Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Groß Schlangenkraut. Cap. LXXXV.

 

Abbildung Schlangenkraut
Schlangenkraut ( CXXX )
Abbildung: Seite 249

Deutsch: Drachenwurz
English: Dragon plant
English: Dragonwort
Francais: serpentaire
Latein: Dracunculus vulgaris

Namen.

D
As groß Schlangenkraut würdt von den Griechen Dracontion mega / und von den Lateinischen Dracunculus maior / oder Serpentaria maior geheyssen. Hat aber seinen namen daher / das sein stengel mit vilen roten flecklin oder tipfflin / gleich wie die Schlangen besprengt / und lang ist / auch am obersten teyl des stengels gestalt wie ein schlangen kopff / der ein blutige zungen herauß reckt.

Gestalt.

   Groß Schlangenkraut hat einen glatten stengel / zweyer elenbogen hoch / unn dick als ein steck / mit vilen roten flecklin oder tipfflin / gleich wie ein schlang / besprengt. Die bletter seind zimlich lang und breyt als der Mengelwurtz / doch in sich selbs gebogen unn umbgewendt. Auff dem obersten teyl des stengels bringt es ein lang / rund / und oben auß spitzig ding / einer hülsen / oder scheyden gleich / außwendig grün / welchs so es sich auff thut / so erzeygt sich alßdann ein purpurbraun kölblin oder horn / oben auff zugespitzt. Underhalb des horns ringßumbher bringt es / wie der Aron / ein treüblin mit vilen beeren / welche erstlich grün / darnach aber saffrangeel und rot werden. Die wurtzel ist zimlich groß / rund / und weiß / mit einer zarten schelfen oder rinden umbgeben.

Statt seiner wachsung.

   Schlangenkraut wechst an schattechten orten.

Zeit.

   Der sam sol gesamlet werden nach dem unnd er rot unnd zeitig würt. Die wurtzel aber im Hewmonat und Augstmonat.

Die natur und complexion.

   Schlangenkraut ist scharpff / bitter / und zeücht ein wenig zusamen / und ist derhalben warm und trucken.

Die krafft und würckung.

   Groß Schlangenkraut gesotten oder gebraten / mit hönig vermischt unnd also wie ein latwerg jngenommen / ist nützlich denen so seer keichen / husten / unn einen fluß herab auß dem haubt auff die brust haben / dann sie zerteylt die groben unnd zähen feüchtigkeyt. Mit wein getruncken / reytzt sie zur unkeüscheyt. Gedachte wurtzel zerstossen und übergelegt / oder zu pulver gemacht und darinn gestrewet / heylet allerley böse schäden unnd geschwär die umb sich fressen. So mans mit hönig vermengt / unnd in die fisteln thut / heylet sie dieselbigen. Vertreibt auch flecken unn mäler under dem angesicht unn am gantzen leib / so mans darmit bestreicht. Der safft auß der wurtzel / ist gut den dunckeln augen / darinn gethon. Die bletter auff die frischen wunden gelegt / heylen sie / doch dieweil sie noch grün seind / dann wo sie dürr werden / seind sie scharpff / und künden derhalben den wunde nit bekommen / noch zur heylung dienstlich sein. Die allten haben auch darfür gehalten / wann man einen feüchten unnd weychen käß in dise bletter wickelt / das sie denselben / umb jhrer trückne willen / bewaren das er nit faul werde. Die frucht ist krefftiger in heylung der wunden und schäden / dann die bletter oder wurtzel. Die bletter und wurtzel vertreiben nater unnd schlangen bey sich getragen / oder darvon getruncken.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de