Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Tormentill. Cap. XCVIII.

 

Abbildung Tormentill
Tormentill ( CXLIIII )
Abbildung: Seite 275

Deutsch: Tormentill
Deutsch: Blutwurz
Deutsch: Fingerkraut, aufrechtes
English: Bloodroot
English: Tormentill, common
Francais: tormentille
Latein: Potentilla erecta

Namen.

T
Ormentill würt von ettlichen auch rot Heylwurtz und Birckwurtz / derhalben das die wurtzel rot und heylsam ist / unn allermeyst in den Bircken wälden gefunden würt / geheyssen. Auff Griechisch würt diß kraut Heptaphyllon / zu Latein Septifoliu genennt. Die newen kreütler nennens Tormentillam / ettlich derselben Bistortam / doch nit on jrthumb / dann Bistorta ist ein ander kraut / wie wir an seinem ort wöllen anzeyge. Ist aber sölcher jrrfal daher kommen das beyde kreüter wurtzeln rot seind / unn derhalben einander etwas gleich / doch ist der Bistorte wurtzel seer gekrümmet / und in einander geflochten.

Gestalt.

   Tormentill ist dem Fünff fingerkraut gar änlich / hat dünne runde bintzechte gertlin / etwan vier / fünff / oder sechß von einer wurtzel / dieselben rütlin seind vonn unden an biß oben auß bekleydet mit blettlin die seind klein / zerspalten / zu zeiten in siben underscheydliche fingerlin / etwan unn fast das mehrerteyl in fünff zerteylet / die ungeverlich gleychßlang von einander steen / unnd zu ringßumb mit kleinen schärtlin wie ein säg oder sichel zerkerfft seind. Seine blümlin seind bleychgeel wie des fünff finger krauts. Die wurtzel ist braunrot / dick / mit vilen angehenckten zaseln.

Statt seiner wachsung.

   Tormentill wechst gern auff den wisen so an hohen bergen gelegen / und in den wälden fast allenthalben.

Zeit.

   Tormentill blüet im Meyen so sie noch klein ist / und nit über spannen hoch. Die aber grösser ist / dieselbig kompt später herfür / unnd blüet fast den gantzen summer.

Die natur und complexion.

   Schier alle so von den kreütern geschriben haben / meynen das dise wurtzel im dritten grad kalt und trucken sey. Trucken ist sie zwar wol im dritten grad / aber nit kalt / dann der geschmack / deßgleichen auch die würckung zeygen klärlich an / das kein sölche grosse kelte in diser wurtzel nit sey / wie wir dann im Latein weitleüffiger haben angezeygt. Ist demnach die Tormentill wurtzel im dritten grad trucken / doch on alle offenbarliche und empfindtliche hitz.

Die krafft und würckung.

   Tormentill wurtzel ist seer nützlich zu allerley wunden / dann sie heylet dieselbigen / innerlich / in wein oder wasser gesotten unnd getruncken / gebraucht / oder eüsserlich die wunden darmit gewäschen / und das pulver darinn gestrewet.
   Das kraut oder die wurtzel gedörret / und zu pulver gemacht / und in Wegerich safft getruncken / vertreibt die harnwinde. Deßgleichen mit eyerklar vermengt und durch einander gerürt / also das ein deyglin darauß würt / unnd in einem jrden geschirr / oder auff einem heyssen ziegel gebachen als ein küchlin / ist fürtreffenlich gut denen so unden unn oben von sich geben. Das pulver oder safft von den blettern heylet die allten fistel / so mans darinn strewet / oder tropffen laßt. Gedachter safft macht klare augen / darinn getropfft. Das kraut unn wurtzel im mund gehalten unnd gekewet / heylet desselbigen faulen geschwär. Beyde kraut und wurtzel mit einander zerstossen und übergelegt / zerteylen unn vertreiben die kröpff / hertigkeyt / geschwulst / unn undergerunnen blut. Die wurtzel ist gut wider allerley gifft / und die pestilentz. Heylet die roten rhur / und stellet das blut. In summa / hat alle krafft unn würckung des Fünff finger krauts.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de