Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Rödte. Cap. CVII.

 

Abbildung Röte die zam
Röte die zam ( CLV )
Abbildung: Seite 295

Deutsch: Färberröte, echte
Deutsch: Krapp
English: Dyer's Madder
Francais: garance
Latein: Rubia tinctoria
 

Abbildung Röte die wild
Röte die wild ( CLVI )
Abbildung: Seite 296

Deutsch: Labkraut, Wiesen-
English: Bedstraw, great hedge
Francais: caille-lait blanc
Latein: Galium mollugo

Namen.

R
ödt würt von den Griechen Erythrodanum / von den Lateinischen Rubia geheyssen. Die Apotecker nennen sölchs kraut Rubeam tinctoru. Dise namen aber alle hat sie von jrer roten wurtzel / die von den ferbern gebraucht würt / überkommen.

Geschlecht.

   Der Rödte seind zweyerley geschlecht / zam und wild. Beyder underscheyd kan man auß der beschreibung wol abnemen.

Gestalt.

   Die zam Rödte hat lang / vierecket / rauch stengel / nit anderst dann das Klebkraut / doch vil grösser unnd stercker / welche durch alle gleych auß mit grünen schmalen blettern zu ringßumbher als ein stern bekleydet seind. Jhre frucht ist rund / erstlich grün / darnach rot / zu letzst schwartz. Die wurtzel ist lang / dünn und rot. Die wild ist eben der zamen gleich / allein das sie nit in den äckern / sonder hinder den zeünen und dornhecken wechst. Und ist on zweifel der wilden Rödte das kraut so man Stellariam nent ein geschlecht / dann es auch vierecket stengel hat / welche mit blettern eim stern oder rädle gleich bekleydt seind / seine blümlin aber weiß / die wurtzel dünn / lang / und rotlecht. Die andern achten sölchs kraut für ein geschlecht des Wallstro.

Statt irer wachsung.

   Die zam Rödte wechst in den feldern so umb Hagenow / Speir / unn Straßburg ligen / do mans dann pflantzt nit von samen / sonder von den jungen dolden oder spargen / die werden auff den grund abgeschnitten / unnd zu gelegner zeit im summer wider jngelegt / das gewindt mit der zeit andere wurtzel / zum kauff dienstlich. Die wild würt auch im summer gesamlet.

Zeit.

   Die wurtzeln der zame Rödte werden im dritten jar außgegraben unn zum kauff bereytet / dann mans allein von des genieß wegen / dieweil sie zu den farben genützt würdt / pflantzt. Die wild / in sonderheyt die man yetzund zu Latein Stellariam nent / blüet im summer biß in Herbst.

Die natur und complexion.

   Die Rödte seind warm im andern grad / und im dritten trucken.

Die krafft und würckung.

   Die wurtzel mit Meth gesotten und getruncken treibt den groben harn vilfeltig und mit gewalt / also das auch zu zeiten das blut hernach geet. Diser gestalt gebraucht bringt sie den frawen jhre kranckheyt so sich ein zeit lang verhindert hat. Sie bekompt auch wol den hüfftsüchtigen / unnd denen so lam in glidern seind / gleicher weiß genommen. Doch sollen die so darvon trincken / alle tag baden / und eben acht nemen der überflüssigkeyt so auß dem leib getriben werden.
   Der safft von der wurtzel getruncken ist gut denen so von gifftigen thiern gebissen seind. Deßgleichen thut auch das kraut / oder die bletter in wein gesotten und getruncken. Die wurtzel in hönigwasser gesotten und getruncken / eröffnet und reyniget die leber / miltz / nieren / unnd mutter. Ist ein köstlich tranck zu der geelsucht. Der samen mit Oxymel in den Apotecken geheyssen jngenommen / macht das miltz klein. So man zäpfflin auß der wurtzel macht unn in die muter thut / bringt sie den frawen jr kranckheyt / und zeücht herauß das nachbürdlin / und die todten geburt. Mit essig zerstossen unnd angestrichen / heylet sie allerley mäler unnd flecken der haut / als seind die flechten unnd zittermäler.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de