Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Christwurtz. Cap. CV.

 

Abbildung Christwurtz
Christwurtz ( CLII )
Abbildung: Seite 289

Deutsch: Nieswurz, grŘne
English: Hellebore, green
English: Bear's foot
Francais: ÚllÚbore vert
Latein: Helleborus viridis
 

Abbildung LeŘ▀kraut
LeŘ▀kraut ( CLIII )
Abbildung: Seite 290

Deutsch: Nieswurz, stinkende
English: Setterwort
English: Hellebore, stinking
Francais: pied de griffon
Latein: Helleborus foetidus

Namen.

C
Hristwurtz hat jhren namen daher / das jhre blum sich ettwan inn warmen wintern auff die Christnacht auff thut / wo sie anderst an einem warmen ort / unnd im lufft steet. Würt von yederman schier für die schwartz Nießwurtz gehallten / die sie doch nit ist / wie sölchs ein yeglicher der sie gegen der beschreibung Dioscoridis helt / kan klärlich unn leichtlich abnemen. Dieweil aber die Christwurtz der krafft und würckung nach / der schwartzen Nießwurtz nit seer ungleich ist / unangesehen das der gestalt nach mit derselbigen nit gantz unn gar überein kommet / mag sie wol und recht der ursachen halben für die schwartzen Nießwurtz gebraucht werden. Ja es ist auch mindere geferlichkeyt im brauch diser wurtzel / dann eben der rechten schwartzen Nießwurtz.

Geschlecht.

   Der Christwurtz seind zweyerley geschlecht / zam und wild. Die zam würt in allen Apotecken Elleborus niger geheyssen. Möchte aber füglicher Elleborus adulterinus niger hortensis / wie wir in unserm Lateinischen kreüterbuch haben angezeygt / genent werden. Auff Teütsch würdt das geschlecht Christwurtz geheyssen. Das wild geschlecht / mag man auff Latein Elleborum adulterinum nigrum sylvestrem nennen. Zu Teütsch würt es Leüßkraut genent / darumb das sölchs die weiber brauchen zum viech für die leüß. Man mag es auch wol wilde Christwurtzel / umb der gestalt willen / nennen.

Gestalt.

   Die zam Christwurtz hat einen braunrunden stengel / der hat kein blatt dann allein an seinem gipffel. Die bletter aber seind lang unnd schmal / zu ringßumbher zerkerfft. Die blumen seind an der farb mehr grüner dann geeler / unnd werden zu schötlin / etwan vier oder fünff fächlin neben einander / wie der Agleyen schotten / darinn der schwartz runde same ist. Die wurtzel ist wasecht / schwartz / verwirret / mit vilen zincken durch einander geflochten. Das wild geschlecht ist Leüßkraut genent / ist der Christwurtz so änlich in allen dingen / das sie kaum ein yeglicher von einander scheyden mag / stinckt aber fast übel. Doch seind die bletter schmeler und kleiner / wie auch die blumen / welche zu köpfflin oder schötlin werden / deren zwey oder drey neben einander seind / wie an dem schwartzen Coriander / darinn ist schwartzer samen. Der stengel ist auch an disem geschlecht dicker / mit vilen gleychen. Die wurtzel holtzecht / mit vilen zaseln / und herumbgebogen / oder krumb.

Statt irer wachsung.

   Die Christwurtz wechst schier allenthalben in gärten. Das Leüßkraut aber an steynigen rauhen orten und bergen / gemeinlich neben den strassen / da es nur überflüssig würt gefunden.

Zeit.

   Die Christwurtz blüet etwan umb den Christag / sonderlich in den warmen wintern. Sonst blüet sie im früling / wie das Leüßkraut / welchs blumen auch noch im summer gefunden werden.

Die natur und complexion.

   Die Christwurtz ist der krafft nach der rechten schwartzen Nießwurtz seer gleich / doch nit so krefftig und schädlich / darumb acht ich sie warm unnd trucken zu sein im anfang des dritten grads / oder im end des andern. Das Leüßkraut ist gantz gifftig.

Die krafft und würckung.

   Die Christwurtz purgiert und treibt auß durch den stulgang allerley feüchtigkeyt / in sonderheyt aber die gallen und zähen schleim. Hat derhalben fast alle krafft und würckung der rechten schwartzen Nießwurtz / allein das sie nit so mit grossem gewalt treibt / und minder schädlich ist. Sol aber denen fürnemlich geben werden die mit der fallenden sucht beladen / doll unnd unsinnig oder wanwitzig seind / schmertzen der gleych / wassersucht / lemme der glider / unn dergleichen kranckheyten haben. Man mag aber diser wurtzel ein quintlin gepulvert mit wein oder anderer bequemen feüchtigkeyt jnnemen. Oder aber sie über nacht in wein beytzen / und darnach desselbigen weins auff ein halb drinckgläßlin vol jnnemen. So man auß der Christwurtz ein zäpfflin macht / unnd in die weiblichen scham thut / bringt sie den frawe jre zeit mit gewalt. Christwurtz gepulvert / reynigt die allten schäden oder fisteln. Mit essig vermischt und übergelegt pflasters weiß / oder angestrichen / heylet sie alle böse grind / rauden / flechten / unnd dergleichen ungestalt des leibs. Sie sol auch also gebraucht werden zu etzen und faul fleysch zu verzeren. Das wild geschlecht der Christwurtz tödtet leüß / daher es auch Leüßkraut / wie oben angezeygt / genent ist. Unnd nit allein die leüß / sonder auch alle andere thier / so es von jhnen gessen würt. Darumb mag diß kraut zu den fuchs und wolffkugeln gebraucht werden.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de