Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von weiß Senff. Cap. XCIX.

 

Abbildung Zam weiß senff
Zam weiß senff ( CXLV )
Abbildung: Seite 277

Deutsch: Stinkrauke
Deutsch: Doppelsame, schmalblättriger
Deutsch: Rampe, Stink-
English: Rocket, perennial wall
Francais: roquette sauvage
Latein: Diplotaxis tenuifolia
 

Abbildung Wild weiß senff
Wild weiß senff ( CXLVI )
Abbildung: Seite 278

Deutsch: Sumpfkresse, wilde
Deutsch: Wildkresse
English: Rocket, water
English: Yellow-cress, creeping
Francais: roquette sauvage
Latein: Rorippa sylvestris

Namen.

W
Eiß Senff würt von den Griechen Euzomos / unnd von den Lateinischen Eruca geheyssen. Auß was ursachen aber gedachte namen disem kraut seind geben worden / ist gnugsam in dem Latein angezeygt. Die Apotecker kennen disen weissen Senff nit / brauchen den andern Senff darfür.

Geschlecht.

   Des weissen Senffs seind zweyerley geschlecht / einer zam / der ander wild. Was aber für underscheyd in denselbigen sey / kan man auß der gestalt / die hernach folgt / leichtlich und klärlich abnemen.

Gestalt.

   Der zam weiß Senff hat stengel eins elenbogens hoch / daran wachsen lange und schmale bletter / tieff zerschnitten unnd zerkerfft / die seind am geschmack seer scharpff. Seine blumen seind bleychgeel / auß welchen werden schäflin gleychßlang / darinn bringt es seinen samen / welcher klein ist unnd vest. Der wild ist dem zamen seer gleich / doch in allen dingen kleiner / in sonderheyt mit den blettern / blumen / die nit so gar bleychgeel / sonder ettwas satter seind / und schäflin.

Statt irer wachsung.

   Der zam weiß Senff wechst in den gärten / dahin er gesäet würt. Ist auch newlich in unser land kommen. Der wild wechst gern bey den wassern / und in den steynigen orten / do ettwan die wasser außgelauffen seind.

Zeit.

   Der zam blüet den gantzen summer. Der wild aber im Brachmonat / zu welcher zeit man jn fürnemlich mit den blumen und schäflin suchen sol.

Die natur und complexion.

   Der weiß Senff hat ein natur und complexion mit dem Hederich. Was aber dieselbig sey / haben wir oben im xcvi. capitel angezeygt.

Die krafft und würckung.

   Des zamen weissen Senffs bletter row in guter menig gessen / reytzen zur unkeüscheyt / treiben den harn / krefftigen die dewung / und machen einen linden bauch. Doch wann mans brauchen will / so sollen darzu gethan werden Lattich bletter / sonst machen sie weetagen des haubts.
   Der sam widersteet dem gifft der Scorpion unn spinnen. Vertreibt allerley ungezifer so am leib wechst. Deßgleichen mit hönig vermischet unnd angestrichen / nimpt er hinweg allerley ungestalt des angesichts. Mit küe oder ochsengallen vermengt / vertreibt er die schwartzen masen. Die roßmucken / oder mäler under dem angesicht / mit essig vermischt. Er ist auch wol zu gebrauchen in die speiß / dann er macht sie lieblich. Seine wurtzel in wasser gesotten unnd übergelegt / zeücht die gebrochnen bein herauß.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de