Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Geyßbart. Cap. LXV.

 

Abbildung Wald Geyßbart
Wald Geyßbart ( CI )
Abbildung: Seite 200

Deutsch: Geißbart, Wald-
Deutsch: Geißbart, großer
English: Goat's-beard
Francais: barbe de bouc
Latein: Aruncus dioicus

Namen.

D
Iß kraut so wir Geyßbart nennen / hat seinen namen daher / das seine blumen der gestalt nach zottet seind / unn eim Geyßbart gleich. Zu Latein würt es Barba capri / auch diser ursach halben geheyssen. Ob aber diser Geyßbart sey Pycnocomu Dioscoridis / zweifeln noch vil / was aber unser meynung sey / wöllen wir folgends anzeygen.

Geschlecht.

   Des Geyßbarts seind zweyerley geschlecht / einer wechst in den finstern wälden / welchen wir von mehrer underscheyds wegen haben wald Geyßbart genent. Der ander aber / welcher in feüchten wisen wechst / ist vo uns wisen Geyßbart geheyssen worden. Würt auch genent gemeyner Geyßbart.

Gestalt.

   Der wald Geyßbart ist ein staud dreyer elenbogen hoch / sein stengel ist ecket / die bletter haben zu ringßumbher vil scharten / als Kesten / oder Haselstauden laub. Die blumen seind weiß / zasecht / drauschelecht / einem schneeweissen bart gleich. Auß welchen werden lange zapffen / wie an den Haselstauden / welchs ist sein sam. Die wurtzel ist schwartz / holtzecht / unn inwendig weiß. Auß welchem menigklich kund ist das diß gewechß nit Pycnocomu Dioscoridis sein kan / dieweil die beschreibung mit demselbigen nit überein kompt. Der wisen Geyßbart hat stengel inwendig hol / vierecket / braun / unnd etwan manß hoch. Die bletter hart / runtzlecht / mit seinen falten dem jungen Birckenlaub gleich / ein yedes haubtblatt zerschnitten mit seine nebenblettern wie Odermenig / doch grösser und lenger. Die blumen sein zusamen getrungen / mehr dann des Attichs / von farben weiß / wie ein traub anzusehen / eins lieblichen geruchs. So bald die verwelcken / würt ein samen / dem Lauch same gleich / oder wie kleine spitzige wärtzlin / ein yedes mit dreyen zäpflin. Die wurtzel lang / aller ding wie Naterwurtz das weible / außwendig schwartz / inwendig leberfarb braun / eins starcken geruchs. Auß welcher beschreibung menigklich wol abnemen kan / das diß geschlecht dem Pycnocomo Dioscoridis nit seer unänlich ist / welches stengel ist vierecket / die bletter rauch und hart / die blumen weiß / als des Basilien / der samen dem Lauch samen gleich / die wurtzel schwartz / rund / einem kleinen apffel gleich / inwendig geel. Und dieweil die wurtzel bitter ist / seind sie der würckung halben auch nit weit von einander.

Statt irer wachsung.

   Der wald Geyßbart wechst in finstern dicken wälden / zu zeiten auch in den schattechten tälern. Der ander in den wisen / etwan zwüschen den dornen und hecken.

Zeit.

   Sie blüen im Hewmonat / und bringen folgends jhren samen.

Die natur und complexion.

   Beyde Geyßbart seind warmer und truckner natur / das man leichtlich mag abnemen von jhrem geschmack / der do bitter ist.

Die krafft und würckung.

   Beyderley geschlecht Geyßbart / fürnemlich aber der wald Geyßbart / seübern und reynigen / und zerteylen auch grobe feüchtigkeyt so sich in den adern gesamlet hat / und anderßwo im leib. Bringen den frawen jhre kranckheyt. Machen außwerffen. Das kraut zerstossen und übergelegt / verzeret die geschwulst. In summa / hat alle würckung so den bittern dingen werden zugelegt.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de