Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

Christwurtz (105) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel Rödte (107)
 

Von Tag und nacht. Cap. CVI.

 

Abbildung Tag und nacht
Tag und nacht ( CLIIII )
Abbildung: Seite 293

Deutsch: Glaskraut, aufrechtes
English: Pellitory-of-the-Wall
Francais: pariétaire
Francais: casse-pierre
Latein: Parietaria officinalis

Namen.

D
As kraut so wir Tag und nacht nennen / würdt auch von ettlichen Sant Peters kraut / und Glaßkraut geheyssen. Auff Griechisch würdt es Helxine und Perdicion genent. Auff Lateinisch Helxine unnd Urceolaris. Ettlich nennen es Parietariam / die Apotecker Paritariam. Würdt auch Muralis geheyssen / das ist / Maurkraut / darumb das es gern bey den mauren wechst. Glaßkraut aber ist es genent derhalben / das man die gläser hüpsch und sauber mit disem kraut macht. Ursachen der andern namen findt man inn meinem Lateinischen kreüterbuch.

Gestalt.

   Tag unnd nacht hat einen zarten / rotlechten / oder braunen stengel. Bletter die seind dem Bingelkraut gleich / doch nit zu ringßumbher zerkerfft / harig und rauch. Seine blümlin seind seer klein und purpurbraun. Der sam ist schwartz / unnd gar klein / in kleinen rauhen scharpffen heüßlin die sich an die kleyder hencken / bewaret. Die wurtzel ist rotlecht / und mit vilen zaseln.

Statt seiner wachsung.

   Tag und nacht wechst gern bey den zeünen / mauren / und wenden. Würdt auch in vilen gärten gepflantzt.

Zeit.

   Blüet im Hewmonat am fürnemlichsten.

Die natur und complexion.

   Tag unnd nacht seubert / reyniget / zeücht zusamen / mit einer kallten feüchtigkeyt.

Die krafft und würckung.

   Tag unnd nacht / wie yetzund angezeygt ist / reyniget oder seubert / zeücht ein wenig zusamen / und kült. Darumb wann mans überlegt / so heylet es das rotlauffen / den brandt / und alle hitzige geschwär. Der safft darvon mit Bleyweiß vermengt / ist ein köstliche salb zu den yetzgemellten bresten. Heylet auch alle fressende schäden / flechten / zittermäler unnd dergleichen / so sie darumb gestrichen würdt. Gedachter safft mit bocks unschlitt vermengt und übergelegt / miltert die weetagen des Podagrams. Das kraut gesotten und getruncken / stillt und legt das langwirig husten. Ein gurgelwasser auß dem safft gemacht / heylet die hitzigen geschwollnen mandeln. Der safft mit rosenöl vermengt inn die ohren gethon / legt jhren weetagen. In summa / Tag unnd nacht soll man eüsserlich überlegen unnd brauchen in den hitzigen gebresten allein. Dieweil es aber auch seubert / mag mans auch geben denen so den stein haben / unnd nicht leichtlich harnen künden. Und alßdann ist gut unnd nützlich / das man jhm ettwas zusetz / das auch den stein unnd harn treiben kan / als do ist Peterlin / Fenchel / Liebstöckel / Haselwurtz / unnd dergleichen. Also mag man auch eüsserlich das kraut brauchen mit Brunnkressen in wein gesotten / und warm über die blasen legen / alßdann treibt es den harn krefftiglich.

nach oben

Christwurtz (105) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel Rödte (107)

© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de