lang / das ander klein. Das groß ist auch zweyerley / dann eins wechst gantz nacket / schlecht als die Bintzen / on har oder nebenfedern / das nent man Schafft. Das ander ist zu ringßumbher mit dünnen graßhärlin gestirnt / wie wir in der beschreibung volkommenlicher wöllen anzeygen / und rauch / darumb es von ettlichen Asprella genent würdt. Daher brauchends auch die dräer allerley holtz unnd geschirr darmit zu polieren und glatt zu machen / würdt gemeinlich Schaffthew genent. Das klein ist auch zweyerley / eins ist etwas grösser / doch mit seinen harlocken gar zart / und drausselecht / würt billich / wie wir in der beschreibung wöllen anzeygen / Roßschwantz genent. Das ander ist das allerbreüchlichst / dann die meyd brauchen sölchs zum kuchen geschirr / sonderlich was von zinn oder anderm metall gegossen ist / würt demnach nit unbillich Kantenkraut geheyssen. Der gestalt halben aber nent mans Katzenschwentz.

Gestalt.

   Das erst geschlecht wechst gantz nacket / schlecht als die Bintzen / on har oder blettlin / mit vilen gewerblin / unnd hat am obersten teyl oder auff der spitzen einen schwartzen dolden / als junge Spargen. Das ander hat hol stengel / ein wenig rotlecht / rauch / hert / mit underscheydlichen gleychen oder gewerblin / welcher ein yedes gleychßlang vom andern ist / auß denselbigen wachsen zu ringßumbher vil zarter / dünner bletter / als die Bintzen. Steigt in die höhe / unn henckt sich an die nechsten pfäl und stecken / oder beystonde gewechß / dosschecht in der höhe mit vil schwartzen härlin gleich einem Roßschwantz. Beyder wurtzeln seind schwartz / holtzecht / und hert. Das dritt geschlecht ist dem andern etwas gleich / doch zärter / und gantz dosschecht. Es seind auch alle gewerblin mit dünnen härlin dermassen besetzt / das ein yeder stengel so herauß gerupfft würt / einem harigen Roßschwantz sich vergleicht. Das vierdt stoßt järlich im Aprilen seine nackete dolden on bletter / wann die etwas auffwachsen / thunt sie sich auff / als die ähern am Wegerich / mit der blust / darnach im Meyen folgen die rauhen holen stengelin hernach / mit jhren härlin oder blettlin / unnd fallen die kölblin oder dolden oben am gipffel ab / und verschwinden on allen samen.

Statt irer wachsung.

   Die ersten zwey geschlecht wachsen in den stillen wassergräbe / darzu in den nassen finstern sümpffen und gruben. Das dritt würdt zwar nit allenthalben gefunden. Sein gewonliche statt aber ist in dunckeln nassen tälern / gemeinlich da die weyher jhre ablaß haben / unn derselben wisen. Das vierdt wechst in den sandigen wisen / auch auff etlichen feüchte sandigen äckern under den früchten.

Zeit.

   Die zwey ersten tringen im Meyen herfür mit jhren dolden / unnd werden alßdann im folgenden monat / unnd schier den gantzen summer gefunden / wie auch die letzsten zwey / die im Aprillen jhre dolden herfür stossen.

Die natur und complexion.

   Alle geschlecht des Schaffthewß ziehen zusamen / unnd trücknen on alles beissen / darumb sie auch krefftig seind zu heylen allerley wunden.

Die krafft und würckung.

   Der außgetruckt safft von Schaffthew in die nasen gethon / oder angestrichen / stillet dat schweyssen auß der nasen. Gedachter safft mit wein getruncken / heylet die roten rhur / treibt den harn. Das kraut zerstossen / oder gepulvert und jngestrewt / heylet allerley grosse und frische wunden / auch wann sie biß an die spannader rüren. Die bletter in wasser gesotten und getruncken / heylen die verseerten därm / und blasen / auch den bruch. Das kraut mitsampt der wurtzel / ist gut denen so husten / unnd schwärlich athem haben / auch allen denen so im leib gebrochen seind. Das kraut in wasser oder wein gesotten unnd getruncken / bekompt wol denen so blut speien / den frawen so zu seer fliessen. Es ist auch nützlich zu allerley bauchflüß diser gestalt genützt / nemlich so ein feber zu schlecht in rauhem wein / on das feber aber in wasser gesotten.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de