Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Eychbaum. Cap. LXXXIIII.

 

Abbildung Eychbaum
Eychbaum ( CXXIX )
Abbildung: Seite 247

Deutsch: Eiche, Sommer-
English: Oak, English
English: Oak, pedunculate
Francais: chŕne pÚdonculÚ
Latein: Quercus robur

Namen.

E
Ychbaum würt auff Griechisch Drys / und Lateinisch Quercus geheyssen / welcher nam in den Apotecken bliben ist.

Gestalt.

   Der Eychbaum ist zwar yederman bekant / und bedarff derhalb keins vleissigen abmalens. Ist aber ein hoher baum / mit einer groben / dicken unnd rauhen rinden unn stammen / mit vilen ästen / an welchen bletter wachsen die seind vilfeltig und tieff zerkerfft / wie an dem kleinen Bathengelkraut. Bringt zweyerley frücht / eine an den blettern / welche würt zu Latein Galla genent / und auff Teütsch Gallöpffel / oder Eychöpffel / darumb das sie einem kleinen öpffelin gleich ist. Die ander zwüschen den blettern / Glandes zu Latein / auff Teütsch Eychel geheyssen. Diser baum bringt auch seinen mistel. Die wurtz breytet sich weit auß im erdtrich.

Statt seiner wachsung.

   Der Eychbaum wechst allenthalben in unsern landen / fürnemlich in wälden / und andern orten mehr.

Zeit.

   Diser baum grünet auch unnd schlecht auß im früling / doch seer langsam / wann die andern baum fast alle lengest verblüet haben.

Die natur und complexion.

   Der Eychbaum trücknet auß / zeücht zusamen / gar nach mit einer mittelmässigen werme.

Die krafft und würckung.

   Des Eychbaums bletter / fürnemlich aber das klein subtil heütlin so zwüsche der rinden und dem stammen würt gefunden / unn das so zwüschen der eychelhülsen und seinem jnnern kern wechst / ziehen zusamen. Darumb so mans in wasser siedet unnd kocht / heylen sie die roten rhur / unnd das blut speien / stellen den bauchfluß / und der frawen kranckheyt. Heylen auch allerley wunden / so mans zerstoßt / und überlegt. Gleiche würckung haben auch die Eycheln / treiben den harn / doch so mans isset machen sie das haubtwee / und bläen seer. Seind aber nützlich für allerley gifft der gifftigen thiern. Die Eyche rinde mit milch gesotten und getruncken / widersteet allerley gifft. Row aber gestossen unnd übergelegt / lindern sie die überige hitz. Seind auch gut mit schweine gesaltzen schmaltz vermischt und übergelegt / zu den bösen herten geschwulsten / unn allten schäden. Die Eychöpffel ziehen seer zusamen / und seind einer kalten und groben natur / külen im andern grad / und trücknen im dritten. So man dise zerstoßt / unn überlegt / treibe sie hindersich allerley flüß / in sonderheyt die so in das zanfleysch oder auff das zäpfflin fallen / verhindern auch derhalben die mundfeüle. So man begert das die Eychöpffel wenig hindersich treiben unnd zusamen ziehen / sol mans in wasser sieden. So man aber will das sie krefftiglich hindersich treibe / in wein der do rauch sey. Die Eychöpffel gebrent / stellen das blut. Sollen aber so lang in der kolen gelassen / biß sie glüend / unn darnach mit essig oder wein abgelescht werden. Eychöpffel gesotten / unn in das wasser darinn sie gesotten seind gesessen / verhindert den außgang der muter / unnd der weiber blödigkeyt. So mans in essig oder wasser beytzt / und das har darmit netzt / machen sie dasselbig schwartz. Seind auch nützlich den so die roten rhur haben / in wein oder wasser gesotten / und getruncken / oder aber zerstossen und übergeschlagen.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de