Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Lattich. Cap. CXIII.

 

Abbildung Krauser und breyter Lattich
Krauser und breyter Lattich ( CLXVII )
Abbildung: Seite 313

Deutsch: Salat, Pflück-
Deutsch: Salat, Schnitt-
Deutsch: Salat, römischer
English: Lettuce, curly
English: Lettuce, leaf
English: Lettuce, curled
Francais: laitue frisée
Latein: Lactuca sativa var. crispa
 

Abbildung Grosser Lattich
Grosser Lattich ( CLXVIII )
Abbildung: Seite 314

Deutsch: Salat, Kopf-
Deutsch: Kopfsalat
Deutsch: Lattich, Garten-
English: Lettuce, head
English: Lettuce, cabbage
Francais: laitue cultivée
Latein: Lactuca sativa var. capitata
 

Abbildung Wild Lattich
Wild Lattich ( CLXVIX )
Abbildung: Seite 315

Deutsch: Lattich, Stachel-
Deutsch: Lattich, Kompass-
Deutsch: Lattich, wilder
English: Lettuce, prickly
English: Lettuce, wild
Francais: laitue sauvage
Latein: Lactuca serriola

Namen.

L
Attich würdt vonn den Griechen Thridax / zu Latein Lactuca geheyssen. Sölchen namen hat er aber überkommen vonn wegen der milch so auß seinen blettern fleüßt.

Geschlecht.

   Des Lattichs seind zweyerley geschlecht / zam unnd wild. Des zamen seind widerumb zum wenigsten drey geschlecht. Das erst mit den krausen / runtzlechten / gefaltnen blettern / würt krauser Lattich geheyssen. Das ander mit den breyten und runden blettern / würt breyter Lattich genent. Das dritt thut sich gegen dem hertzen zusamen / als die kleine weisse Cappes heuptlin / unnd würdt grosser odr weisser Lattich geheyssen. Wir haben die ersten zwey geschlecht under einer figur begriffen. Der wild Lattich ist vil gröber / unnd mit seinen stacheln rauher dann das yetzgemellt zam geschlecht / am geschmack seer bitter.

Gestalt.

   Der krauß Lattich ist der schönest / hat krause / gefaltne / runtzlechte / zusamen getrungne bletter / und zerkerfft / anzusehen als ein Kalbs kröß. Sein stengel ist etwan mannß hoch / rund / mit vilen ästlin oder zincken / welche am obersten der gipffeln tragen kleine geele gefüllte blümlin / die werden zu einer grawen wollen / und fleügt alßdann der harig schwartzgraw samen dahin / wie am Grindkraut. Der breyt Lattich hat runde breyte bletter / ist sonst aller gestalt nach dem Krausen gleich. Der groß Lattich gewindt grosse breyte bletter / thut sich gegen dem hertzen zusamen / als die kleine weisse Cappes heuptlin. Sein same ist weißfarb / sonst aller gestalt nach dem obgenanten gleich.
   Der wild Lattich ist dem zamen ettwas gleich / allein sein stengel ist höher / und hat vil stachel / wie auch die bletter so sie alt werden / unn seind tieff zerkerfft / am geschmack seer bitter. Die wurtzel ist auch kürtzer. Disen wilde Lattich brauchen vil für Endivien / das doch unrecht ist. Dann die recht Endivien ein ander kraut ist / wie wir an seinem ort wöllen klärlich anzeygen.

Statt irer wachsung.

   Der zam Lattich wechst inn den gärten dahin er gesäet würt. Der wild aber ausserhalb der gärten / neben den zeünen unnd mauren der weingärten / und im feld.

Zeit.

   Die Lattich werden im Mertzen unn Aprillen gesäet. Blüen im Hewmonat / und bringen nachfolgends jhren samen.

Die natur und complexion.

   Der zam Lattich ist kalt und feücht / gleich als das brunnen wasser. Ettlich aber setzen jhnen feücht unnd kalt im dritten grad. Der wild ist minder kalt und feücht dann der zam.

Die krafft und würckung.

   Der zam Lattich bekompt wol dem hitzigen magen / kület / bringt den schlaff / erweycht den bauch / mehret die versigen milch. So er aber gekocht würt / neeret er vil mehr dann row. Sein samen getruncken leschet auß die begird zur unkeüscheyt. Lattich stäts inn der speiß gebraucht / macht dunckel augen. Ist aber gantz dienstlich zu allen hitzigen bresten / und dem rotlauffen so es nit hefftig ist. Lattich leschet auch den durst. Ist zu summers zeit ein angenem essen / vertreibt unlust / und macht begird zu essen. Lattich seind gut zu dem frischen brandt / ehe und die blatern auff faren. Der wild Lattich hat gleiche würckung wie der Magsomen. Demnach bringt er den schlaff / unn legt den schmertzen / in der speiß genossen / oder eüsserlich auffgelegt. Sein safft auff ein quintlin schwär getruncken treibt die wässerige feüchtigkeyt durch den stul auß. Mit frawen milch angestrichen heylet er den brandt. Bringt den frawen jre zeit. Ist nützlich und gut wider die stich der Scorpion / und anderer gifftigen thiern.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de